Die neue Liebe Leipzig

Wer spielte wie gegen wen?

Die Leipziger sammelten die meisten Herzen und sie haben Sie nicht enttäuscht, liebe Herzchenverteilerinnen und -verteiler.

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Leipzig gegen München, die Begegnung der letzten deutschen Europareisenden. Vor dem Spieltag hatten einige gedacht: Putin gewinnt die Wahl und Bayern wird Meister – kein Zufall, dass beide Ereignisse auf einen Tag fallen, sie sind gleichermaßen erwartbar. Es kam doch anders. Also das mit den Bayern. Das lag auch an den Leipzigern, die an diesem kalten Sonntag Vereinsgeschichte schrieben. Nach zuletzt schlechten Ergebnissen feierten sie ihren ersten Sieg gegen den FC Bayern. Im Vorjahr hatten sie sich eine 0:3-Klatsche geholt, eine 4:5-Niederlage durchlitten, in dieser Saison verloren sie in der Liga 0:2 in Unterzahl und beim Pokalsieg in Leipzig half den Bayern der Schiri. Dieses Mal klappte es, weil RB, offensiv aufgestellt, die Bayern mutig unter Druck setzte und zeigte, was passiert, wenn man sie beim Spielaufbau stört und schnell spielt: Vidal unterlaufen Fehlpässe, Kimmich verliert den Ball, Müller rennt hinterher, Hummels fällt hin (beim 2:1 durch Timo Werner), die Abwehr schwimmt.

Es war ein verdienter Sieg, und auch wenn Jupp Heynckes auf einige Stars verzichtete, fragte man sich, warum die beiden Mannschaften in der Tabelle 23 Punkte trennen. Es war auch ein dringend nötiger Sieg in Leipzigs Streben nach der erneuten Champions-League-Qualifikation. Vielleicht noch bedeutender war er für Ruf und Prestige des Projekts. Ralf Rangnick spürt, dass man ihn in München erst dann richtig ernst nimmt, wenn er mal was Großes gewinnt. Und mit solchen Ergebnissen erobert man auch als Emporkömmling die Herzen, zumindest für einen Tag. Siege gegen Bayern ersetzen die teuersten PR-Kampagnen.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Wolfsburg gegen Schalke. Eins muss man Domenico Tedesco wenigstens lassen: Der Mann hat Anstand. "Es tut mir wirklich Leid", sagte der Schalke-Trainer nach dem Schlusspfiff. Er meinte nicht die Sense seines Abwehrspielers Insúa, der Maximilian Arnold trat, dass der fast in den Mittellandkanal flog. Er meinte die Umstände des Schalker Siegs. Die zeigten zwar erneut Engagement, spielten aber wieder nicht gut. Der Gegner machte ein Eigentor und verschoss einen Elfmeter, den fünften von sechs in dieser Saison. Die Zahl der Schalker Duselsiege in dieser Saison kann man schon gar nicht mehr zählen. Auf großer sportlicher Substanz beruht ihr Platz 2 nicht. Es würde einen nicht wundern, wenn diese Erfolgsserie nicht über diese Saison hinaus anhält.

Viel besser war auch das zweite Team, das Bayern noch theoretisch einholen kann, nicht. Nach dem schnöden Scheitern in Salzburg gewannen die Dortmunder zwar erneut in der Liga, dieses Mal gegen Hannover. Auch gelang Michy Batshuayi ein netter Hinter-dem-Rücken-Kick zum Siegtor. Doch in der zweiten Halbzeit ging dem BVB die Puste aus und der Ausgleich der Hannoveraner wurde fälschlicherweise aberkannt.

Wer stand im Blickpunkt?

