Ex-Radprofi Lance Armstrong bezahlt nach übereinstimmenden US-Medienberichten eine Summe von fünf Millionen Dollar an die US-Regierung, um einen Schadenersatzprozess gegen ihn zu vermeiden. Wie die Washington Post und die New York Times berichteten, wurde der Deal vom US-Justizministerium erreicht.

In dem Prozess gegen den Armstrong wäre es um fast 100 Millionen Dollar Schadenersatz gegangen. Er sollte Berichten zufolge begleitet von großer Medienöffentlichkeit am 7. Mai in Washington, D.C., beginnen. Das US-Justizministerium und der ehemalige Armstrong-Teamkollege Floyd Landis hatten wegen Betruges geklagt. Armstrong, der siebenmal die Tour de France gewann, sowie einige seiner Teammitglieder waren gedopt.

Die Gesellschaft Tailwind Sports hatte als Besitzer des Armstrong-Teams von 2000 bis 2004 mehr als 32 Millionen Dollar vom staatlichen Sponsor US Postal erhalten. Die Regierung machte geltend, Armstrong habe mit dem Doping und den Regelverstößen seinen Wert für das US-Postal-Team mehr als zunichtegemacht.

In einer Erklärung an die Agentur AP sagte Armstrong, er sei froh, nun "einen Frieden mit dem Postal Service gemacht zu haben". Er habe die Klage für wertlos und unfair gehalten, sich aber seit 2013 entschieden, "volle Verantwortung für meine Fehler und unangemessenes Verhalten zu übernehmen, und Wiedergutmachung wo immer möglich zu leisten".

Armstrong hatte seinem früheren Arbeitgeber Mitwisserschaft bei den Dopingpraktiken unterstellt und argumentierte, dass der erzielte Werbewert weit höher zu veranschlagen sei als der beklagte Imageverlust. Den Berichten zufolge stimmte Armstrong auch zu, weitere 1,65 Millionen US-Dollar an Landis zu bezahlen, um dessen Rechtskosten zu decken.

Landis' Anwalt Paul Scott erklärte, mit der Einigung werde Armstrong immer noch zur Verantwortung gezogen. Es reiche nicht aus, in einem Fernsehinterview Entschuldigung zu sagen. "Unser Ziel war es, ihn finanziell wirklich zur Verantwortung zu ziehen und mit dieser Einigung wird dieses Ziel erreicht." Kritisch äußerte sich dagegen Betsy Andreu, deren Ehemann Frankie früher ein Teamkamerad Armstrongs war. "Es ist schockierend, dass die Regierung sich mit so wenig zufriedengibt", sagte sie

Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte die Machenschaften Armstrongs und seines Unterstützerteams 2012 aufgedeckt. Armstrong wurden lebenslang alle Sportaktivitäten untersagt und alle sieben Siege bei der Frankreichrundfahrt zwischen 1999 und 2005 aberkannt.

2013 gestand Armstrong nach jahrelangem Leugnen seinen Dopingmissbrauch. Er verlor daraufhin in zahlreichen Schadenersatzprozessen bereits etwa 20 Millionen Dollar. Kürzlich schrieb Armstrong sein Haus in Texas für 7,5 Millionen US-Dollar zum Verkauf aus. Die jetzt erzielte Einigung beendet nach Angaben der Washington Post das letzte Verfahren, das gegen Armstrong anhängig war.