Wo gibt es heute Medaillen zu gewinnen?

Zum vorerst letzten Mal dürfen Sie heute ausschlafen. Die ersten Medaillen werden erst ab 8.15 Uhr vergeben. Die Langläuferinnen absolvieren zunächst aber den Skiathlon. Muss man sich vorstellen wie Autofahren, aber erst zehn Kilometer mit Handbremse, dann nochmal zehn ohne. Im Langlauf heißt das: Erst wird klassisch gelaufen, die anmutige, traditionelle Variante des Sports. Dann werden Ski gewechselt und es geht weiter im schnelleren Skating. 

Ab 11 Uhr wird es erstmals für den Gastgeber interessant. Im Shorttrack der Männer, einer koreanischen Kernkompetenz, gibt es Medaillen zu holen. 2010 gewann einer der ihren, Lee Jung Su. 2014 blieb Südkorea auf dieser Strecke ohne Medaillen. Etwas länger auf dem Eis sind die Frauen, die im 3.000-Meter-Eischnelllauf antreten. Auch dabei, und nicht chancenlos: Claudia Pechstein. Abgeschlossen wird der Tag von den Skispringern, die ab 13.30 Uhr von der Normalschanze ihren Olympiasieger suchen. Das Ende ist übrigens perfekt auf den Anpfiff der Bundesliga getimed.

Was machen die Deutschen?

Gleich am ersten Tag mal das Revier markieren. Jedenfalls könnte es so kommen. Beste Medaillenchancen haben die Biathletin Dahlmeier im Sprint und vielleicht auch Claudia Pechstein über 3.000 Meter im Eisschnelllauf. Der Skispringer Andreas Wellinger gewann die Qualifikation auf der Normalschanze. Das muss noch nichts heißen, doch er und Richard Freitag gelten als schärfste Konkurrenten für den Vierschanzentourneesieger Kamil Stoch aus Polen. Außerdem setzen sich die Rodler auf ihre Schlitten. Es geht noch nicht um Siege, aber schon um Vorentscheidungen: Die ersten beiden Läufe der Männer stehen an. Traditionell müssen andere Länder schauen, was für sie ab Rang neunzehn übrig bleibt.

Was wird das Highlight des Tages?

Zweifelsohne das Biathlonrennen der Damen. Denise Herrmann und Laura Dahlmeier sind deutsche Medaillenfavoritinnen. "Wenn ich die Startnummer umhabe, möchte ich immer ganz oben stehen", sagt Dahlmeier. Bei der WM im vorigen Jahr gewann sie in neun Tagen fünf Weltmeistertitel, wurde Gesamtweltcupsiegerin und Deutschlands Sportlerin des Jahres. Nie hatte eine Frau bei dieser Wahl einen größeren Vorsprung. Vor den Spielen war sie allerdings noch nicht ganz in Form. Im Gesamtweltcup ist sie derzeit Vierte. Und im Sprint sind andere besser, die Tschechin Veronika Vítková etwa oder Anastasiya Kuzmina aus der Slowakei.  Doch der 24-jährigen Dahlmeier fehlen eigentlich nur noch wenige Dinge in ihrem Sportlerinnenleben. Eine olympische Medaille gehört dazu.

Wie sieht der Medaillenspiegel aus?

Noch immer unbefleckt. Allerdings haben sich die Gastgeber mit einer launigen Eröffnungszeremonie ein Extralob verdient.

Und sonst so?

Liegt die Weltdiplomatie auf schmalen Schultern. Die Eishockeyfrauen aus Korea bestreiten ihr erstes Vorrundenmatch. Das wäre bis vor Kurzem nicht der Rede wert gewesen. Doch seit Anfang Februar klar wurde, dass das Team nicht in seiner südkoreanischen Stammformation, sondern politisch angereichert auch mit Nordkoreanerinnen antreten wird, dreht sich auf der Koreanischen Halbinsel alles um Eishockey. Ohnehin ist der Sport politisch vorbelastet: Als im August 1968 sowjetische Panzer den Prager Frühling niederwalzten, wurden die beiden Siege der Nationalmannschaft auf dem Eis neun Monate später zum nationalen Gedenktag. 1980 gelang dann dem US-Team das Miracle on Ice, ein verfilmter Wundersieg der USA gegen die UdSSR. 

Vielleicht entfaltet ja das koreanische Team ähnliche weltpolitische Wucht. Sarah Murray allerdings, die kanadische Trainerin, die das Team vier Jahre auf die Heimspiele vorbereitet hat, nennt den Tag, als das gemeinsame koreanische Team bekannt gegeben wurde, einen "Horrortag". Das sei das Worst-Case-Szenario für sie gewesen. Inzwischen hat sie sich arrangiert. Die neuen Spielerinnen hätten dem Team neuen Schub verliehen und: "Sie wollen so viel wissen", sagte Murray.