Wer spielte wie gegen wen?

Nicht mal am Tag, als sie Meister wurden, lassen Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Bayern gewinnen. Wie herzlos kann man sein?

Welches Spiel durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Hamburg gegen Schalke. Es war die Bundesliga-Nachricht des Wochenendes: Der HSV kann doch noch Fußball spielen. Jahrelang wurde dieser Verein zu Recht verspottet, in dieser Saison schien er nach 15 sieglosen Spielen nacheinander endlich abgeschrieben – und dann legte er sein bestes Spiel dieser Saison hin. Offensiv, stürmisch, kreativ, initiativ. Mit guten Fußballern wie Lewis Holtby, dem der neue Trainer Christian Titz im Gegensatz zu seinen Vorgängern vertraut. Oder dem 20-jährigen Japaner Tatsuya Itō, der den Gegnern mit Dribblings die Beine verknotete. Aaron Hunts triumphaler Siegesschuss aus 25 Metern ließ den Schalker Tormann zur Salzsäule erstarren und das Stadion Lava speien. Das Herz der HSV-Fans rast noch zwei Tage nach dem Spiel.

Zugegeben, es war nur Schalke, ein Team, das wieder mal nur dreimal aufs Tor schoss. Zur Führung benötigte es sogar die Hand von Naldo und die Augenklappen der Schiris, die sich eigentlich bei Toren eine strenge Auslegung des Handspiels auferlegt haben, diesmal aber nichts taten. Umso verdienter war der Erfolg des (soll man es schon sagen?) neuen HSV. Macht er so weiter, schafft er am Ende doch noch den Klassenerhalt. Um diesen HSV, der so viel mehr an Atmosphäre zu bieten hätte als Mainz, Wolfsburg oder Hoffenheim, wäre es jedenfalls schade, wenn nicht.

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Freiburg gegen Wolfsburg. Weil dort einer mitspielte, der nicht hätte mitspielen dürfen. Nils Petersen hatte im Spiel zuvor wegen zweimaligen Reklamierens die Gelb-Rote Karte gesehen. Heißt: ein Spiel Sperre. Doch das DFB-Bundesgericht begnadigte den Freiburger Stürmer mit zweifelhafter Begründung. Petersen habe die erste Gelbe Karte nicht gesehen, weil er mit dem Rücken zum Schiri gestanden habe. Doch ob er sie gesehen hat oder nicht, darauf kommt es gar nicht an, zumal der Schiedsrichter Tobias Stieler angab, dem Spieler die Verwarnung mündlich mitgeteilt zu haben. Das genügt, die Karte ist nur ein zusätzliches Signal, auch an Zuschauer und Mit- und Gegenspieler. Ein Spieler kann ja auch eine Gelb-Rote Karte erhalten, wenn er zwei Vergehen unmittelbar hintereinander begeht, etwa nach einem Tor das Trikot auszieht und auf den Zaun steigt. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.

Vielleicht hat die Milde des DFB einen anderen Grund. Christian Streich hat sich nämlich über Stieler beschwert, und zwar fühlt er sich von ihm grundsätzlich benachteiligt. Vermutlich um den Freiburger Trainer zu besänftigen, wich der DFB von der üblichen Strafe ab. Ja, es stimmt, es war ein sehr fraglicher Elfmeter, den Stieler gegen die Freiburger pfiff. Ja, es stimmt auch, dass es die Kleinen manchmal schwerer bei den Schiris haben, wie Streich meint, die Freiburger waren in dieser Saison schon mal Leidtragende von Stielers Fehlern. Doch der nachträgliche Freispruch entmündigt Stieler und die Schiris generell. "Das Urteil stellt alles auf den Kopf", sagt der Ex-Schiri Bernd Heynemann der Welt am Sonntag. "Die Entscheidungshoheit der Schiedsrichter auf dem Feld wird weiter beschnitten." Nicht zuletzt ist das Ganze eine Wettbewerbsverzerrung zulasten Wolfsburgs.

Wenigstens hat Petersen Manieren. Den Elfmeter gegen Wolfsburg verschoss er.

Wer stand im Blickpunkt?

Uli Hoeneß, der Präsident des alten und neuen deutschen Meisters. Mancher wünscht sich angesichts der Langeweile der Bundesliga und der Übermacht des FC Bayern eine Reform, etwa die Einführung von Play-offs. Die gäben dem Zufall in der Titelfrage ein größeres Gewicht, erhöhten die Chancen anderer Vereine. "Jetzt einfach die Regeln ändern?", entgegnet Hoeneß in der SZ. "Das wäre total unfair!" Stattdessen wünscht er sich wieder stärkere deutsche Gegner. "Ich glaube, dass die anderen Vereine besser arbeiten müssen." Das klingt, als wäre er ein schlechter Gewinner, aber recht hat er. Die Konkurrenten machen einfach in der sportlichen Führung seit Jahren Fehler, die sie daran hindern, sportliche Substanz aufzubauen. Philipp Lahm hatte bei seinem Abschied vor einem Jahr Ähnliches gesagt. Es ist nicht nur das Geld, das den Unterschied zwischen den Bayern und den anderen macht. Deren Vorsprung müsste nicht so groß sein.

Was die anderen falsch machen und der FC Bayern nicht – und warum er so leichtes Spiel hat in der Bundesliga, lesen Sie in unserer großen Meisterschaftsanalyse. Und im Übrigen, was Hoeneß über die nationale Konkurrenz sagt, sagte sein vergraulter Ex-Spieler Toni Kroos vor nicht allzu langer Zeit sinngemäß über den FC Bayern.