Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die lebenslangen Sperren gegen 39 russische Wintersportler wegen unzureichender Beweislage aufgehoben. Bei 28 Sportlern gilt dies ab sofort, 11 weitere bleiben aber noch für die kommende Woche beginnenden Winterspiele im südkoreanischen Pyeongchang ausgeschlossen. Über drei russische Biathletinnen, die ihre Laufbahn inzwischen beendet haben, wird der CAS voraussichtlich nach den Spielen in Südkorea entscheiden.

Eine Kommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hatte insgesamt 43 russische Wintersportler – darunter mehrere Olympiasieger und Medaillengewinner – lebenslang von künftigen Olympischen Spielen ausgeschlossen. Das IOC sah es als erwiesen an, dass sie bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi gedopt und damit von einem staatlichen Betrugssystem profitiert haben. 42 der betroffenen Sportler hatten vor dem CAS Einspruch eingelegt.

Das IOC hatte sich bei seiner Entscheidung auf umfangreiche Aussagen und Ermittlungsergebnisse über Staatsdoping in Russland berufen. Den umfassenden Betrug, der auch mithilfe des Inlandsgeheimdienstes FSP und mit Billigung von Präsident Wladimir Putin organisiert worden sein soll, hatte der frühere Chef des Antidopinglabors in Moskau, Grigorij Rodtschenkow, in einem Interview mit der New York Times enthüllt. Als Folge beauftragte die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) den kanadischen Juristen Richard McLaren als Sonderermittler, der in seinem Abschlussbericht weitere Beweise vorlegte. Schließlich sah auch die vom IOC eingesetzte Disziplinarkommission unter Leitung von Denis Oswald die Beweislast gegen die Russen nach weiteren "forensischen und analytischen Dopinguntersuchungen" als erdrückend an, allerdings nur gegen das Dopingsystem des Russischen Olympia-Komitees im Allgemeinen, weniger gegen einzelne Athleten.

Den Strafen des IOC folgte der CAS nun nicht. In den vergangenen Tagen hatte es die 39 Sportler in Lausanne angehört, per Videoschalte auch den inzwischen abgetauchten Kronzeugen Rodtschenkow sowie den Wada-Chefermittler McLaren.

Ob diejenigen Sportler, für die die Aufhebung ihrer lebenslangen Sperre ab sofort gilt, aber überhaupt in Südkorea starten können, ist fraglich. Zuletzt hieß es vom IOC, dass man auch im Falle eines Freispruchs diese Sportler nicht für die anstehenden Wettkämpfe zulassen werde. Russische Sportler dürfen in Pyeongchang ohnehin nur unter neutraler Flagge und ohne Hymne starten. Sie werden als "Olympischer Athlet aus Russland" (OAR) geführt, nachdem das IOC nach einer erneuten Überprüfung das Nationale Olympische Komitee Russlands generell gesperrt hatte.

Die russische Regierung forderte das IOC jetzt auf, diese Sportler zuzulassen. Die Entscheidung des CAS würde bestätigen, dass Athleten "sauber" seien, sagte der russische Sportminister Pawel Kolobkow. "Wir sind froh, dass die Gerechtigkeit endlich triumphiert hat."