Wer spielte wie gegen wen?

Eine Niederlage für Dortmund in Köln (2.129:2.096), das kommt selten vor, zumindest in unserem Herzchen-Spiel.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Schalke gegen Bremen. Meine Güte, war das spannend. Schalke ging in Führung, als dem tschechischen Keeper Jiří Pavlenka ein harmloser Schuss Jewhen Olehowytsch Konopljankas durch die Handschuhe flutschte. Später ließ Schalkes Tormann Ralf Fährmann den Ball fallen, Max Kruse hob ihn auf. 1:1. In der Nachspielzeit drängten und stürmten die Bremer, die Schalker Abwehr war nur noch ein welker, poröser Zunderschwamm. Dann führte sie Aron Jóhansson mit seinem zärtlichen Pass hinters Licht. Weil Fährmann die Angreifenden nicht aufhaten konnte und der Abräumer Thilo Kehrer einen Moment träumend verharrte, durfte Zlatko Junuzović den Ball reintackeln. Siegtor, Vergnügen und Frohsinn auf der Bremer Bank.

Zuletzt war Werder gut gewesen, siegte aber nicht, etwa in Bayern. Diesmal war Werder ein bisschen weniger gut und gewann. Und verlässt zum ersten Mal in dieser Saison die Abstiegsränge. Der Tabellensechzehnte gewinnt beim -dritten, nicht mal unverdient, nicht mal überraschend. Das ist Bundesliga.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Hertha gegen Hoffenheim, das Duell der Sieglosen. Im Jahr 2018 gewannen beide nicht. Hoffenheim ist mit zwei Punkten aus vier Spielen sogar Letzter der Rückrundentabelle. Es kursieren Gerüchte, dass Julian Nagelsmann ein wenig seiner Autorität bei der Mannschaft eingebüßt habe. Außerdem trug sich in der 37. Minute Bedenkliches zu, denn dem Elfmeter zum Hoffenheimer 0:1 war eine strittige Situation vorausgegangen. Nico Schulz stand, bevor er gefoult wurde, im Aus, also im Abseits, als ein Schuss seines Mitspielers Gnabry zum Querpass wurde. Der erreichte sodann den Berliner Verteidiger Niklas Stark, der den Ball stoppte. Schulz eilte zu ihm und Stark, überrumpelt vom Kontrahenten in seinem Rücken, stellte Schulz ein Bein. Klares Foul, doch nicht auch Abseits? Nein, nach neuer Auslegung der Fifa handelte es sich um eine neue Spielsituation, weil der Stürmer im Moment der Ballannahme des Abwehrspielers nicht in unmittelbarer Spielnähe war. Der Schiedsrichter Deniz Aytekin lag richtig. Vor wenigen Jahren übrigens hätte es sich noch um Abseits gehandelt. Doch die Fifa will weniger Abseits, stattdessen mehr Tore, um den Fußball besser zu vermarkten. Tore kann man natürlich schön finden, doch das Problem an ihnen, wir wiederholen es gerne: Je mehr Tore, desto eher gewinnt der Favorit.

Wer stand im Blickpunkt?

Zwei Neue. Michy Batshuayi, der belgische Stürmer aus dem Brüsseler Brennpunktviertel Molenbeek, hatte zwar einige Ballverluste, traf aber in seinem ersten Spiel für Dortmund zwei Mal (ein weiteres Tor zählte wegen Millimeterabseits nicht) und bescherte der Borussia einen knappen Sieg in Köln und endlich wieder mal gute Schlagzeilen. Der englische U21-Nationalspieler Ademola Lookman schoss in seinem ersten Auftritt für RB Leipzig in der 89. Minute das Siegtor in Mönchengladbach, obwohl er erst zehn Minuten auf dem Platz stand. Stand ist eigentlich der unkorrekte Begriff, denn Lookman hatte die falschen Schuhe gewählt, weswegen er rutschte wie auf einem zugefrorenen See:

Die ungeeigneten Treter mit den Gumminoppen waren die einzigen, die Lookman aus England mitgebracht hatte. Batshuayi reiste sogar ganz ohne eigene Fußballschuhe an. Vielleicht dachten die beiden Spieler, dass sich schweres Gepäck ohnehin nicht lohnt. Schließlich sind sie auf einem Kurztrip in Deutschland. Batshuayi ist eine Leihgabe aus Chelsea, Lookman eine aus Everton. Ihre Verträge gelten nur bis zum Saisonende, dann gehen sie sehr wahrscheinlich wieder zurück in die Premier League. Ihre Namen muss man sich nicht merken.

Soweit ist es gekommen mit der Bundesliga. Sie muss sich Klasse aus England borgen, leihen, pumpen. Das Lehnswesen ist doch nicht überwunden. Wohlgemerkt, Dortmund und Leipzig vertreten Deutschland in der Champions League, es sind, nach Bayern, die zwei stärksten Vereine. Und wohlgemerkt, ihre neuen Stürmer konnten sich in ihren Clubs bislang nicht durchsetzen. Aber warum soll es dem deutschen Fußball besser gehen als dem deutschen Film? Aus dem Nichts wäre ohne die fantastische Diane Kruger, eine Leihgabe aus Hollywood, auch nicht viel mehr als ein Tatort.