Der Libanese Firas Khalaf arbeitete vor einigen Jahren noch in der EU-Repräsentanz in Beirut. Dann kamen die syrischen Flüchtlinge in den Libanon. Und Kalahf ging dorthin, wo die Not am größten war: in die Bekaa-Ebene, nach Bar Elias. Wo die ohnehin extremen demografischen Verhältnisse des Libanon noch weiter zugespitzt sind: Während im gesamten Land auf ungefähr jeden vierten Einwohner ein Flüchtling kommt – sechs Millionen Libanesen beherbergen etwa 1,5 Millionen Geflüchtete – ist die Quote in Bar Elias noch höher: auf jeden libanesischen Bürger kommen vier Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien.

Insgesamt leben etwa 200.000 syrische Flüchtlinge in und um Bar Elias. "Hinzu kommen etwa 7.000 Palästinenser, die teilweise seit Jahrzehnten hier sind. Die libanesische Bevölkerung zählt etwa 50.000 Personen", sagt Khalaf. Er ist regionaler Organisator der NGO Anera, die Bildungszentren in den Camps betreibt und Sportkurse anbietet. "Der Sport, vor allem der Fußball, aber auch Basketball sowie Aerobic für die Mädchen sind ein Anreiz, damit die Kinder und Jugendlichen überhaupt unsere Bildungsangebote wahrnehmen", sagt Khalaf. "Viele von ihnen haben seit Jahren keine Schule mehr besucht. Es ist nicht einfach, sie zurückzugewinnen", meint er.

Sportvereine sind der Hebel für viele Dinge. Sie sind Rückzugsort und Anlaufstelle. Sie helfen, um Kontakte zu knüpfen, verleihen Menschen Würde und lenken Flüchtlinge von den Nöten des Alltags zumindest kurz ab. Manche Sportkurse finden auch beim Nasser Club statt. Der Club aus der zweiten libanesischen Liga ist beides: sportlich ehrgeizig und die beste Nachbarschaftshilfe, die man kriegen kann.   

Als die Flüchtlinge kamen, war der Verein da

Bar Elias liegt in der Bekaa-Ebene. Nur etwa 15 Kilometer sind es vom Gelände des Nasser Club bis zur syrischen Grenze. In der Gegend gibt es zahlreiche Flüchtlingscamps: Manche bestehen aus Zeltreihen, die wie mit dem Lineal gezogen aneinandergereiht sind. Andere wirken provisorischer. Alles, was an Material da war, wurde auch verbaut. Zahlreiche Geflüchtete sind auch in festen Häusern untergekommen.

Mit einem Mercedes fährt Fayez Salloum auf das Gelände des Nasser Clubs. Ein paar Jungs haben aus ihren Jacken provisorische Tore gebaut und spielen Fußball. Es sind libanesische Jungen aus der Nachbarschaft, Palästinenser, deren Familien seit Jahrzehnten hier leben, und junge Syrer, Bürgerkriegsflüchtlinge, die in der Stadt oder den nahen Camps untergekommen sind. Salloum ist Präsident des Nasser Clubs. Er und seine Brüder besitzen einen Mercedes-Reparaturbetrieb hier in Bar Elias. Sein Club hat eine Kleinfeldanlage mit Flutlicht eingerichtet. Es leuchtet schon am Nachmittag und auch Stunden später, am Abend, noch immer werden die Kinder hier spielen.

Als die ersten Syrer 2011 Bar Elias erreichten, war noch keine NGO vor Ort. Wer da war, das war der Nasser Club, ein 1970 gegründeter Fußballverein, dessen Mitglieder ihr Stadion und die Trainingsplätze selbst gebaut haben. Trophäen stehen Slloums Büro. Er erzählt von der Zeit, als die Flüchtlinge ankamen: "Wir haben unsere Häuser geöffnet für sie. Wir haben Lebensmittel und Kleidung verteilt. Und als die ganzen Hilfsorganisationen dann kamen, haben wir ihnen unsere Vereinsräume zu Verfügung gestellt, als Lager und für die Verteilung."