Interpol arbeitet auch nicht nur organisatorisch mit der Fifa zusammen. Gleich mehrere ehemalige Interpol-Mitarbeiter wechselten die Seiten und sitzen nun in hoch dotierten Jobs. So war der Australier Chris Eaton zunächst als Sicherheitschef der Fifa aktiv und später auf einem ähnlichen Posten im staatlichen Internationalen Sportsicherheitszentrum (ICSS) in Katar. Eaton ermittelte also erst über Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit der Vergabe nach Katar und wechselte dann an ein dortiges Sicherheitszentrum, für das er sich für eine weltweite Integritätsreform im Sport einsetzte.

Eaton sieht in seinem Posten aber keinen Interessenkonflikt, wie er in der Arte-Dokumentation verrät. Mittlerweile ist der Australier als Berater für den universitären Ableger des ICSS an der Pariser Universität Panthéon-Sorbonne tätig.

Der kanadische Ex-Interpol-Mitarbeiter Dale Sheehan und dessen britischer Kollege Fred Lord wurden derweil, nicht zuletzt dank Eaton, Mitte 2017 Teil einer Integritätseinheit des ICSS, die weltweit für den sauberen Sport werben soll. Auch der ehemalige österreichische Interpol-Mann Werner Schuller war eine Weile am katarischen Zentrum beschäftigt, er arbeitete für das ICSS unter anderem an einem Handbuch zum Thema Spielmanipulation. Gegenüber Arte sagte Interpols Due-Diligence-Officer Kris D‘hoore, dass er staatliche Geldgeber wie Katar grundsätzlich nicht auf Integrität überprüfe.

Fifa und das IOC

Doch Interpol hat aktuell noch einen weiteren umstrittenen Geldgeber: Seit 2015 gibt es ein eineinhalb Millionen Euro schweres, auf drei Jahre angelegtes Abkommen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC). Das Ziel: "Die Sicherheit und die Integrität im Sport zu erhöhen", vor allem im Bereich des Dopings, der Spielmanipulation und der Korruption. Seitdem gab es mehrere gemeinsame Aktionen. Im Juni 2016 reisten Experten von Interpol und IOC in Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele nach Rio de Janeiro und schulten Richter, Staatsanwälte und Polizisten in der Sportkriminalität. 2017 organisierten Interpol und IOC gemeinsam mehrere Konferenzen zum Thema Integrität im Sport auf den Bahamas und in Westafrika.

Mitten hinein in diese Kooperation fielen pikanterweise gleich mehrere IOC-Skandale: Erst im Dezember 2015 leitete die Schweizer Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen möglicher Bestechung im Zusammenhang mit der Vergabe der Olympischen Spiele in Rio 2016 und Tokio 2020 ein. Noch während der Spiele in Rio wurde Pat Hickey, damals Präsident des irischen Olympischen Komitees und Vertrauter von IOC-Präsident Thomas Bach, festgenommen. Ihm warf man vor, in illegalen Tickethandel verwickelt zu sein. In mehreren Recherchen der ARD-Dopingredaktion in der Serie Geheimsache Doping – Das Olympiakomplott zeigte sich zudem die fragwürdige Rolle des IOC im Skandal um das russische Staatsdoping

Interessenkonflikte

Die Zuwendung mit dem IOC sei vollständig in Einklang mit den Due-Diligence-Richtlinien der Organisation, erklärt dagegen Interpol auf Anfrage von ZEIT ONLINE. Man arbeite deshalb auch künftig weiter nicht nur mit dem IOC, sondern auch mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zusammen, mit der ebenfalls ein derartiges Abkommen besteht.

Die Anwältin Sylvia Schenk sagt, dass Interpol nach dem "unüberlegten Sponsoring" im Falle der Fifa weitreichende Mechanismen installiert habe, "die klare Kriterien an die Annahme von Drittmitteln anlegen". Schenk arbeitet für Transparency International und ist Mitglied in der von Interpol-Chef Stock ins Leben gerufenen Ethikkommission.

Andere NGO-Mitarbeiter sind skeptischer: "Wir erachten es als heikel, wenn Interpol von privaten Organisationen mitfinanziert wird", sagt Martin Hilti, Geschäftsführer von Transparency International Schweiz. Dadurch könnten Interessenkonflikte entstehen und die Unabhängigkeit von Interpol infrage stehen. So bestehe insbesondere die Gefahr, dass Private Einfluss nehmen auf die Tätigkeit von Interpol. Mit dieser Einschätzung steht er wohl nicht alleine da. Auch die Ethikkommission und strenge Due-Diligence-Vorschriften können künftig kaum vermeiden, dass Interpol zumindest dem Verdacht der Beeinflussung ausgesetzt ist.

In Kooperation mit Arte, Mediapart und dem Journalisten-Netzwerk We Report.