Es gibt einen Verband, der sich an einer Lösung probiert: der Welthockeyverband. Deutschland zählt im Hockey zu den Spitzenteams. Die Damen wie die Herren genießen alle vier Jahre Ruhm und Ehre, wenn sie bei den olympischen Turnieren fast immer weit vorne landen. Sind aber gerade keine Spiele, fällt Hockey wieder zurück in die Riege der kaum beachteten Sportarten.

Dem will der Weltverband entgegenwirken und ab 2019 die Pro League als globale Nationenliga ins Leben rufen. Hin- und Rückspiele werden dann in den jeweiligen Ländern der Kontrahenten stattfinden, so wie es auch der Rugbyverband mit seinem prestigeträchtigen und erfolgreichen Six-Nations-Turnier handhabt. Die Hockey-Funktionäre hoffen, damit konstant Zuschauer anzulocken und den TV-Kameras die Atmosphäre zu geben, die sie suchen.

Hockeyprofis müssen nebenbei arbeiten

Denn bislang erreicht Hockey kaum TV- und Werbe-Aufmerksamkeit, besonders wenig davon in Deutschland. Die heimischen Hockey-Athleten sind deswegen im Gegensatz zu ihrer ausländischen Konkurrenz keine Vollprofis, sondern studieren und arbeiten – trotz der beachtlichen Erfolge. Das könnte zum Problem werden.

"Der neue Pro-League-Modus bedeutet eine große sportliche Belastung für die duale Karriere der Spieler. Auch ihre Finanzierung muss neu ausgearbeitet werden", sagt Barth vom DOSB. Irgendwer muss ja die neu hinzugekommenen Flugverbindungen rund um den Globus bezahlen. Der überwiegende Teil des Hockey-Etats stammt bisher aus der Kasse der Bundessportförderung, die an die neuen Bedingungen noch nicht angepasst ist.

Dennoch votierte der deutsche Hockeybund für eine Teilnahme an der Pro League. "Wir rechnen mit 100 bis 120 Tagen Einsatzzeit für das Nationalteam pro Jahr. Das wird hart", sagt Hockey-Sportdirektor Heino Knuf. "Würden wir aber nicht teilnehmen, hätten wir monatelang kein Spiel gegen die Topnationen. Wollen wir oben bleiben, können wir uns das nicht erlauben." 

Darüber hinaus hofft Knuf, den Spielern endlich die Bühne – und vielleicht die TV-Nachfrage – zu bieten, die sie verdienen. "Es gibt da positive Anzeichen", sagt Knuf, "wir möchten über attraktive Spiele vor vollen Rängen eine Aufwärtsspirale für mehr Professionalisierung generieren." Dieser hehre Wunsch zieht sich durch alle Sportarten. Ein wenig wirken die Verbände wie Schatzsuchende; die neuen Turnierformate sind ihre Dreimaster auf hoher See, die Sportler ihre Besatzung. Nicht alle werden heil aus der Sache rauskommen, nicht jeder wird das große TV-Gold bergen.