Ob ein Format erfolgreich ist, hängt vor allem auch davon ab, ob der Zuschauer es versteht. Der Sportökonom Christian Deutscher von der Uni Bielefeld beschäftigt sich mit diesem Phänomen: "Die Hierarchie der Wettbewerbe muss klar sein. Es kommt aber häufig vor, dass Turniere in Konkurrenz zueinander stehen", sagt Deutscher. Die neue Uefa Nations League wird beispielsweise die auf 24 Mannschaften aufgeblähte und in verschiedenen europäischen Städten ausgetragene Fußball-EM 2020 herausfordern. Die Trennschärfe geht verloren.

Deutscher sieht zudem die Erweiterung internationaler Clubturniere kritisch, wie es bei der Handball Champions League geschieht. "Die Erfahrung zeigt, dass Zuschauer den niedriger wahrgenommenen Klassen fortbleiben, wenn in zeitlicher oder räumlicher Nähe Mannschaften höherer Ligen live oder im TV gegeneinander antreten." Mehr Aufmerksamkeit für die Champions League hieße demnach weniger für die Bundesliga.

Und dann kommt es noch darauf an, welcher Markt wichtig ist. In Deutschland tummeln sich die Konzerne der Deutschland-AG als Sponsoren im Fußball, nicht im Handball. Hinzu kommt ein weiteres Problem: Für die kleinen Ligen, wie zum Beispiel die von Mazedonien oder Ungarn, verspricht der neue Champions-League-Modus mehr attraktive Spiele, die man besser vermarkten kann. Groetzki sieht diesen aufkeimenden Zwiespalt. "Dort sind die Topclubs intern konkurrenzlos, deshalb ist der neue Modus für die klasse, ganz klar." Deutschland hat hingegen eine Liga auf Weltklasseniveau. Die Champions League ist also von der Liga nicht so weit entfernt, manche Spiele womöglich sogar langweiliger. Deshalb sind deutsche Werbepartner eher zurückhaltend.

Sagen die Deutschen aber zum neuen Champions-League-Modus Nein, findet die Königsklasse eben ohne sie statt. Um Spieler zu entlasten, müsse eine Kompromisslösung her, sagt Groetzki. Die EHF könnte ihren Kalender entschlacken und die EM nur noch alle vier Jahre austragen, statt wie derzeit in jedem zweiten Jahr im Wechsel zur WM spielen zu lassen. Stattdessen ist die EM 2020 bereits penibel geplant: Sie wird auf 24 Teilnehmer aufgestockt. Groetzki hofft, dann wieder als Titelverteidiger anzutreten, Deutschland zählt in Kroatien ab morgen zu den Favoriten. Dazwischen gibt es ein ungewohntes Päuschen: Die Handball-WM 2019 findet in Deutschland statt. Die Quali 2018 entfällt damit für die Deutschen.