Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Vorwürfe, wonach er den Dopingbetrug bei den Winterspielen in Sotschi gebilligt haben soll, zurückgewiesen. Putin bezeichnete den Informanten und früheren russischen Sportfunktionär Grigori Rodtschenkow als "Idioten" und sprach ihm jede Glaubwürdigkeit ab. Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sprach von Verleumdung. Für Rodtschenkows Anschuldigungen gebe es nicht einen einzigen Beweis.

In der ARD-Sendung Geheimsache Doping vom Montag hatte Rodtschenkow, der früher das Dopingkontrolllabor in Moskau geleitet hatte und 2016 in die USA geflohen war, den Präsidenten direkt für das systematische Doping russischer Sportler verantwortlich gemacht: "Natürlich kam es von ganz oben, vom Präsidenten. Weil nur er den Inlandsgeheimdienst FSB für eine so spezielle Aufgabe einsetzen kann."

Putin kritisierte, dass die in der Dokumentation erhobenen Anschuldigungen allein auf den Aussagen Rodtschenkows basierten. "Aber kann man ihm trauen?", fragte Putin bei einer Veranstaltung mit Wahlkampfunterstützern. Weiter versuchte der Präsident, Rodtschenkows Glaubwürdigkeit infrage zu stellen: Er habe "eindeutig Probleme mit dem Gesetz", sagte Putin. Gleichzeitig räumte er erneut ein, dass es "in Einzelfällen Doping in Russland gegeben hat". Deshalb sei Russland selbst schuld, dass es unter Dopingverdacht stehe.

Rodtschenkow hatte zunächst eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem russischen Staatsdoping, kooperiert aber inzwischen mit den Ermittlern. Er lebt an einem unbekannten Ort in den USA und wird von den russischen Behörden gesucht.

"Alle russischen Athleten des Nationalteams waren gedopt"

Im Mai 2016 hatte Rodtschenkow in einem Interview mit der New York Times erstmals detailliert über den russischen Dopingbetrug gesprochen. In der ARD-Doku sagte er nun, das System sei schon länger etabliert gewesen. So sei auch schon weit vor den Spielen 2014 gedopt worden: "Vor Peking war es sehr einfach. Man konnte tun, was man wollte – und alle russischen Athleten des Nationalteams waren gedopt."

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte Russland Anfang Dezember wegen staatlichen Dopings von den Winterspielen in Pyeongchang in Südkorea im Februar ausgeschlossen; dasselbe gilt für die anschließenden Paralympics. Russische Athleten dürfen aber unter der olympischen Flagge antreten, wenn sie nachweislich nicht gedopt sind. Putin hatte die IOC-Entscheidung als politisch motiviert bezeichnet.