Wo bloß war die kindliche Vorfreude hin, die überbordende Begeisterung, die Steffi Jones oft mitbrachte? Es war bezeichnenderweise Aschermittwoch, als der DFB einen kleinen Journalistenkreis einlud, um mit der Bundestrainerin über den bevorstehenden SheBelieves-Cup zu sprechen, das Einladungsturnier in den USA. Die ersten Länderspiele des neuen Jahres standen an, der Termin sollte wie ein Aufbruch wirken. Gleichzeitig lag in der Gesprächsrunde Schwermut.

Bereits damals, vor einem Monat, war nicht mehr zu kaschieren: Auch wenn Jones keck verkündete, sie werde "Einflüsse von außen nicht mehr zulassen" – da arbeitet jemand auf Bewährung. War sie in einer Abwehrhaltung, die gar nicht zu ihr passte?

An diesem Dienstag handelte der DFB: Die im September 2016 begonnene Ära Jones, die mit ihrer Empathie, ihrem Elan, ihrem Einsatz der Nationalmannschaft den Weg in die Zukunft weisen sollte, ist neunzehn Monate später Geschichte. Der erste Rauswurf einer Trainerin oder eines Trainers bei den deutschen Frauen. Spätestens nach dem letzten Turnierspiel in den USA gegen Frankreich (0:3) war klar: Jones hat viel Rückhalt verloren, sogar bei einem Teil der Spielerinnen, die ihrem Zickzackkurs in Sachen Taktik und Menschenführung nicht mehr folgen wollten.

"Die Rückendeckung war endlich", sagt ihr langjähriger Manager Siegfried Dietrich, der gleichzeitig Macher beim 1. FFC Frankfurt ist. "Man muss für den Schritt des DFB Verständnis haben, weil es um die Zukunft und ein Juwel in einer Mannschaftssportart geht. Doch es gibt auch eine menschliche Seite, mir geht das unter die Haut." Dietrich hatte die in schwierigen familiären Verhältnissen in Frankfurt-Bonames aufgewachsene, über den Fußball zur Persönlichkeit gereifte Jones seit ihrem achtzehnten Lebensjahr begleitet. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die Sympathieträgerin zur Organisationschefin der WM 2011 wurde. Die Rolle erfüllte sie besser, als viele gedacht hatten.

Aber so galant sie die neue Aufgabe abseits des Platzes meisterte, so sehr scheiterte die 45-Jährige jetzt daran, auf dem Rasen das Erbe der erfolgreichen Ära Silvia Neid zu gestalten. Die nicht immer beliebte, weil strenge Vorgängerin war im Sommer 2016 mit dem Olympiasieg abgetreten, 2013 auch noch mal Europameisterin geworden. Für Jones war das eine hohe Bürde in Zeiten, in denen andere Nationen wie die Niederlande oder England, aber auch Außenseiter wie Spanien oder Österreich aufholten. Diese vier Teams duellierten sich in den Halbfinals der EM 2017. Der achtfache Europameister Deutschland war bereits zu Hause. Ein historisches Aus.

Kritik von Oliver Bierhoff

So half Jones nicht, dass nach dem Viertelfinal-Aus der Vertrag noch einmal mit Option bis 2020 ausgedehnt worden war. Im Rückblick war das Vertrauensbekenntnis Reinhard Grindels wenig wert. Der DFB-Präsident hatte schon nach dem Aussetzer in der WM-Qualifikation gegen Island (2:3) alles infrage gestellt, und es musste im November ein Sieg im Testspiel gegen Frankreich (4:0) her, damit Jones den Job behält.

Das Präsidium folgte nach der Rückkehr aus den USA der Empfehlung des Nationalmannschaftsdirektors Oliver Bierhoff sowie des Sportlichen Leiters Joti Chatzialexiou. Der 42-Jährige ist mit Jahresbeginn in der neuen DFB-Struktur unter Bierhoff für die weiblichen Nationalteams zuständig und hatte sich die ersten Länderspiele gegen die USA (0:1) und England (2:2) angeschaut. Womöglich hat er die erheblichen atmosphärischen Störungen unter den Spielerinnen mitbekommen.

Bierhoff deutete dies in seinem Statement an: "Mit Blick auf die sportliche Entwicklung, die wichtige Qualifikation für die WM und die unterschiedlichen Rückmeldungen vom SheBelieves-Cup sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass die Mannschaft eine neue Führung braucht." Man wolle zudem die Strukturen im Frauenfußball professionalisieren, die Verzahnung mit dem Männerbereich stärken und neue Konzepte anwenden.