Wer spielte wie gegen wen?

Bayern verliert wieder in unserer Herzchenwertung. Das könnte Ihnen so passen, liebe Leser.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Leverkusen gegen Bayern, das vermeintliche Spitzenspiel. All die Millionen Fußballfans (vielleicht waren es auch nur drei oder vier, vielleicht auch gar keine), die irgendwie gehofft hatten, die Bundesliga könnte ein bisschen an den Spitzenreiter heranrücken, sind enttäuscht worden. Leverkusen wollte es sehr offensiv angehen, litt aber an zusammenhangslosem Mittelfeldspiel. Die Bender-Zwillinge, vor zehn Jahren von der deutschen Fußballpresse als die kommenden deutschen Stars gefeiert, kämpften wacker und kombinierten plump. Die Dreierkette machte die Elf von Heiko Herrlich stets anfällig über Außen. Die Bayern des 72-jährigen Jupp Henyckes mussten wieder einmal nicht den Ball neu erfinden, um zu gewinnen. Das erste Tor war Fallobst, Javi Martínez staubte eine Ecke ab, bei der sich ein paar Leverkusener Abwehrspieler anstellten wie die ersten Menschen. Beim 0:2 schlenderte der bald 35 Jahre alte Franck Ribéry gegenspielerlos in den Strafraum und schoss sein erstes Saisontor.

Der Sieg geriet zwar noch mal kurz in Gefahr, weil auch die Bayern kein Spiel durchgehend dominieren. Doch Kevin Volland verpasste den Ausgleich durch eine ungenaue Ballannahme. Letztlich sahen die Zuschauer ein ganz spannendes Duell mit manch guten Einzelaktionen, etwa James' Freistoß zum 1:3, aber selten präzise Tempoangriffe. Die Fußballreporter vom Fernsehen gaben sich zwar professionell begeistert, aber von der bevorstehenden Meisterschaft der betagten Bayern geht kaum mehr Aufbruch und Zauber aus als von einer neuen großen Koalition, sollte die denn zustande kommen. Die Bayern reißen einen nicht vom Hocker, sind aber mit Abstand die Besten.

Leute, schaut Premier League, da ist Party! In England ist es zwar auch nicht superspannend. Aber wie Jürgen Klopps FC Liverpool am Sonntag Pep Guardiolas Manchester City mit 4:3 die erste Saisonniederlage bescherte, war hin- und mitreißend.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Hannover gegen Mainz. Ein spannendes Spiel eigentlich. Mainz führte nach 30 Minuten 2:0, zur Halbzeit stand es schon 2:2, auch weil der holländische Nahkämpfer Nigel de Jong gleich in seinem ersten Mainzer Einsatz einen Elfer verschuldete. Es wurde dann der Tag von Niclas Füllkrug, den der längst entlassene Martin Bader nach Hannover geholt hatte. Drei Mal traf der Stürmer mit der Zahnlücke, nun hat er schon acht Saisontore. Mit dem Sieg knüpft 96 an die gute Hinrunde an und hat jetzt nur fünf Punkte weniger als der Tabellenzweite.

Doch wurden die beiden Mainzer Anthony Ujah und Leon Balogun vor dem Spiel eigenen Angaben zufolge rassistisch beleidigt. Aus der Fankurve Hannovers sollen Affenlaute ertönt sein. "Ich bin erschrocken darüber, dass so ein Verhalten 2018 in der Bundesliga, in der Spieler unterschiedlicher Herkunft, Hautfarben und Religionen gemeinsam für ihre Fans kämpfen, überhaupt noch existiert", schrieb der Deutsch-Nigerianer Balogun. "Wir geben jede Woche alles für die Fans, aber manche von ihnen geben uns nicht mal Respekt. In keiner Kurve der Welt sollte Platz für Rassismus sein!" Die Bundesliga erlebt offenbar nicht nur sportlich einen Rückfall in die achtziger und neunziger Jahre.

Wer stand im Blickpunkt?

Naldo. Das ist portugiesisch, heißt aber nicht, wie man vielleicht meinen könnte, hüftsteif. Es ist bloß der Name des 35-jährigen Schalker Abwehrchefs. Er traf in Leipzig bereits zum vierten Mal in dieser Saison. Zuvor waren ihm wichtige, emotionale Tore in Dortmund und Frankfurt gelungen. Allerdings legte Naldo den Leipzigern den zweiten Führungstreffer mit einem Fehlpass auf. Beim dritten Gegentor hielt er wieder mal Abstand zum Torschützen Bruma. Benedikt Höwedes, der Schalker Weltmeister, den der Trainer Domenico Tedesco zumindest nicht für den besseren Abwehrspieler hielt, hätte vermutlich weniger Tore geschossen als Naldo, sich aber ganz sicher nicht so oft so einfach ausspielen lassen.

Leipzig hingegen hat offenbar die Batterien zwischen den Jahren wieder aufgeladen. Zwar kam die RB-Elf selten zum Torschuss, aber: Sie traf fast immer (von einem Strafstoß abgesehen). Auch Timo Werner, der seinen Kritiker Ralf Rangnick damit schön grüßte. Und Naby Keïta mag wechselbereit sein, stellt seinen Dienst aber nicht ein. Er lenkte das Leipziger Spiel engagiert und schoss ein Tor.