Die Bundesliga könnte ja öfter montags spielen. Über diesen Termin regen sich die Fans mächtig auf, wie diese Woche in Frankfurt. Für den kommenden Montag haben die Fans aus Dortmund und Augsburg angekündigt, nicht ins Stadion zu gehen. Bald kämen dann immer weniger, und dann bräuchte es weniger Polizei.

Kleiner Scherz. Es ist unwahrscheinlich, dass die Vereinigung deutscher Profifußballvereine so auf das überraschende und für sie nachteilhafte Urteil des Bremer Oberverwaltungsgerichts reagiert. In dem ging es vordergründig um 425.000 Euro, die das Land Bremen der DFL für das Hochrisikospiel Werder Bremen gegen den Hamburger SV in Rechnung stellte.

Doch es stand Grundsätzliches auf dem Spiel: Die Polizeikosten für Bundesligaspiele sind immens, selbst wenn man nicht jede polizeiliche Maßnahme und Risikoanalyse für notwendig und richtig erachtet. Jährlich fallen rund 70 Millionen Euro und mehr für die Sicherung der Spiele aus den zwei deutschen Profiligen an. Soll der Fußball nun die Polizeikosten, teilweise oder vielleicht ja irgendwann ganz, zahlen? Zum Schrecken des deutschen Fußballs sagten die Bremer Richter Ja. Und viele Leute finden es richtig, dass der, der viel hat, viel zahlt.

Es trifft nicht die Falschen – der professionelle Sport ist selbst schuld, wenn man so über ihn denkt. Fußball ist ein Geschäft geworden, vorige Woche gab die DFL ihren neuesten Umsatzrekord (vier Milliarden Euro!) bekannt. In gesellschaftlichen Fragen hingegen stiehlt sich der Fußball schon mal aus der Verantwortung. In diesen Tagen kommt einem auch in den Sinn, dass der deutsche Steuerzahler, über Bundeswehr oder -polizei, die meisten olympischen Athleten finanziert, mit denen dann das IOC Geschäfte macht.

Daher mag das Bremer Urteil politisch wünschenswert sein. Doch juristisch ist es fragwürdig. Und es könnte ungewollte Folgen nach sich ziehen.

Zwar ist es keineswegs unüblich, dass der Verursacher von Polizeikosten an ihnen beteiligt wird. Für Gefahrentransporte können für Unternehmen Gebühren anfallen. Oder entläuft dem Zoo ein Bär und die Streife fängt ihn, wird der Direktor zur Kasse gebeten. Das Recht kennt auch den (Zweck-)Veranlasser, der Störungen in Kauf nimmt. Geschieht beispielsweise in einem ebenerdigen Großraumbüro stets Spektakuläres hinter den Fensterscheiben, woraufhin sich Menschen davor versammeln und den Verkehr behindern, kann das für den Bürobetreiber teuer werden.

Warum ist nicht Werder Bremen der Prozessgegner?

"Ich kann nachempfinden, dass man den reichen Fußball in die Pflicht nehmen will", sagt Fabian Reinholz, Sportrechtsexperte von Härting Rechtsanwälte, Berlin. Doch sei der Fußball weder Verursacher noch Veranlasser der Randale. So sehen es die meisten Juristen. Sie betrachten Fußballspiele allenfalls als Anlass von Ausschreitungen. Die Gewalt kommt woanders her. Und Sicherheit und Ordnung sind nun mal hoheitliche Aufgaben für den Staat und niemanden sonst. Daran ändert auch die Tatsache, dass der Fußball im Geld ertrinkt, nichts.

Es trifft nicht die Falschen, aber auch andere, die es nicht so dicke haben wie der Fußball. Hat das Urteil Bestand, gibt es nämlich keinen Grund, andere Veranstaltungen von dieser Regel auszunehmen. Dann könnte es auch Musikkonzerte oder Volksfeste treffen. Man kann zudem fragen, warum sich das Land Bremen die DFL rauspickt und nicht den Veranstalter der Fußballspiele, den Heimatverein. Vermutlich erführe es weniger Zustimmung, wenn es den SV Werder in Zeiten des Abstiegskampfs zur Kasse bäte.

Nach der juristischen Niederlage hat die DFL schnell angekündigt, Revision einzulegen. Mit guten Chancen. Bekommt sie vor dem Bundesverwaltungsgericht Recht, könnte sie natürlich trotzdem darüber nachdenken, sich bei er Sicherheit finanziell einzubringen. Wie man hört, ist sie sogar dazu bereit. Das wäre klug und fair.