Herma Plank-Szabó wurde live von einem Streichquartett und einem Klavier begleitet. Leider wehte der Wind, die Klänge zu ihrer Kür kamen kaum an bei ihr und den Zuschauenden. Viel wurde über ihren kurzen Rock geredet, den sie anstelle des langen Kleides trug. Funktionäre empörten sich. Die Eiskunstläuferin aus Österreich hingegen genoss die Beinfreiheit und wurde 1924 die erste Goldmedaillengewinnerin in der Geschichte der Olympischen Winterspiele.

258 Sportler starteten damals bei den ersten Spielen in Chamonix, darunter 11 Frauen, alle Eiskunstläuferinnen. Seitdem haben die Frauen aufgeholt. Seit 1952 dürfen sie skilanglaufen, seit 1960 eisschnelllaufen. Bei anderen Disziplinen dauerte es länger. Erst seit 1992 dürfen Frauen im Biathlon starten. Wären Uschi Disl, Magdalena Neuner oder Laura Dahlmeier nur wenige Jahrzehnte früher geboren – Pech gehabt. Eishockey für Frauen wurde 1998 olympisch, Bobfahren 2002.

In Pyeongchang sind 43 Prozent der Teilnehmenden weiblich. Das ist auch dem IOC zu verdanken. In dem dürfen Frauen zwar erst seit 1981 Mitglied werden und es hatte noch nie eine Frau an der Spitze, aber das Komitee hat als eines seiner obersten Ziele die Gleichberechtigung ausgerufen. Wettkämpfe für Frauen und vor allem die vielen Mixed-Wettbewerbe, etwa im Biathlon (Dienstag, 12.15 Uhr), passen zum Zeitgeist, schaffen Vorbilder für Mädchen und junge Frauen und lassen sich gut verkaufen.

Aber gleich sind Männer und Frauen bei den Spielen längst nicht. Noch immer sind Frauen in vielen Disziplinen auf deutlich kürzeren Distanzen unterwegs. Und in zwei Sportarten müssen Frauen immer noch zuschauen, teilweise oder sogar komplett. Warum eigentlich?

Vor ein paar Tagen saß Katharina Althaus im Deutschen Haus und redete stolz über ihre Medaille auf der Normalschanze. Sie wirkte auch ein wenig unzufrieden. Für sie waren die Spiele schon nach zwei Sprüngen beendet. Dabei will sie auf die Großschanze, die neben der Normalschanze steht. Hüpften die Männer dort im Einzel und im Team hinunter, konnten Althaus und ihre Kolleginnen nur hinaufschauen. "Die Großschanze gehört einfach ins Programm. Wir wünschen uns das alle", sagt Althaus. Eine skispringende Frau, und sei sie noch so gut, kann in Pyeongchang nur eine Medaille gewinnen. Ein Mann drei.

Neue Wettbewerbe im Skispringen der Frauen

"Freilich dürfen Frauen auch von der Großschanze springen", sagt Walter Hofer, der Renndirektor der Fis im Bereich Skispringen. Das Problem sei aber: Es gebe noch nicht genug Frauen. 20 bis 25 Sportlerinnen etwa könnten die Großschanze meistern, darunter werde es schwierig. "Die deutschen Springerinnen warten da ein wenig auf ihre Kolleginnen", sagt Hofer.

Das Skispringen der Frauen ist noch eine relativ junge Sportart. Seit 2014 ist es überhaupt erst olympisch. Lange gab sich die Runde der Skifunktionäre als Machoclub. Dem immer noch amtierenden Fis-Präsidenten Gian Franco Kasper wurde der Spruch zugeschrieben, die Landung sei schlecht für die Gebärmutter. So etwas sagt heute niemand mehr, doch eine Sportart zu entwickeln dauert.

"Wir sind mit der Entwicklung sehr zufrieden", sagt Hofer. Bei der Nordischen Ski-WM in Seefeld im kommenden Jahr wird es einen Mixed- und einen Frauen-Teamwettbewerb geben. Das wünscht sich Hofer auch für Olympia, bald sieht er die Frauen auch von der Großschanze springen.

Olympische Winterspiele - So schnell werden die Olympiasportler Bei Olympia gibt es viele verschiedene Disziplinen, doch eins haben sie alle gemeinsam: Sie sind schnell. Wie schnell genau, zeigt dieses Video. © Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa