Sebastian Brandstätter ist nicht bloß Trainer der Frauen-Fußballmannschaft des FC Internationale, er ist auch Österreicher, also an raues Klima gewöhnt. Deshalb sagt er: "Ich bin über diese Absage sehr verwundert, ich kann sie nicht nachvollziehen." Nur musste er sie halt akzeptieren, es blieb ihm nichts anderes übrig. Seine Mannschaft hatte am Wochenende spielfrei – zwangsweise.

Grund war diese Absage des Berliner Fußball-Verbands (BFV) für das Wochenende: "Alle Spiele der Frauen, Seniorinnen und der weiblichen Jugend (Juniorinnen) werden witterungsbedingt abgesagt." Hintergrund war wohl die Kälte. Nur: Der BFV teilte zugleich auch mit: "Die Spiele der Herren, Senioren (…) sowie der männlichen Jugend finden wie angesetzt statt." Bei Bedarf sollte der jeweilige Schiedsrichter entscheiden, ob ein Platz bespielbar sei.

Männer und Junioren haben mit der Kälte und dem Zustand des Platzes erst mal keine Probleme? Frauen dagegen frieren so sehr, dass sie erst gar nicht spielen sollen?

Diese Konstellation sorgte am Wochenende für Häme und heftige Diskussionen. Brandstätter jedenfalls sagt: "Meine Frauen haben das nicht verstanden. Die trockene Kälte ist doch kein Problem, solange der Platz nicht vereist ist."

Die Entscheidung für den Frauenbereich traf der Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball (Vorsitzende: Nadine Fröhnel). Bernd Schultz, der BFV-Vorsitzende, sagte dem Tagesspiegel, bezogen auf die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen: "Das ist sicher verwunderlich, aber diesen Beschluss traf der Ausschuss. Er hat das Recht zu einer eigenverantwortlichen Entscheidung."

Gerd Thomas, der Internationale-Vorsitzende, sagt: "Auf den ersten Blick ist das Ganze etwas lustig und lädt zu Sarkasmus ein." Aber er kann die Absage grundsätzlich nachvollziehen, da er auch eine Verletzungsgefahr sieht. Allerdings versteht er nicht, "warum man nur bei den Frauen abgesagt hat".

Auch Marika Wilczok, die Trainerin der zweiten Frauenmannschaft von Viktoria Tempelhof-Lichterfelde, findet, "dass man sich im Verband besser hätte absprechen müssen". Die Absage selber nimmt sie eher gelassen hin. Die Vorbereitung auf ein Spiel sei auf den harten Plätzen ja sowieso nicht gut gewesen.

Ihr Kollege Brandstätter dagegen kann mit dem Argument Kälte nichts anfangen. "Wir haben doch auch unter der Woche normal trainiert." Und dann denkt er an einen Dezembertag 2017: "Da lag sogar Schnee auf dem Platz. Unser Spiel haben wir trotzdem ausgetragen."