Pierre-Emerick Aubameyang hat mit dem jüngsten Rechtsstreit, der die Bundesliga besorgt hat, eigentlich nichts zu tun. Doch seine jüngsten Mätzchen, etwa Teamsitzungen zu schwänzen, zeigen: Die Macht der Spieler ist oft größer als die ihres Arbeitgebers. Womöglich kommt der Dortmunder Stürmer damit sogar durch und beschleunigt seinen Wechsel, wie sein ehemaliger Mitspieler Ousmane Dembélé zuvor. Solidarität mit Fußballprofis darf sich angesichts solcher Verhaltensweisen in Grenzen halten.

Auch deswegen ist es gut, dass Heinz Müller vor Gericht verloren hat. Der frühere Bundesliga-Tormann hatte den FSV Mainz 05 verklagt, wollte seinen ehemaligen Verein dazu verpflichten, seinen Vertrag zu entfristen. Mit seiner Klage ist Müller vor dem Bundesarbeitsgericht Erfurt gescheitert. Zu Recht, sonst wäre Profifußball in seiner jetzigen Form unmöglich.

Wie die Vorinstanz begründet das Gericht seine Entscheidung mit der Eigenart der Arbeitsleistung eines Fußballers. Dieser Paragraf des Teilzeit- und Befristungsgesetzes gilt für spezielle Berufe, etwa Schauspieler, Mitarbeiter beim Rundfunk, sogar Fußballtrainer. Nun auch für Profifußballer, weil das kein normaler Job ist.

Sportliche Höchstleistungen sind nun mal nur für eine begrenzte Zeit und nur in einem bestimmten Alter möglich. Mit dieser Realität muss sich jeder Fußballer abfinden: Es geht gut bis Anfang, Mitte 30, für Torhüter auch mal etwas länger, aber man kann nicht bis zur Pension in der Bundesliga kicken. Rentnerfußball bleibt den Fans von Mainz und anderen Bundesliga-Vereinen also erspart. Unbenommen bleibt Vereinen natürlich die übliche Praxis, verdiente Ex-Spieler anderweitig zu beschäftigen.

Zwar ist nach wie vor unstrittig, dass Fußballer im Prinzip Arbeitnehmer sind. Sie sind in organisatorische Abläufe eingebunden, an Weisungen ihres Vereins gebunden, damit sind sie schutzbedürftig. Auch verdienen nicht alle Profis Millionen und fahren goldene Schlitten. "Doch das Urteil ist generell für beide Seiten wirtschaftlich richtig, Vereine und Spieler", sagt Felix Greis, Experte für Arbeitsrecht bei Härting Rechtsanwälte, Berlin. Spieler könnten nämlich auch davon profitieren, dass sie Vereine wechseln dürfen, auch schon mal während der Saison.

Hätte Müller recht bekommen, hätte das für Proficlubs absurde Folgen haben können. Die Kader der Vereine wären auf hundert und mehr Spieler gewachsen. Sie hätten sich folglich dreimal überlegen müssen, wem sie einen Vertrag anbieten. Der Druck gerade auf junge Spieler wäre womöglich gestiegen. "Vielleicht", sagt Greis, "wären viele Spielergehälter gesunken."

Es gibt noch einen Aspekt: die Fans. Sie hat das Gericht im Sinn, wenn es in seiner Stellungnahme von "öffentlichkeitsgeprägtem Spitzenfußball" spricht. Sie fordern gerne neue Impulse durch Spielerwechsel, und oft haben sie recht. Der Erfolg eines Fußballvereins hängt stark vom Personal ab, stärker als in vielen anderen Unternehmen. Das Gericht in Erfurt hat eine gute Entscheidung getroffen.