Die Trainerfindungskommission der Bayern hat ein paar Richtungswechsel vollzogen. Erst hoffte sie, dass Jupp Heynckes doch weitermacht. Als sich dies zerschlug, verhandelte sie mit Thomas Tuchel, dem sie im Herbst Heynckes noch vorgezogen hatte. Als Tuchel absagte, weil er wohl in Paris im Wort stand, mussten sich die Bayern umorientieren. Jetzt wird es kein Tuchel, auch kein Nagelsmann, sondern Niko Kovač.

Für Kovač, der seinen Bruder Robert als Co-Trainer mitbringt, zahlen die Bayern 2,2 Millionen Euro Ablöse, weil er Frankfurt vor zwei Jahren vor dem nahezu sicheren Abstieg gerettet und den Außenseiter inzwischen in die Nähe der Champions-League-Qualifikation geführt hat. Er stand mit der Eintracht im Vorjahr im Pokalfinale, das er am Mittwoch mit einem Sieg in Schalke wieder erreichen kann. Der Trainer Kovač ist, erneut, einer der Gewinner dieser Saison.

Kovač ist für die Bayern vielleicht die beste Lösung aus der Bundesliga. Was allerdings noch nicht heißen muss, dass er auch eine sehr gute Lösung ist. In jedem Fall ist er eine kleine Lösung. Vielleicht lässt sich der Verein vom erneuten Halbfinaleinzug in der Champions League täuschen, vielleicht denkt man in München, es brauche keine große Lösung.

Mehr Spiel und Strategie gefragt

Mit so wenigen Titeln und Erfolgen wechselte seit Jürgen Klinsmann kein Trainer mehr nach München. Bei Red Bull Salzburg hielt sich Kovač nur kurz, auch bei der kroatischen Nationalelf. In der Vorrunde der WM 2014 schied sie aus. Später wurde er entlassen, weil der Verband ihm nach einem 0:0 gegen Aserbaidschan und einem 0:2 gegen Norwegen nicht zutraute, die EM-Qualifikation zu bestehen. In der Rückrunde der Vorsaison wurde Kovač mit Frankfurt übrigens Letzter, hinter Darmstadt 98.

Doch Kovač wird nicht nur größere Gegner schlagen, sondern auch seine Art des Fußballs neu ausrichten müssen. Die Eintracht überzeugte vor allem durch Moral und Kraft, selbst Zweitligisten wurden im Pokal niedergerungen, manchmal im Elfmeterschießen. Der Trainer Kovač hat seine Stärken im Fach Motivation. Seine Arbeit beschrieb er mal so: "Ich mache aus meinen Spielern Krieger." Seinen Frankfurtern, die er trotz gegenteiliger Erklärungen verlässt, hielt er vor, zu brav zu sein, obwohl sie in der Rangliste der Gelben Karten stets weit vorne standen.

In München werden mehr Spiel und Strategie gefragt sein. Auch im Umgang mit Stars muss sich Kovač neu beweisen, davon gab es in Frankfurt keine, von Kevin-Prince Boateng vielleicht abgesehen. Mit Luka Modrić, dem Spielmacher Real Madrids, geriet Kovać zu seiner Zeit in Kroatien öffentlich in einen Konflikt. In München muss er es Arjen Robben und wohl auch Franck Ribéry beibringen, wenn sie mal nicht spielen.