Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnt Politiker vor einer Instrumentalisierung durch Moskaus Regierung bei der Fußball-WM in Russland. Der Generalsekretär von Amnesty Deutschland, Markus N. Beeko, sagte der Neuen Osnabrücker Zeitung: "Vor dem Hintergrund der massiven Einschränkungen der Presse-, Meinungs- und Versammlungsfreiheit in Russland, der Ukraine-Annexion und der russischen Beteiligung an Verstößen gegen das humanitäre Völkerrecht in Syrien wird sich jeder Politiker genau überlegen müssen, wann er oder sie wo dabei sein sollte."

Politiker dürften sich nicht für fragwürdige Zwecke einspannen lassen. Sportereignisse würden gern von Regierungen genutzt, "um sich in ein vorteilhaftes Licht zu rücken und um auch nach innen Größe, Stärke und weltweite Anerkennung zu demonstrieren".

Auch zu der WM 2022 in Katar äusserte sich Beeko: Seiner Ansicht nach ist die Lage dort "trotz einiger positiver Schritte noch immer durch schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen gekennzeichnet". Die Situation der Arbeitsmigranten beispielsweise, von denen viele auf WM-Baustellen arbeiteten, habe sich nur geringfügig verbessert, sagte Beeko.

Zwar sei ein Ausschuss zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten in Katar eingesetzt worden, bei dem Arbeitnehmer Beschwerden einreichen könnten. "Aber die Behörden gehen Misshandlungen weiter nicht ausreichend nach." Eine Bestrafung der Verantwortlichen bleibe häufig aus.