ZEIT ONLINE: Remy Boehler, gibt es das perfekte Eis?

Remy Boehler: Hier bei den Spielen ist das Eis wunderschön. Aber ich suche nach Perfektion und die ist vergänglich. Manchmal ist das Eis vielleicht 20 Minuten lang perfekt, danach schon wieder nicht mehr. Perfektes Eis hat keine Kratzspuren, die richtige Temperatur und ist so klar, dass man sich in ihm spiegeln kann.

ZEIT ONLINE: Was müssen Sie für solch ein Eis tun?

Boehler: Zunächst muss die Kältemaschine unter dem Eis richtig eingestellt sein. Ich rede hier jeden Tag mit den Ingenieuren, die die Kältemaschine regeln. Dann muss das Wasser eine gute Qualität haben und sauber sein. Fürs Curling benutzen wir Mineralwasser. Und es braucht einen guten Fahrer für die Maschinen, die das Eis aufbereiten. Wenn der nicht versteht, was er tut, leidet das Eis.

ZEIT ONLINE: Verlangen unterschiedliche Sportarten unterschiedliches Eis?

Remy Boehler, 41 Jahre alt, aus Albertville ist der Herr über das Eis der olympischen Eiskunstlauf- und Shorttrackhalle. Er ist der Ice Master. © Christian Spiller

Boehler: Ja, fürs Curling braucht es das beste Eis, der Präzision wegen. Fürs Eisschnelllaufen braucht es das schnellste, also kälteste Eis, es ist etwa minus 12 bis minus 15 Grad kalt. Beim Eishockey muss die Luftfeuchtigkeit stimmen. Die Spieler kratzen durch ihre Bewegungen viel Eis ab. Wenn es sehr feucht ist, friert das sofort an und dann hüpft der Puck, weil es uneben ist. Deswegen gibt es die Snowboys, die in den Pausen das abgekratzte Eis hinausschaufeln. In unserer Halle hier finden außerdem gleich zwei Sportarten statt: Eiskunstlaufen am Vormittag und Shorttrack am Abend. Das macht es insgesamt etwas schwierig, weil beide Sportarten verschiedenes Eis verlangen.

ZEIT ONLINE: Warum?

Boehler: Fürs Shorttrack braucht man schnelles Eis, das Eis muss kälter sein, so etwa minus 7 Grad. Fürs Eiskunstlaufen brauche ich warmes Eis, das etwas mehr nachgibt. Wenn die Eiskunstläufer nach einem Sprung landen und das Eis zu kalt ist, machen sie ein großes Loch ins Eis. Das ist nicht gut. Diese Umstellung ist für uns eine Herausforderung. Ab mittags kühlen wir das Eis herunter, nachts wärmen wir es wieder auf. Unsere Teams fangen früh um 4.30 Uhr an, der Letzte hat nachts um 1 Uhr Feierabend.

ZEIT ONLINE: Was liegt eigentlich unter dem Eis?

Boehler: Beton. Die Rohre mit der Kühlflüssigkeit liegen entweder auf dem Beton wie in unseren Trainingsringen, weil das billiger ist, oder im Beton selbst wie im Wettkampfring. Wir messen täglich die Dicke des Eises, damit das Eis nicht zu dünn wird und die Sportler nicht die Rohre kaputt machen oder sich ihre Kufen an Beton stoßen.

ZEIT ONLINE: Wie lange braucht es, um das Eis aufzubauen?

Boehler: Lange. Ich kam hier am 9. Januar an. Wenn wir die Temperatur zu schnell runterdrehen, bricht das Eis. So bauen wir Schicht für Schicht auf. Erst Eis, dann weiße Farbe, dann wieder Eis, dann werden die Logos aufs Eis gemalt, dann noch eine Eisschicht drüber.

ZEIT ONLINE: Was, wenn ein Sportler das Eis kaputt macht?

Boehler: Bei kleinen Löchern im Eis kommt ein Helfer mit einer Art Maurerkelle und spachtelt das Loch zu. Wenn es große Löcher oder Ritzen gibt, nehmen wir einen Feuerlöscher. Da ist Co2 drin, minus 70 Grad, das wirkt hervorragend.