Es begab sich aber zu der Zeit, als ein Pass von Thomas Müller ausging, der die Dortmunder Abwehr schätzen sollte. Müller wartete nach 40 Minuten im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Borussia Dortmund an der rechten Außenlinie und überlegte, wie er es nun machen würde. Dortmund stand mit einer Fünferkette vor ihm, dazu kamen drei Mittelfeldspieler. Viele Beine also, doch die Lösung war verblüffend einfach.

Er spielte einen Pass zu Robert Lewandowski, lief unterdessen weiter, Lewandowski spielte ihm den Ball wieder zurück – und Müller stand auf einmal vor Roman Bürki und lupfte den Ball zum 2:0 ins Tor. Den BVB-Torhüter mitgezählt, düpierten zwei Bayernspieler in diesen Sekunden sieben Borussen. Die Abwehr des BVB war damit geschätzt worden: Sie verteidigte hamburgerisch, und nicht wie die zweitbeste deutsche Mannschaft der vergangenen Jahre. 

Die erste Halbzeit im Spiel gegen die Bayern aber ließ zwischen einem durchschnittlichen Hamburger Gastspiel und dem der Borussen keinen Unterschied erkennen. Man musste daher um den Dortmunder Weihnachtssegen fürchten. Dass der BVB dann doch nur mit einem 0:2-Rückstand in die Halbzeit ging, war nicht dem eigenen Verdienst, sondern der bayerischen Schlampigkeit geschuldet. Ebenso, dass die Borussia sich am Ende fast noch in die Verlängerung rettete.

Paroli geboten?

Mit dem 2:1-Endstand stehen die Bayern jedenfalls im Pokalviertelfinale und werden wohl sehr bald im Frühjahr Deutscher Meister werden. Zudem sind sie als einziges deutsches Team noch in der Champions League. Damit haben sie dem BVB gerade viel voraus. Die Bayern sind den Dortmundern wieder enteilt.

Das ist neu, seit 2012 konnte die Borussia immer Paroli bieten. Diesen Eindruck vermied sie am Mittwoch zumindest 70 Minuten lang erfolgreich. Es sah kurz vor dem Fest so aus, als ob alle, bis auf das Geschenk selbst, bemerkt hatten, wie eng das Paketband um den BVB schon geschnürt war.

Das letzte Spiel des Jahres wird in München nicht irgendeinem 1:0-Sieg gegen Mainz überlassen. Es ist fester Bestandteil der bayerischen Weihnachtsprozedur. Im christlichen Abendland kehrt Ruhe ein: Die Predigten für die Christmette sind entworfen (Gottes Liebe ist groß, Bayern ist super), viele Gänse erleben gerade ihre letzten Tage, und eine Blaskapelle bläst Oh Tannenbaum ins Stadion. Da gehört es sich, dass der Stolz vieler Bayern noch mal deftig mit dem Hauptkonkurrenten der vergangenen Jahre abrechnet. Erst dann werden die Kerzen am Weihnachtsbaum in Frieden angezündet.

Körpergröße und Kopfballstärke

Der BVB nahm am Spiel aber auch einfach nicht teil. Bevor das 1:0 in der 11. Minute fiel, hätten die Bayern durch Kopfbälle an die Latte (Vidal), Lupfer an die Hand des Torhüters (Lewandowski) oder Schüsse auf dessen Brust (Ribéry) in Führung gehen müssen. Sie waren gnädig bis fahrlässig.

Dann kamen die beiden Innenverteidiger der Bayern, Niklas Süle und Jérôme Boateng, frei zum Kopfball. Aufgrund ihrer stattlichen Körpergröße sind beide einer gewissen Kopfballstärke ja nicht unverdächtig, doch das störte den BVB nicht so recht. Boateng machte das 1:0.

Dortmunds neuer Trainer Peter Stöger musste improvisieren. Sein Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang, der Heiland des BVB, war verletzt. Also platzierte Stöger mit Pulisic, Kagawa und Jarmolenko drei flinke Spieler vorne, der Rest sollte gut gestaffelt verteidigen. Das ging schief.