Man sagt über den Sport, dass sich erst in der Niederlage die Größe eines Athleten zeigt. Eine Niederlage kommt immer unvorhergesehen, ebenso die Reaktionen darauf. So gesehen wurde der Mittwochabend in Varazdin zur interessante Studie.

Uwe Gensheimer, Kapitän der Mannschaft, entschied sich dafür, nichts zu sagen. Auf dem Weg in die Kabine ließ er die wartenden Reporter links liegen. Das Debakel blieb unkommentiert. Der Torhüter Andreas Wolff, sonst ein selbstsicherer Hühne, der sich scharf geworfenen Bällen nur mit seinem Körper entgegenwirft, saß zusammengekauert auf der Ersatzbank.

Der andere Torhüter, Silvio Heinevetter, ermutigte seine Kollegen dazu, mit Gegenspielern sowie Schiedsrichtern abzuklatschen. Immerhin. Wolff und Heinevetter, das waren die beiden einzigen Deutschen, deren Leistung vielleicht mehr wert war als das, was nun als Ergebnis der Handball-EM 2018 steht: ein Aus in der Zwischenrunde.

Ein peinliches Resultat

Deutschlands Handballteam hat sich gegen Spanien mit 27:31 aus dem Turnier verabschiedet. Für den DHB, den größten und mitgliederstärksten Handball-Verband der Welt, war es bereits die dritte große Enttäuschung innerhalb von zwölf Monaten: Vor einem Jahr schied das Nationalteam bei der WM in Frankreich sensationell im Achtelfinale gegen Katar aus. Ein Ausrutscher, wie es damals hieß. Die Frauen-WM, im Dezember in Deutschland ausgetragen, fand ebenfalls nicht das vom Verband erhoffte öffentliche Interesse, vom sportlichen Abschneiden ganz zu schweigen. Und jetzt flogen auch die Herren aus dem Turnier, als Titelverteidiger erreichten sie nicht mal das Halbfinale.

Es ist peinlich, wie die Deutschen ausgeschieden sind. Dieser Eindruck wird auf der Strecke vorerst bleiben, die noch vor dem Team von Bundestrainer Christian Prokop liegt. 2019 richtet Deutschland gemeinsam mit Dänemark die Weltmeisterschaft aus, 2020 finden die Olympischen Spiele in Tokio statt – und bei beiden Turnieren soll es eine Medaille werden, mindestens. Wie das genau funktionieren soll, ist unklar.

"Haben im Halbfinale nichts verloren"

Zumindest bot diese EM kein Erkenntnisgewinn, der in diese Richtung deutet. Von sechs Begegnungen gingen zwei verloren, zwei endeten glücklich unentschieden und zwei Mal siegten die Deutschen.

Durchs Turnier zog sich, dass sich der innerste Kern der Mannschaft bereits sehr früh an der vermeintlich zu kritischen Berichterstattung aufrieb. Es wurde zu einem unnötigen Nebenschauplatz, denn die Beteiligten hatten die hohen Ansprüche selbst formuliert.

"Da müssen wir uns nichts vormachen: Mit dieser Bilanz haben wir im Halbfinale nichts verloren", sagte Torhüter Silvio Heinevetter. Die Spanier, eine recht betagte Truppe älterer Herrschaften, mussten noch nicht mal über sich hinauswachsen, um die Deutschen zu schlagen. "Die waren bestimmt nicht unschlagbar", sagte Heinevetter und Wolff ergänzte: "Wir haben Fehler gemacht wie eine Schülermannschaft. Das war die schlechteste Leistung, seit ich dabei bin."