Skispringer Andreas Wellinger hat bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang Gold gewonnen. Bei kaum zu kontrollierenden Windböen und Eiseskälte sprang der 22-Jährige auf der Normalschanze im Alpensia Park mit Schanzenrekord und 113,5 Metern im zweiten Durchgang auf den ersten Platz. Silber ging bei schwierigen Bedingungen an Johann André Forfang aus Norwegen, den dritten Platz belegte dessen Teamkollege Robert Johansson. Auch die weiteren DSV-Flieger überzeugten. Markus Eisenbichler, Richard Freitag und Karl Geiger reihten sich auf den Plätzen acht bis zehn ein.

Wellingers Sieg bedeutet das erste Einzelgold der DSV-Adler seit Jens Weißflog 1994 in Lillehammer. Nach dem ersten Durchgang hatte der Deutsche noch auf Rang fünf gelegen. Der Wettbewerb war mehrmals unterbrochen worden. Immer wieder hatten die Athleten wegen der ständig wechselnden Winde warten und die Absprungluken wechseln müssen. Dazu kam die extreme Kälte. Minus zwölf Grad zeigte das Thermometer an, gefühlt waren es gar minus 21 Grad. Das Springen wurde aufgrund der ständigen Pausen erst nach Mitternacht beendet, was ebenfalls grenzwertig war.

So sorgte FIS-Renndirektor Walter Hofer persönlich dafür, dass den Springern warm blieb und wickelte Decken um die Sportler, die oben an der Schanze warten mussten. Besonders hart trafen die Verhältnisse den Doppel-Olympiasieger von 2002 und 2010, Simon Amann. Der Schweizer musste gleich sechs Versuche unternehmen, bis er endlich abspringen konnte. Am Ende wurde er Elfter.

Rekord-Weltcupsieger Gregor Schlierenzauer beschrieb die Verhältnisse in der Luft als "turbulent": "Es ist eine Freiluftsportart. Man braucht zwei sehr gute Sprünge und das nötige Sprungglück." Schlierenzauer, der längst nicht mehr zur absoluten Weltspitze gehört, schaffte es nicht in die Top Ten. Auch nicht sein österreichischer Teamkollege Michael Hayböck, der haderte: "Es geht einfach ungerecht zu."

Achte Spiele für Noriaki Kasai

Auch bei den Zuschauern kam das Spektakel an der Grenze zur Irregularität nicht gut an. Zum Ende des Wettkampfs harrten nur noch rund 1.000 Fans an der Schanze aus. Und Deutschlands Bundestrainer Werner Schuster zeigte sich nach Wellingers Sieg vor allem erleichtert, dass der Wettkampf regulär zu Ende geführt wurde. "Ich habe nur Angst gehabt, dass die abbrechen, die verrückten Hunde", sagte Schuster.

Wellinger war schon in den Tagen zuvor in guter Verfassung gewesen und hatte tags zuvor bereits die Qualifikation für sich entschieden. Auch die weiteren DSV-Flieger wussten zu überzeugen: Markus Eisenbichler, Richard Freitag und Karl Geiger reihten sich auf den Plätzen acht bis zehn ein. Freitag hatte nach dem Springen viel Lob für Wellinger übrig. "Das ist genial", sagte er im ZDF. "Man hat gestern schon gesehen, dass er hier topfit auf der Schanze ist. Das ist absolut verdient", sagte Freitag.

Nicht für eine Platzierung ganz vorne, aber trotzdem für einen Eintrag in die Geschichtsbücher reichte es für den japanischen Altstar Noriaki Kasai. Der 45-Jährige nahm zum achten Mal an Olympischen Spielen teil und stellte damit einen Rekord auf.