Von wegen Handicap – Seite 1

Was sind die Paralympics?

Nach Olympischen Spielen steigen die Paralympics, bei denen Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt mit Handicaps gegeneinander antreten. In Pyeongchang sind es schon die zwölften Winter-Paralympics. Vom 9. bis 18. März kämpfen rund 570 Sportler aus 49 Nationen um Medaillen. Seit 1988 heißen die Spiele offiziell Paralmypics. Schon damals bei der Premiere fanden sie in Südkorea statt.

Welche Sportarten gibt es?

In den sechs Sportarten Ski alpin, Biathlon, Langlauf, Rollstuhlcurling, Schlitten-Eishockey und Snowboarding stehen insgesamt 80 Medaillenentscheidungen an. Die Wettkämpfe der Paralympioniken werden dabei in jeweils drei Kategorien unterteilt: sitzend, stehend oder sehbehindert. Die Rennen der Sehbehinderten sind wiederum in drei Unterkategorien aufgeteilt. B1 ist die Startklasse für fast oder komplett blinde Wintersportler, B2 und B3 sind die Startgruppen für Athleten mit etwas mehr Sehkraft.

Wer führt die sehbehinderten Sportler?

Sehbehinderte Athleten aller Startklassen werden von einem Begleitläufer geleitet. Dieser fährt bei den alpinen und nordischen Skirennen vor den Sportlern und führt sie so durchs Rennen. Die Alpinen sind dabei noch zusätzlich per Bluetooth miteinander verbunden, bei den Biathleten funktioniert die Verständigung auf Zuruf. Blinde Biathleten erhalten ihr Lasergewehr, mit dem sie auf die Scheiben zielen, erst am Schießstand. Dort hilft ihnen ein Infrarotsignal, das in einen Ton umgewandelt wird. Je höher der Ton ist, desto größer ist für sie die Wahrscheinlichkeit, die Scheibe zu treffen. 

Wird auch Eishockey gespielt?

Ja, beim Para-Eishockey sitzen die Spieler auf einem Aluminiumschlitten in einer speziellen Sitzschale aus Plastik und spielen mit zwei kurzen Eishockeyschlägern mit Spikes um den Sieg. Regeln und Spielmodi sind wie beim Eishockey, nur dass die Drittel 15 statt 20 Minuten dauern. Seit 1994, in dem auch die DEL eingeführt wurde, die Sportart paralympisch, und wird bis heute von Männern dominiert. Es gibt keine Frauenmannschaften im Schlitten-Eishockey. Aber eine Frau ist auch dabei. Lena Schrøder aus Norwegen spielt als einzige weibliche Eishockeyspielerin bei den Männern mit. "Ich bin einer der Jungs", sagt sie.

Und gecurlt?

Natürlich finden auch Wettkämpfe im Rollstuhlcurling statt. Dabei treten Mixed-Teams gegeneinander an. Die Regeln sind mit denen des Curlings identisch, nur wird nicht gewischt.

Wer sind die Stars?

Die Monoskifahrerin und Weltbehindertensportlerin des Jahres 2015, Anna Schaffelhuber, gewann in Sotschi gleich fünfmal Gold und wurde damit zur erfolgreichsten Athletin des gesamten Turniers. Sie ist auch diesmal wieder dabei. Ihre stärkste Konkurrentin ist Claudia Lösch aus Österreich. Auch Anna-Lena Forster hat gute Chancen auf eine alpine Medaille im Monoskibob. Die 1,18 Meter große Athletin gewann schon in Sotschi Silber in der Kombination und im Slalom sowie Bronze im Riesenslalom.

Bei den stehenden alpinen Rennen ist Französin Marie Bochet die Topfavoritin. Sie gewann 2014 vier Goldmedaillen. Bei den Männern sind Jesper Pedersen aus Norwegen, Frédéric François aus Frankreich, Takeshi Suzuki aus Japan und Mac Marcoux aus Kanada Anwärter auf mindestens eine Medaille. Als Langlauf- und Biathlonstars gelten die Österreicherin Carina Edlinger, die Russin Mikhalina Anatoljevna Lysova sowie der Schwede Zebastian Modin und der Russe Rushan Minnegulov, der 2014 Gold über 20 Kilometer gewann.

Wie groß ist das deutsche Team?

