"Es wird noch Tote geben." Elias Zaccour hat recht behalten. Der libanesische Kenner der Fifa-Innenwelt, der inzwischen verstorben ist, eines natürlichen Todes, hatte dies vor Jahren prophezeit. Nun beging ein argentinischer Rechtehändler Suizid, nachdem ihm ein Landsmann vor Gericht Bestechung vorgeworfen hatte. Der Zeuge heißt Alejandro Burzaco und behauptet auch, Katar habe die Fußball-WM gekauft.

In einem Gerichtssaal in Brooklyn wird seit gut einer Woche Fußballfunktionären und deren Geschäftspartnern der Prozess gemacht, nachdem das FBI im Jahr 2015 mehrfach Fifa-Mitglieder aus Schweizer Luxushotels in den frühen Morgenstunden und hinter weißen Bettlaken abgeführt hatte. Im Zeugenstand gab Burzaco weinend zu, über Jahre Fußballbosse geschmiert zu haben. Unter anderem sollen die drei ehemaligen südamerikanischen Fifa-Exekutivmitglieder Julio Grondona, Ricardo Teixeira, Nicolás Leoz für ihre Katar-Stimmen mindestens je eine Million Dollar erhalten haben.

Burzaco berichtete von einer Begegnung der drei auf der Herrentoilette in Zürich, wo am 2. Dezember 2010 die WM-Vergabe stattfand. Weil der Paraguayer Leoz im ersten von mehreren Wahlgängen nicht für Katar gestimmt hatte, sollen die anderen beiden gemäß der Süddeutschen Zeitung ihn geschüttelt und gerufen haben: "Was machst du? Stimmst du nicht für Katar?"

Weitere vielsagende Details aus Brooklyn: Die Namen der Jury gibt das Gericht nicht bekannt, offenbar um Morddrohungen zu verhindern. Der Staatsanwalt will beobachtet haben, dass einer der Angeklagten Burzaco die Halsabschneidergeste zeigte. Bald bist du tot! Nicht das erste Mal, dass man ihm dies zu verstehen gab. Die Richterin will nun die Bilder der Gerichtskameras auswerten. Endlich ein Videobeweis, der den Fußball voranbringt. Der Anwalt des Angeklagten sagte übrigens den Robert-Deniro-haften Satz, sein Klient habe sich bloß vor Schmerzen an den Hals gegriffen. Die New Yorker Luft sei so trocken.

Tränen im Gerichtssaal, Raufereien am Pissoir, ein Selbstmord, Todesdrohungen und neue Vorwürfe gegen Katar. Der Prozess in New York enttäuscht keine Erwartungen, erweist sich als das erwartet spektakuläre Gangsterdrama. Doch was passiert nun mit der WM in Katar?

Verstoß gegen den Ethik-Code der Fifa

Sie sind in der Minderheit, aber es gibt Leute aus der Welt des Fußballs, die glauben, in Katar werde keine WM stattfinden. Burzacos Vorwürfe sind nicht der endgültige Beweis, dass Katar die WM gekauft hat. Aber eine Aussage unter Eid ist ein starkes Signal. Schon der Garcia-Bericht, den die Fifa zur Aufklärung anfertigen ließ, hatte Indizien gegen Katar geliefert. Und überhaupt gibt es niemanden in der Szene, den die neuen Erkenntnisse überraschen.

Sollte Katar Wähler geschmiert haben, wäre das ein klarer Verstoß gegen den Ethik-Code der Fifa. Sie hätte dann gute juristische Argumente, Katar einen Vertragsbruch vorzuwerfen. Die Fifa müsste nicht mal schnell handeln. Ließe man dem neuen WM-Gastgeber drei bis vier Jahre Vorlauf, wäre das ausreichend.