Zweierbob-Pilotin Mariama Jamanka und ihre Anschieberin Lisa-Marie Buckwitz haben bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang die Goldmedaille gewonnen. Das Duo aus Oberhof und Potsdam siegte vor Elana Meyers Taylor und Lauren Gibbs aus den USA. Bronze geht an die zweimalige Olympiasiegerin Kaillie Humphries und Phylicia George aus Kanada.

Nach einem starken vierten Lauf von Meyers und Gibbs behielt auch die Berlinerin Jamanka bei ihrer letzten Fahrt durch das Alpensia Sliding Centre die Nerven. In den ersten zwei Dritteln des Eiskanals lag die 27-Jährige mit ihren Zwischenzeiten noch hinter dem US-Bob, konnte Meyers Taylors Zeit aber im letzten Abschnitt noch unterbieten.

Der Triumph im Zweisitzer bedeutet die fünfte Goldmedaille für die deutsche Bob-Equipe im Eiskanal von Pyeongchang und die zwölfte für das gesamte deutsche Team.

Die angeschlagenen Stephanie Schneider und Annika Drazek, in Pyeongchang als eigentliches deutsches Nummer-eins-Paar vorgesehen, verbesserten sich im Finallauf noch von Platz fünf auf vier. Am Ende fehlten acht Hundertstelsekunden auf Bronze. Die Winterbergerin Anna Köhler wurde mit Erline Nolte 14. Jamanka ist die erste deutsche Olympiasiegerin im Zweierbob seit dem Erfolg von Sandra Kiriasis 2006 in Turin. In Vancouver und Sotschi waren die deutschen Frauen leer ausgegangen.

Überraschungserfolg für Jamanka/Buckwitz

Cheftrainer René Spies hatte das Siegerpaar erst kurz vor den Winterspielen zusammengebracht. Er hatte Annika Drazek aus dem Jamanka-Bob in den Schlitten von Stephanie Schneider beordert, um so die aus seiner Sicht beste Pilotin mit der besten Anschieberin fahren zu lassen und die Aussichten auf eine Medaille zu verbessern. Buckwitz, die bis dahin mit Schneider in einem Bob saß, kam zu Jamanka.

Scheider und Drazek hatten Pech. Beide waren schon am Dienstag zu den ersten beiden Läufen verletzt an den Start gegangen. Schneider hatte mit muskulären Problemen am Rücken zu kämpfen, Drazek war vor einer Woche im Training bei einem Hürdensprung umgeknickt. Ihre Vorteile als beste Starterinnen im Feld konnten sie nicht nutzen.

Auch wenn Schneider und Drazek nicht das erhoffte Ergebnis brachten, der Erfolg der deutschen Frauen ist dank Jamanka und Buckwitz beeindruckend. Nach dem schwachen Abschneiden in Sotschi und den Rücktritten der Weltmeisterinnen Sandra Kiriasis, Cathleen Martini und Anja Schneiderheinze leitete Cheftrainer Spies einen Neuaufbau ein. Der Lohn folgte nun in Pyeongchang – mit Jamanka an der Spitze.

Die ehemalige Hammerwerferin war erst 2013 zum Bobsport gekommen. Die gebürtige Berlinerin zog dafür aus der Metropole in die thüringische Provinz nach Oberhof. Da sie keine Vergangenheit im Rodelbereich hatte, wie viele andere Pilotinnen, musste sie sich das Bahngefühl und die Linien schwer erarbeiten. "Manchmal bin ich verzweifelt und konnte nicht immer alles zeigen", sagte sie rückblickend.

Doch irgendwann zahlte sich ihre Arbeit aus. Ihren bislang größten Erfolg 2017 mit dem EM-Titel in Winterberg holte sie mit Annika Drazek – zwei Jahre nach ihrem Weltcup-Debüt in Königssee. In diesem Weltcup-Winter schaffte sie drei Podestplätze. Nach den Überseerennen, bei denen Drazek fehlte, wurde sie mit der weltbesten Anschieberin in Winterberg Dritte. "Sie bringt einen Wahnsinnsschub in den Bob", schwärmte Jamanka über die ehemalige Sprinterin.