Aus Deutschland werden 20 Teilnehmer plus vier Begleitläufer starten. Zum Beispiel der 48-jährige Alexander Ehler, der schon mal fast für Kasachstan bei Olympia teilgenommen hätte und jetzt als ältester Deutscher bei den Paralympics im Biathlon und Skilanglauf mitmacht. Anja Wicker, Fan des VfB Stuttgart, mag eigentlich keinen Winter, tritt aber trotzdem im Biathlon und Skilanglauf an.

Auch die beiden Niedersachsen Steffen Lehmker und Thomas Nolte gehen in Pyeongchang an den Start. Ebenso wie die mehrfache Paralympics-Siegerin und Fahnenträgerin Andrea Eskau, die schon dreimal bei den Sommerspielen war und zum dritten Mal an Winterspielen teilnimmt. Martin Fleig als amtierender Gesamtweltcupsieger im Biathlon und Alpinin Anna-Maria Rieder, die mit ihren 18 Jahren das jüngste deutsche Teammitglied ist, sind ebenfalls dabei. Deutsche Snowboarder und Eishockeyspieler gehen in Pyeongchang übrigens nicht an den Start, in allen anderen Sportarten sind die Deutschen aber vertreten.

Keine Russlandflaggen auch bei den Paralympics

Dürfen russische Sportler starten?

Russland führte 2014 mit 80 Medaillen den paralympischen Medaillenspiegel an. Nachdem das staatlich organisierte Dopingsystem bekannt wurde, wurde auch das russische paralympische Komitee suspendiert. Für sauber befundene Athleten aus Russland dürfen aber auch bei den Paralympics in Pyeongchang starten, müssen nur unter neutraler Flagge antreten. Das gilt für rund 30 Sportler und Sportlerinnen.

Mit dieser Entscheidung des IOC-Pendants IPC sind aber nicht alle zufrieden. "Nach dem Sündenfall von Sotschi ist diese Entscheidung aus unserer Sicht ein Schlag ins Gesicht der sauberen Sportler und der manipulationsfreien Sportstrukturen", sagt der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes Friedhelm Julius Beucher. Manuela Schmermund, Athletensprecherin der Behindertensportler, drückt es sogar noch extremer aus: "Ich fühle ein unsägliches Gemisch von Wut, Trauer, Betroffenheit, Scham und Ohnmacht", sagte sie. Dennoch versucht das IPC, dieser Kritik entgegenzuwirken. In Pyeongchang werden daher mehr Dopingtests als 2014 durchgeführt. Jeder Paralympionik muss demnach mindestens einmal eine Urinprobe abgeben, wenn nicht sogar noch mehr.

Wie viel Geld ist deutsches Gold wert?

Für die deutschen Athleten und Athletinnen geht es um richtig was. Sie werden von der deutschen Sporthilfe mit demselben Betrag wie nichtbehinderte Sportler honoriert. Für Gold gibt es 20.000 Euro, für Silber 15.000 Euro und für Bronze 10.000 Euro. Der oder die Achtplatzierte erhält noch eine Prämie im Wert von 1.500 Euro. Doppelt gezahlt wird aber nicht, überwiesen wird die Prämie nur für den jeweils größten Erfolg eines Sportlers.

Wo kann man die Paralympics gucken?

ARD und ZDF übertragen exklusiv. Nach der Eröffnungsfeier wechseln sich beide Sender täglich ab, übertragen wird live von etwa 0.25 Uhr bis 9 Uhr. Zudem zeigen die Sender auch Zusammenfassungen und Highlights des paralympischen Tages. Reporter für alle sechs Sportarten sind in Südkorea vor Ort. Beide Sender bieten außerdem Audiodeskriptionen, Untertitel und die Tageshighlights in Gebärdensprache an.

Und sonst so?

  • Bandabi ist das Maskottchen der Paralympics. Ein asiatischer Schwarzbär, der Mut und Willenskraft verkörpert.
  • Für die Spiele wurden schon über 212.000 Karten verkauft. Das entspricht etwa 96 Prozent des gesamten Ticketkontingents.
  • Wissen zum Angeben: Paralympics sind aus deutscher Sicht Frauensache. Alle 15 Medaillen 2014 in Sotschi für Deutschland gewannen Frauen.