An Marcel Thomas erinnern sich Fußballinsider vielleicht noch. Am ehesten wohl die Fans des VfL Bochum. Dort spielte Thomas von 2011 bis 2013 in der zweiten Mannschaft. Was aber den meisten verborgen blieb: Thomas lutschte damals fast täglich Snus. "Die Schweden nehmen Snus so, wie die Deutschen Bier trinken", sagt er. Ein Bundesligaspieler aus Skandinavien hatte ihm auf einer Party Snus angeboten. Danach nahm er es regelmäßig zu sich.  

Snus? Das ist rauchfreier Tabak, dessen Nikotin über die Mundschleimhaut in den Körper gelangt. Es wird in Dosen verkauft, die entweder kleine Beutelchen oder losen Tabak mit jeweils unterschiedlichen Mengen an Nikotin enthalten. Der Verkauf ist in Deutschland bislang illegal, der Konsum hingegen nicht. Der Oraltabak kann also bedenkenlos importiert werden. Zum Beispiel aus Schweden. Dort ist Snus seit dem frühen 19. Jahrhundert verbreitet. Schweden ist zudem das einzige Land in der EU, in dem der Oraltabak legal gekauft werden kann.  

Klingt eigentlich ganz süß, kann auch so schmecken

Snus wird daher auch schwedisch ausgesprochen, also "Snüs". Eigentlich ganz süß. Es ist auch in süßlichen Geschmacksrichtungen erhältlich: von Himbeere oder Vanille bis hin zu Lavendel, Cola oder Melone. Ingo Froböse, Professor für Sportrehabilitation und Prävention an der Sporthochschule Köln, warnt aber vor dem Tabak mit Salz und Aromen: "Künstliche Zusatzstoffe, wie auch Geschmacksverstärker oder E-Stoffe in Lebensmitteln, sind nachweislich ungesund. Zudem verursacht Snus eine starke Abhängigkeit."

Snus gilt als Trenddroge im Profisport. Vor allem junge Spieler greifen zu, auch in der Bundesliga ist Snus offenbar sehr verbreitet. Marco Reus und sein früherer Teamkollege Emre Mor sollen zum Lutschtabak greifen, auch wenn sie sich nicht öffentlich dazu äußern. Reus zeigte sich dafür aber 2015 auf Instagram mit einer Dose Thunder, einem bekannten Hersteller von Snus.

Off to Greece ... ✈️⚽️ #Januzajgoalinho#bvb

Ein Beitrag geteilt von Marco Reus (@marcinho11) am

Auch in der Premier League konsumieren die Spieler Snus. Im Stadion von Leicester fanden Journalisten nach einem Spiel sogar benutzte Nikotinbeutel neben der Auswechselbank. Vielleicht gehörte einer davon Jamie Vardy? In seiner Autobiografie gibt er zu, dass er und auch andere Spieler regelmäßig Snus nehmen. Auch während der Spiele. Arsenals Pierre-Emerick Aubameyang und Newcastels Jamaal Lascelles abonnieren Social-Media-Accounts, die den Oraltabak verkaufen. Die Liste der Profis, die mit Snus in Verbindung gebracht werden, ist lang. In England droht Spielern teilweise sogar eine hohe Geldstrafe, wenn sie mit Snus erwischt werden. In Deutschland ist das noch nicht so. 

Marcel Thomas war einer der ersten deutschen Fußballspieler, der den Lutschtabak konsumierte. "Damals war Snus bei den Spielern noch völlig unbekannt, das hat sich geändert", sagt er. Ihm zufolge seien snusende Bundesligaspieler aber eine Ausnahme: "Ich würde behaupten, dass kein einziger Bayern-Profi Snus nimmt. Das machen eher Spieler aus den unteren Ligen." Dem NDR sagte ein Profi des SC Freiburg hingegen, dass ein Viertel aller Bundesligaspieler zum schwedischen Lutschtabak greife. Sichere Konsumentenzahlen gibt es nicht.