Wird Sportlern und Trainern wirklich gehuldigt, hämmern Steinmetze ihre Körper in Statuen. Die schottische Trainerlegende Sir Alex Ferguson hat eine, Cristiano Ronaldo auch, wenn auch eine sehr verhunzte. Oder man hängt ihre vor Jahren nass geschwitzten Leibchen in ein Museum, wie das von Franz Beckenbauer von 1974. In den USA, beim Basketball, gibt es zwei Orte, an denen man die ganz Großen des Sports ehrt: Die Hall of Fame ist der eine, für die ist das Karrierende von Kobey Bryant noch zu frisch. Die Hallendächer der Arenen sind der andere Ort. Hängt ein NBA-Trikot erst einmal unter dem Hallendach eines Clubs, bedeutet das: Diese Nummer wird nicht mehr vergeben. Eine Ehre, die am Montagabend in Los Angeles Kobe Bryant zuteil geworden ist – allerdings auf eine Weise, die es so bisher nie in der NBA gegeben hat.

Denn die Los Angeles Lakers haben nun als erster NBA-Club überhaupt zwei Nummern von ein und demselben Spieler unter das Hallendach gehängt, die 8 und die 24 von Kobe Bryant. Der 39-Jährige lief jeweils zehn Jahre lang mit den Nummern für die Los Angeles Lakers auf. In dieser Zeit führte er das Team zu fünf Meisterschaften. Im vergangenen Jahr beendete Bryant seine Karriere.

Es passt zu Hollywood und es passt zu Bryant, dass beide Nummern nun unter dem Dach verewigt sind. Der ehemalige Flügelspieler hat seinen Ehrgeiz nie versteckt, er wollte der beste Spieler der NBA sein und hat sich dabei am für viele besten Spieler der NBA gemessen: Michael Jordan.

Das Duell könnte ewig weitergehen

"Mit Jordan verglichen zu werden, macht mir nichts", sagte Bryant schon sehr früh in seiner Karriere zu Sports Illustrated. "Ich erwarte von mir selbst, dass ich so bin wie er." Er ahnte wohl damals schon, dass er Jordan zumindest in einigen Punkten überholen muss, um ähnlich respektiert zu werden. 

Jordan gewann sechs Meisterschaften, eine mehr als Bryant. Jordan wurde fünfmal als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet, Bryant einmal. Jordan war in zehn Spielzeiten der NBA-Spieler mit dem höchsten Punkteschnitt, Kobe zweimal.

Dafür überholte Bryant sein Vorbild in der ewigen Punkteliste der amerikanischen Profiliga, indem er mehr als 33.600 Punkte erzielte, Jordan stand am Ende bei knapp 32.300, Dirk Nowitzki ist dort Sechster mit knapp über 30.000 Punkten. Außerdem erzielte Bryant in einem Spiel einmal 81 Punkte – etwas, das Jordan nie gelang. Jetzt, mit seinen zwei Trikots unter dem Dach, hat Bryant noch einen späten Sieg im ewigen Vergleich der beiden errungen.

Jordan lachte über ihn

Die Basketballszene diskutiert gerne darüber, wer denn nun der Bessere war. Doch ein Vergleich ist schwierig, da zu Jordans besten Zeiten ein anderer Basketball gespielt wurde. Die beiden Flügelspieler trafen zwar in vier Spielzeiten aufeinander, das war Ende der Neunziger und Anfang der Nullerjahre. Aber bei den ersten direkten Duellen war Bryant noch ein Neuling in der Liga, später wiederum war Jordan ein Basketballer, der sein zweites Comeback feierte und längst nicht mehr so gut spielte wie früher.

Beide haben oft betont, dass sie sich gut verstehen. Trotzdem pflegten sie eine Rivalität und versuchten, den anderen mit Aussagen zu reizen. 2012 trat Bryant mit der Nationalmannschaft bei den Olympischen Spielen an und sagte, dass das aktuelle Team durchaus das legendäre Dream-Team um Michael Jordan von 1992 schlagen könne. Jordan konnte darüber nur lachen.

Beide gewannen ihre Meisterschaften unter dem gleichen Trainer, Phil Jackson. Man sagt ihm nach, er könne auch mit schwierigen Charakteren umgehen. Ein solcher war Kobe Bryant. Bryant galt lange als jemand, der lieber gerne selber wirft, als den Pass zu spielen. Jackson bezeichnete ihn als "untrainierbar". Topspieler der Liga hatten es an Bryants Seite schwer: Shaquille O'Neal verließ nach drei Meisterschaften mit Kobe und den Lakers den Club. Dwight Howard blieb nach Unstimmigkeiten nur eine Saison.