Was ist der Unterschied zwischen einem Hammer und einem Bob? Der Hammer, wie er von Leichtathletinnen geworfen wird, wiegt vier Kilo. Ein Zweierbob der Damen wiegt mindestens 165 Kilo. Und sonst? Eigentlich keiner, findet Mariama Jamanka. Beides sind Sportgeräte, die in Bewegung gesetzt werden wollen. Das eine, den Hammer, warf sie im Mai 2011 genau 48,42 Meter weit. "Hobbyklasse", sagt die 27-jährige Berlinerin selbst zu dieser Weite. Den Schlitten fuhr sie zusammen mit ihrer Anschieberin Lisa Buckwitz in den vergangenen beiden Tagen in exakt 3:22,45 Minuten viermal die Bobbahn von Pyeongchang hinunter. Weltklasse. Olympiasieg.

Richtig glauben kann sie es selbst beim Aufwachen am Tag danach noch nicht. "Vielleicht wird es heute Abend klarer, nach der Siegerehrung, wenn wir die Medaille wirklich haben." Nur so viel kann sie jetzt schon sagen: "Ich bin froh, den richtigen Sport für mich gefunden zu haben."

Sie hat viele Sportarten probiert

Viel hat die Tochter einer Deutschen und eines Gambiers, die sich früh trennten, in ihrem bewegten Leben ausprobiert. Ballett, Reiten, Cheerleading, mal Skifahren als Kind, später neben Hammer- auch Diskuswurf – "alles querbeet, bloß nichts mit Ausdauer". Bis ihr Leichtathletiktrainer sie zum Bobfahren bringt. Auch das ist was für Schnellkrafttypen, und ein totales Leichtgewicht sei sie jetzt auch nicht, sagt sie selbst. Dafür ein "Adrenalinjunkie". Schon nach der ersten Fahrt auf der Bahn in Oberhof, vom Jugendstart in Kurve acht, ist sie hin und weg. "Ich liebe Leichtathletik", sagt sie rückblickend, aus der Perspektive einer Goldmedaillengewinnerin, "aber der Speed, die Kurven, der Druck und das ganz eigene Gefühl, ihn zu kontrollieren, sind beim Bob einfach besser".

Zunächst beginnt sie als Anschieberin und Bremserin, aber auch da nur mit mäßigem Erfolg. Und selbst der Wechsel an die Lenkseile ist zunächst keine Befreiung oder plötzliche Erweckung eines Jahrhunderttalents. "Am Anfang habe ich mich als Pilotin nicht so leicht getan und bin viel gestürzt." Doch weil die Szene klein ist, kommt sie schnell viel herum, muss ständig neue Bahnen lernen, "das bringt Erfahrung". Mit Youtube-Videos bereitet sie sich auf die schwierigen Wettkampfstätten in Kanada und den USA vor, wird daheim Europameisterin, aber ein Weltcuprennen hat sie bislang noch nicht gewonnen. Dafür nun gleich den größten Wettbewerb von allen.

Demütigung vom Bundestrainer

Nicht mal der Bundestrainer hat ihr einen solchen Erfolg zugetraut. Drei Wochen vor Olympia nimmt René Spies ihr einfach die vertraute Anschieberin weg, Annika Drazek. Die gilt als vielleicht beste Starterin der Welt; zusammen mit der bis dahin besten Pilotin Stephanie Schneider sollen sie das Team Deutschland 1 bilden, eine Medaillenbank. Jamanka bekommt dafür Schneiders Anschieberin Lisa Buckwitz. Die eine nicht schnell genug, die andere nicht gut genug an den Seilen – noch jetzt, im Goldglanz des Erfolges, merkt man beiden an, dass sie die kühl kalkulierte Umbesetzung als Demütigung empfunden haben.

"Wir hatten zwar schon mal 2013 zusammen trainiert", erzählt Lisa Buckwitz. "Aber jetzt hatten wir nur wenig Zeit, was aufzubauen, Zusammenhalt zu finden. Wir müssen es ja drei Wochen miteinander aushalten. Menschlich muss was vorhanden sein, damit man was bockt." Und Mariama Jamanka will nicht verhehlen, dass die Degradierung zu Deutschland 2 ihren Ehrgeiz noch mehr angefacht hat. "Die ganze Saison über herrschte Unklarheit über die Teambesetzungen. Jetzt wollten wir einfach zeigen, was wir können."