Wo gibt es Medaillen zu gewinnen?

Der Massenstart ist im Biathlon (12.15 Uhr) zumindest von der Dramaturgie die spannendste Disziplin, weil alle zeitgleich an den Start gehen. In den anderen Einzelrennen läuft und schießt ja erst mal jeder für sich. Beim Massenstart kann man die Konkurrenz viel unmittelbarer unter Druck setzen, etwa durch feuerstoßähnliche Salven am Schießstand. Zur TV-Inszenierung des Biathlons zählt unbedingt auch der Kameraschwenk nach dem Schießen auf den Trainer, der mit ungerührtem Blick superwichtige Analysen und Kommandos in ein Walkie-Talkie nach unten wegspricht (in Wahrheit telefoniert er vermutlich grad mit seiner Mutter oder das Ding ist auf Flugmodus geschaltet). By the way, eine Frage an die historisch Interessierten: Gewusst, dass Biathlon auch Adolf Hitler seine Präsenz bei Olympia zu verdanken hat? Auf dessen Wunsch wurde der Militärpatrouillenlauf, ein Vorläufer des Biathlon, 1936 in Garmisch-Partenkirchen Demowettbewerb.

Dann geht's  für die Männer um 12 Uhr an die Freestyle-Sprungschanze. In der 4x10-Kilometer-Langlauf-Staffel (klassisch/Freistil) starten die Männer um 7.15 Uhr. Und im 500 Meter Eisschnelllauf (12.56 Uhr) gewinnt sicher wieder irgendein Meisje in Oranje.

Was machen die Deutschen?

Die Langläufer sind in Pyeongchang nicht gut drauf bislang. Den stärksten Eindruck hinterlässt der Bad Salzunger Thomas Bing, der im Viertelfinale an zwei Hundertstel scheiterte. Vielleicht hätte es zum Halbfinale gereicht, wenn er seine Zehennägel nicht geschnitten hätte. Bing führt die Staffel an, nach ihm sind Andreas Katz, Lucas Bögl und Jonas Dobler dran.

Die größte Hoffnung sind die Biathleten. Arnd Peiffer, Olympiasieger über 10 Kilometer, gilt als nervenstark. Er trifft nicht nur die Scheiben, sondern auch mit seinen sportpolitischen Betrachtungen ins Schwarze. Der FAZ sagte er vor den Spielen: "Das IOC war viel zu blauäugig in Sotschi und hat sich hinters Licht führen lassen. Die Russen sind ja schon in der Vergangenheit durch Doping aufgefallen – auch im Biathlon, und da bedarf es schon eines gewissen Grades an Naivität zu glauben, dass da bei Heimspielen nichts passiert, wo die doch alle ihre Leute vor Ort hatten." Dass er überhaupt noch starten darf …

Und dann ist da noch Erik Lesser, der Verfolgungsweltmeister von 2015. Auch er ist nicht auf den Mund gefallen. Er beschwerte sich über die einseitige Aufmerksamkeit und Berichterstattung in seinem Sport. "Phänomenal für uns, dass das Team D nicht unbedingt für Team Laura Dahlmeier steht, sondern doch für Team Deutschland", sagte er in der ARD nach Peiffers Goldtriumph. "Allein von uns vier Männern ist jeder schon Einzelweltmeister geworden und darüber liest man nirgendwo etwas."

Da steuern wir mal gegen. Für den Massenstart nämlich haben die von uns konsultierten Biathlonexperten ein Lesser-Gefühl im Urin, sie wissen: Das ist ein Schnellschießeinlagentyp vom Feinsten, wenn er will oder unter Druck steht. So gewann er seine Rennen, denn darauf kommts ja an in dieser Disziplin. Auch ist er der Liebling mancher weiblichen Lauf- und Schießfans, seit er mal einen stylischen Schnubbes hatte. Wir schwören: Holt er eine Medaille, nehmen wir ihn in die Auswahl zum Darling des Tages. Also, wenn das keine Motivation ist …

Wie sieht der Medaillenspiegel aus?

Vorsicht, Deutsche und Deutschinnen. Die Norwegerinnen und Norweger sind jetzt vorne.

Und sonst so?

Die Skifahrer sind noch kulturgeschockt. Am Samstag gewann Ester Ledecká den Superriesentorlauf der Frauen. Sie ist Snowboarderin, also eigentlich nicht alpinsatisfaktionsfähig. Das ist so, als würden Fußballer im Fußball gegen Handballer verlieren.

Und trotz allem berechtigten Olympiahype nicht das Bambini-Fußballturnier in Bismark/Stendal vergessen. Abfahrt für die Mannschaft des FSV Havelberg ist um 7 Uhr. Treffpunkt: Bushaltestelle am Edeka.