Max Eberl. Die Seitenlinie und ihr Nebeneinander der zwei Trainerbänke fördert nicht immer die vornehmsten Eigenschaften zutage, sondern eher Revierverhalten. Besonders wenn es so dramatisch und aufsehenerregend zugeht wie beim 3:3 zwischen Gladbach und Hoffenheim, in dem beide Teams Attacken aneinanderreihten, aber auch Blößen offenbarten. Der Sportdirektor der Borussia ließ sich zu einer Unhöflichkeit gegenüber Hoffenheims Julian Nagelsmann hinreißen. Mit einer Geste deutete Eberl an, dass er den Hoffenheimer für hochnäsig hält, auch nannte er ihn einen "kleinen Pisser". Nagelsmann ist einiges gewohnt. Jörg Schmadtke warf mal einen Kaugummi nach ihm, Roger Schmidt beschimpfte ihn als "Spinner", vor ein paar Wochen beleidigte ihn ein verletzter Linienrichter. Entweder Nagelsmann fordert solche Verhaltensweisen heraus. Oder der gehypte Jungcoach zieht Neider auf sich, weil er in fremden Territorien seine Duftmarke hinterlässt.

Die Aufbruchstimmung in Hamburg hielt 45 Minuten

Worüber reden nach dem Spieltag alle?

Den Abstiegskampf. Fast hätte sich einer als scheintot zurückgemeldet: der HSV. Der neue Trainer Christian Titz warf einige erfahrene Spieler raus, setzte auf die Jugend – und belebte damit den Volkspark. Der HSV hatte Chancen, zur Pause führte er 1:0. Doch die Hertha roch die Angst des Gegners, wie Hertha-Coach Pál Dárdai es nach dem Spiel beschrieb, und schoss noch zwei Tore. Schon in der ersten Halbzeit hatte sie einige Großchancen, vielleicht auch weil der Hamburger Abräumer Kyriakos Papadopoulos unter den von Titz Aussortierten war. Prompt beschwerte der sich nach dem Spiel öffentlich und wird vom Verein wohl nun bestraft. Auch dem defensiven Mittelfeldspieler Walace droht eine Suspendierung. Offenbar weigerte er sich, in der Abwehr zu spielen. Auch erschien er nicht im Stadion, sammelte stattdessen während des Spiels Likes auf Instagram. Der neue Trainer hat bereits nach dem ersten Spiel Teile der Mannschaft verloren. Außerdem wollten Randalierer nach dem Spiel die Kabine stürmen. Die Aufbruchstimmung in Hamburg hielt 45 Minuten.

Auch Mainz hinterließ einen schwächlichen Eindruck, hätte in Frankfurt auch doppelt so hoch verlieren können. Wolfsburg zeigte zumindest spielerische Erholungstendenzen, verlor aber erneut. Den hellsten Eindruck im Keller machen die Kölner. Sie landeten einen Derbysieg gegen Leverkusen und sind nun nicht mehr am Ende der Tabelle. Das war zuletzt im August so.  

Was machten die Frauen?

Nur zwei Spiele gab es in der Bundesliga, der Rest fiel aus wegen Schnee und Eis. 8:0 gewann die Bayerinnen in Köln, zwei Tore schoss die Schwedin mit dem schönen Namen Fridolina Rolfö, geboren in Kungsbacka. Und die Frauschaft des MSV Duisburg besiegte in der Nachspielzeit Werder Bremen und ist nun nicht mehr Tabellenletzte.

Was war sonst noch wichtig?

  • Belfodil. Klingt ein bisschen wie eine neue Wundsalbe, ist aber der Name des algerisch-französischen Torjägers von Bremen. Zwei Tore schoss er in Augsburg, ein drittes bereitete er vor. Werder spielt sich aus der Gefahrenzone.
  • Mario Gómez lobte den Treffer seines Kontrahenten Nils Petersen, der aus vollem Lauf den Stuttgarter Keeper überlupfte. Sehr elegant, "ein Tor wie von Raul", schwärmte Gomez, der Petersen vor ein paar Wochen schroff anging, weil der in einem Interview gesagt hatte, er verblöde im Fußball. Diesmal hatte Gómez gut reden. Er hatte nicht so schön, dafür aber zweimal getroffen. Und sein VfB in Freiburg 2:1 gewonnen.
  • Und dann noch diese Aktion der DFL, über die sich natürlich einige besorgte Bürger besorgt zeigten:


Was war das Zitat des Wochenendes?

"Ein Kernproblem ist, dass immer gegen den Ball gearbeitet wird. Die Lösungen im Fußball aber sind, was passiert, wenn ich den Ball habe."

Joachim Löw über die sportliche Krise der Bundesliga