Bailey Davis tanzte, sprang und wedelte jahrelang mit ihren Pompoms über das Spielfeld. Sie zeigte ihren durchtrainierten Körper in knappen Outfits, und ein Millionenpublikum sah ihr dabei zu. Drei Jahre lang feuerte die 22-Jährige das Footballteam der New Orleans Saints an. Dann wurde sie gefeuert. Sie hatte ein Foto von sich im Spitzen-Einteiler auf Instagram gepostet.

Davis verstieß damit gegen die Richtlinien der Saintsations, dem Cheerleader-Team der Saints. Anzügliche Fotos auf privaten Social-Media-Kanälen duldet das Franchise nicht. Auch verboten: Cheerleaderinnen, die sich in ihrer Freizeit im gleichen Raum wie die Footballspieler aufhalten. Davis soll auf derselben Party wie ein Spieler gewesen sein. Beweise gibt es nicht, ihren Teilzeitjob als Cheerleaderin ist sie nun aber trotzdem los.

Ende März reichte Davis eine Beschwerde bei der Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) ein. Die Ex-Cheerleaderin verklagt die Saints und die NFL, weil sie sich wegen ihres Geschlechts diskriminiert fühlt. Ihren Job möchte sie nicht zurückhaben: "Baileys Ziel ist es, dass Cheerleaderinnen in Zukunft besser und fair behandelt werden", sagt ihre Anwältin Sara Blackwell. Noch hat die US-Behörde keine Entscheidung getroffen, die beiden Frauen sind aber optimistisch, dass ihre Klage erfolgreich sein wird.

Gesprächsversuche von Spielern müssen abgeblockt werden

Das Kontaktverbot gilt nicht nur für die Saintsations, sondern auch bei den San Francisco 49ers, denBaltimore Ravens, denSeattle Seahawks, den Oakland Raiders, denAtlanta Falcons und den Cincinnati Bengals. Wenn eine Cheerleaderin in einem Restaurant isst und ein Spieler den Raum betritt, muss sie das Lokal umgehend verlassen. Und: Sie darf nicht mit ihm sprechen. Das gilt auch virtuell. Wenn ein Spieler einer Cheerleaderin in den sozialen Medien folgt, muss sie ihn blockieren. Die einzigen Wörter, die sie im realen Leben zu ihm sagen darf, sind "Hello" und "Good game". Weitere Gesprächsversuche muss sie abblocken.

Für Blackwell ist das Diskriminierung: "Die Spieler müssen keinen Ort verlassen oder meiden, wenn eine Cheerleaderin bereits dort ist. Das ist Teil unserer Anklage." Auch moralisch hält die Rechtsanwältin die Regeln für nicht vertretbar: "Cheerleaderinnen sind Athletinnen, die ihr ganzes Leben trainieren. Sie sollten sich keine Gedanken darüber machen müssen, ihren Traum aufzugeben, nur weil sich ein Spieler im gleichen Raum aufhält." Sie hofft, dass die Social-Media-Richtlinien in der NFL angepasst werden.

Kein Date mit dem Maskottchen

Zu den männlichen Arbeitskollegen, mit denen die Frauen nicht sprechen dürfen, zählen neben den Spielern auch andere Club-Angestellte wie das Maskottchen. Das verdient im Schnitt 20 Mal mehr als die Athletinnen und hat im Gegensatz zu diesen auch Anspruch auf eine Rente oder eine Krankenversicherung.

Für viele junge Amerikanerinnen ist es dennoch ein großer Traum, NFL-Cheerleaderin zu werden. Schon an der High School oder am College trainieren sie hart und müssen sich in verschiedenen Auditions gegen ihre Konkurrentinnen durchsetzen. Die Ansprüche an die NFL-Cheerleaderinnen sind hoch: Sie müssen einen High-School-Abschluss haben und nebenbei Vollzeit arbeiten oder studieren. Schlau, sportlich und hübsch sollen sie sein.