Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat im Schiedsrichterstreit durchgegriffen und auf Anraten der unabhängigen Ethikkommission Konsequenzen für die Beteiligten beschlossen. "Mit der Vereinbarung ist die Basis gelegt, weiter sachorientiert zusammen zu arbeiten", sagte DFB-Vizepräsident Ronny Zimmermann.

Der Vorschlag sieht vor, dass Hellmut Krug seine Funktion in der Schiedsrichter-Kommission Elite aufgeben wird und Leiter des Projektes Video-Assistent bleibt. Krug war bis 2007 Leiter der Fußballschiedsrichter-Abteilung beim DFB. Herbert Fandel besucht keine Lehrgänge der Elite-Schiedsrichter mehr, bleibt aber auf Wunsch der Mehrheit der Bundesligaschiedsrichter ihr Coach. Manuel Gräfe wird sich über interne Sachverhalte und über Kollegen nicht mehr unabgestimmt in der Öffentlichkeit äußern. Andernfalls wird er nicht mehr als Schiedsrichter in der Bundesliga eingesetzt. Außerdem wird er ab sofort nicht mehr als Video-Assistent in der Bundesliga arbeiten.

Klaus Kinkel, früherer Außen- und Justizminister und derzeit Vorsitzender der Ethikkommission, erklärte: "Aufgrund der Vielzahl der Gespräche und Kontakte gehe ich davon aus, dass die erreichte Vereinbarung zu einer versöhnlichen Regelung und Entspannung der aktuellen Situation im Schiedsrichterbereich des DFB beitragen wird."

"Wir sind der Ethik-Kommission sehr dankbar für ihre Arbeit, die einen Konflikt beruhigt, der das gesamte Schiedsrichterwesen in den vergangenen Monaten belastet hat", sagte Zimmermann.

Der Vorschlag der Kommission sehe zudem vor, dass der DFB über die bereits eingeleiteten Veränderungen hinaus – wie Bewertungssystem, Honorierung und Betreuung – im Schiedsrichterbereich "nochmals eine moderne, transparente und gerechte Struktur entwickeln wird".

Die Fifa-Referees Manuel Gräfe und Felix Brych hatten in den vergangenen Wochen schwere Vorwürfe gegen den DFB-Schiedsrichtermanager Krug sowie gegen Fandel als Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses erhoben. Dabei geht es um vermeintliche "Vetternwirtschaft" und "fehlende Transparenz" bei der Auswahl und Nominierung der Bundesliga-Referees. Im Raum steht sogar der Vorwurf, Krug habe Schiedsrichter-Beobachter in einigen Fällen dazu aufgefordert, nachträglich die Bewertungen mehrerer Unparteiischer zu korrigieren.

Der Konflikt, der nun wenigstens teilweise öffentlich ausgetragen wird, ist alt. Bereits vor zwei Jahren sprach sich in einer anonymen Umfrage eine Mehrheit der Bundesliga-Schiedsrichter gegen Fandel, den damaligen Schiedsrichter-Chef des DFB, und Krug, den damaligen DFL-Verantwortlichen, aus. Das führte zu deren Absetzung. Seit Sommer 2016 sitzt Lutz Michael Fröhlich der Schiedsrichterkommission des DFB vor. Einiges hat sich durch seinen diplomatischen Stil verbessert. Doch den radikalen Schnitt mit Fandel und Krug hat der DFB vermieden.