Ein Laufduell von Rasanz und Feuer: Der schnelle Douglas Costa, den Ball am Fuß, hatte einen Vorsprung, er wartete, bis Niklas Süle ihn fast einholte. Dann zog der Brasilianer noch mal an, doch der deutsche Abwehrkoloss nahm seinen ganzen Schwung, sprang, beide Beine voraus, dem Ball hinterher und löffelte ihn dem Stürmer vom Fuß. Supergrätsche, nur Ecke, kein Tor. Das Publikum staunte und raunte, manche sprangen auf.

Das war's auch schon mit den deutschen Highlights im ersten Duell gegen Brasilien seit dem historischen 7:1-Sieg der Deutschen im WM-Halbfinale von Belo Horizonte. Es hätte ein Ereignis werden sollen, ein wichtiger Test für die WM 2018. "Die zwei besten Mannschaften der Welt treffen aufeinander", rief der kesse Stadionsprecher vor dem Spiel.

Die Revanche glückte, die Brasilianer siegten 1:0. Obwohl sie nicht gut spielten an diesem Abend. Bloß halt noch immer besser als die Deutschen, die eine ernüchternde Leistung boten. Das brachte sogar innerhalb der Mannschaft Misstöne hervor, die möglicherweise nachhallen werden.

Der Spielaufbau beider Mannschaften stockte

Nach dem tollen 1:1 gegen Spanien am Freitag sahen die deutschen Fans ein schwaches Länderspiel, sie sahen geradezu anderen Sport. Der Spielaufbau beider Teams stockte, was dazu führte, dass sie oft nicht aus ihrer Hälfte rauskamen, weil sie vorher den Ball verloren oder vergaßen. War das Spielfeld eine langsame Wippe, auf der alle Beteiligten inklusive Ball den Gesetzen der schiefen Ebene ausgesetzt waren? Jedenfalls verlief das Geschehen erst ewige Minuten lang vor dem deutschen Strafraum, dann vor dem brasilianischen.

Aus Verlegenheit passten beide Teams oft zu ihrem Tormann. Kevin Trapp konnte sich nicht darüber beklagen, dass er von seinen Mitspielern geschnitten worden wäre, so viele Ballkontakte hatte er. Allerdings landeten seine Passversuche meist im Aus oder beim Gegner. Das Gegentor vertölpelte er auch irgendwie. Blöd gelaufen. Trapp-trapp, der Trapper, Tripp-tripp, der Indianer, würde Otto Waalkes sagen.

Auch sonst präsentierte sich kein Deutscher in brauchbarer Form. Leroy Sané brachte kein Dribbling zustande. Leon Goretzka blieb nahezu unsichtbar. Joshua Kimmich griff kreuzbrav an. Timo Werners Läufe hätten zum Erfolg führen können, wenn das Spielfeld nicht plötzlich zu Ende gewesen wäre.