Martina Navrátilová gehört zu den erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten – und ist als Expertin für Sportsendungen gefragt. Dem britischen Sender BBC wirft sie nun vor, dass ihr männlicher Kollege John McEnroe als Kommentator viel besser bezahlt wurde als sie. McEnroe ist wie sie ein früherer Tennisstar, bekommt laut Navrátilová aber "mindestens zehn Mal mehr Geld". Das sagte die frühere Sportlerin in der BBC-Sendung Panorama.

Beim Tennisturnier in Wimbledon bekam sie nach eigenen Angaben umgerechnet rund 15.000 Pfund fürs Kommentieren von Spielen, umgerechnet 17.000 Euro. McEnroe habe dagegen von der BBC zwischen 150.000 und 200.000 Pfund erhalten, wie aus einer Veröffentlichung des Senders hervorgehe. "Wenn McEnroe nicht noch haufenweise Sachen außerhalb von Wimbledon macht, bekommt er mindestens zehn Mal mehr Geld", sagte die aus Tschechien stammende US-Bürgerin. Das sei "das Netzwerk der guten alten Jungs".

Die BBC wehrte sich gegen die Vorwürfe: Die Verträge zwischen der neunfachen Wimbledon-Gewinnerin und McEnroe seien "komplett verschieden". McEnroe habe viel mehr gearbeitet. Navrátilová sei während des Turniers 2017 zehn Mal eingesetzt worden und habe unter anderem drei Spiele live kommentiert. McEnroe sei dagegen das gesamte Turnier über im Einsatz gewesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Mitarbeiter dem Sender vorwerfen, Frauen schlechter zu bezahlen als ihre männlichen Kollegen. Carrie Gracie, BBC-Büroleiterin in China, kündigte im Januar ihren Job – aus Protest gegen eine angeblich ungleiche Behandlung. Männer in der gleichen Position bekämen mindestens 50 Prozent mehr Gehalt als Frauen, kritisierte sie in einem offenen Brief. Sie warf der BBC eine "verschwiegene und illegale Bezahlungskultur" vor und forderte den Sender auf, das Problem einzugestehen. Er solle eine gleichwertige, faire und transparente Vergütungsstruktur schaffen. Gracie verdiente als Büroleiterin laut BBC-Bericht 135.000 Pfund pro Jahr, also knapp 155.000 Euro.

Männliche Moderatoren verzichten aus Protest auf Gehalt

Nach dem Brief hatten sich sechs der bekanntesten männlichen Radio- und Fernsehmoderatoren der BBC eingeschaltet. Sie wollten auf einen Teil ihres Gehalts verzichten, damit ihre weiblichen Kollegen so gut bezahlt werden wie sie selbst. Die Moderatoren bekommen laut dem BBC-Bericht zwischen 200.000 und 750.000 Pfund im Jahr – umgerechnet rund 230.000 und 860.000 Euro. Der Bestbezahlte unter den sechs, Jeremy Vine, sagte im Januar: "Das muss geklärt werden, und ich unterstütze meine weiblichen Kollegen, die ganz richtig gesagt haben, dass sie für den gleichen Job auch gleich bezahlt werden sollten."

Die Diskussion um Gleichberechtigung bei der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt kam auf, nachdem die BBC vergangenen Sommer erstmals die Gehälter ihrer Topmoderatoren in Radio und Fernsehen veröffentlichte. Dabei kam heraus, dass unter den 96 Topverdienern der Rundfunkanstalt nur ein Drittel Frauen sind.