Artur Nogal, Polen, Eisschnelllauf

Vier Jahre lang hatte Artur Nogal sich auf diesen Moment vorbereitet. Hatte trainiert bis zur Erschöpfung, auf seine Ernährung geachtet, das Leben eines Leistungssportlers geführt. Dann das. Etwa eine halbe Sekunde nach dem Startschuss über seine 500 Meter stolperte der Pole und fiel aufs Eis. Vorbei. Es war sein einziges Rennen bei diesen Spielen. Nogal rappelte sich noch einmal auf und lief es zu Ende, die Zuschauer feierten ihn. Den Rekord für den kürzesten Auftritt der Winterspiele hat er sich dennoch gesichert.

Felix Loch, Deutschland, Rodeln

Der Rodler ist der wohl einzige Sportler in der Olympiageschichte, der durch eine Unachtsamkeit gleich zwei Goldmedaillen verlor. Loch führte, wie immer eigentlich, ehe er in seinem letzten Lauf in die Wand der sagenumwobenen Kurve neun schepperte. Er fiel von Platz eins auf fünf zurück. Damit durfte statt ihm sein Kollege Johannes Ludwig in der Teamstaffel ein paar Tage später starten. Der war nämlich Dritter geworden. Das ungeschriebene Rodelgesetz verlangt, dass der Bestplatzierte antritt. Die Staffel gewann natürlich Gold. Nach seinem Fehler musste Felix Loch übrigens noch zur Dopingkontrolle und wurde beim Warten von Thomas Bach getröstet. Ihm blieb wirklich nichts erspart.

Elise Christie, Großbritannien, Shorttrack

Was hat diese Frau nur verbrochen? Elise Christie ist eine der wenigen europäischen Shorttrackerinnen, die mit den Südkoreanerinnen mithalten können. Sie ist sogar dreifache Weltmeisterin und hält den Weltrekord über 500 Meter. Olympia und sie aber – das passt nicht. Vor vier Jahren in Sotschi trat sie über 500, 1.000 und 1.500 Meter an und wurde über jede Distanz disqualifiziert. In der Videobeweis-Sportart Shorttrack geht das schnell, man braucht nur leicht eine Gegnerin zu behindern, schon ist man raus. Manchmal braucht auch nur der Schiedsrichter der Meinung sein, man habe eine Gegnerin behindert. Also neues Glück in Pyeongchang? Nun ja. Über 500 Meter stürzte Christie, über 1.500 Meter auch. Sie verletzte sich am Knöchel und musste auf einer Trage aus der Halle geschafft werden. Unter Schmerzen stand sie später aber doch an der Startlinie für ihren Vorlauf über 1.000 Meter, ihre Lieblingsstrecke. Ihre letzte Chance. Vor der ersten Kurve stürzte Christie erneut, doch die Regel besagt, dass das Rennen nach einem so frühen Sturz noch einmal gestartet wird. Nur konnte Christie kaum auftreten. Dennoch quälte sie sich noch einmal an die Startlinie, lief langsam los, es tat beim Zuschauen weh. Die Britin aber kämpfte sich heran und schaffte es irgendwie, Zweite zu werden, was zum Weiterkommen gereicht hätte. Sie freute sich. Doch während sie wegen ihres Knöchels von ihrem Trainer aus der Halle getragen wurde, wurde sie, genau, disqualifiziert.

Die Alten

Diese Olympischen Spiele waren keine Ü30-Party. Die ältesten Sportler in Pyeongchang waren Cheryl Bernard (Curling, Kanada, 51), Tomi Rantamäki (Curling, Finnland, 49), Thomas Ulsrud (Curling, Norwegen, 46), Claudia Pechstein (Eisschnelllauf, Deutschland, 45) und Noriaki Kasai (Skispringen, Japan 45). Sie haben eines gemeinsam – niemand riss bei diesen Spielen eine Wurst vom Teller. Alle waren Mittelmaß. Dafür gewann eine 15-Jährige im Eiskunstlaufen, eine 17-Jährige in der Halfpipe, ein 17-Jähriger im Slopestyle. Ausnahmen waren die 35-jährigen Alpinsieger André Myhrer (Slalom, Schweden) und Aksel Lund Svindal (Abfahrt, Norwegen). Doch dank der hippen und jungen Sportarten, von denen es immer mehr gibt, ist der durchschnittliche Olympiasieger eher Anfang 20 als 30. Claudia Pechstein will in vier Jahren trotzdem noch mal hinterherlaufen. Wem's gefällt.

Russland

Liebe russische Bots, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein: Wenn es einen Verlierer dieser Spiele gibt, dann ist es das Team aus der Heimat. Eine mickrige Goldmedaille gewannen die Olympischen Athleten aus Russland (am Sonntag kann beim Eishockey noch eine dazukommen). Anderswo dagegen sind die Russinnen und Russen ganz vorne: Zwei von vier Dopingfällen gehen auf ihr Konto. Dabei ließ das IOC schon nur die saubersten Sportler des Landes zu. 

Kanadas Mannschaften

Kanada hat der Welt drei Dinge geschenkt: Eishockey, Curling und Ahornsirup. Die klebrige Plempe hatte am Frühstücksbuffet der Journalisten täglich ihren großen Auftritt, kanadische Eishockey- und Curlingteams dagegen nirgendwo. Die Besenmänner gewannen in den vorherigen Spielen dreimal Gold, dieses Mal verloren sie ihr Halbfinale gegen die USA. Die Frauen wurden gar nur Sechste, verpassten zum ersten Mal überhaupt eine Medaille. Die Eishockeyfrauen weinten nach ihrem verlorenen Finale gegen die USA Tränen auf die Trikots mit den Ahornblättern. Die Männer blamierten sich, indem sie 3:4 gegen das Eishockeyentwicklungsland Deutschland verloren. Wie schmeckt eigentlich Ahornsirup auf Schwarzbrot?

Die Mittelmäßigen

Olympische Spiele sind ein Lehrstück der Aufmerksamkeitsökonomie: Die Sieger interessieren – und die Abgeschlagenen. Tongas öliger Langläufer Pita Taufatofua wurde gefeiert, weil er eine halbe Ewigkeit nach dem Sieger mit seinen Skiern ins Ziel spazierte. Wie Zootiere bestaunt wurden auch die nordkoreanischen Skifahrer, die fast öfter im Schnee lagen als auf ihm fuhren. Ein Star wurde auch die Ungarin Elizabeth Swaney, die gemütlich die Halfpipe hinunterfuhr, ohne einen einzigen Trick zu zeigen. Nette Geschichten allesamt, doch die Inflation der Exoten führt dazu, dass sich niemand fürs Mittelfeld interessiert, obwohl dort sportlich hochwertige Leistungen vollbracht werden. Aus diesem Grund möchten wir stellvertretend Bernhard Gruber aus Österreich erwähnen. Herzlich Glückwunsch für den 20. Platz in der nordischen Kombination (Normalschanze).

Die Brille des Reporters

Eine zu gut geputzte Glasscheibe. Fragen Sie nicht!