Wer spielte wie gegen wen?

Die letzte Herzchenwertung der Saison gewinnt Borussia Mönchengladbach. Wahrscheinlich lags am Gegner, dem HSV. Die wenigsten Herzchen bekam der FC Augsburg. Warum eigentlich?

Welche Spiele durften Sie auf keinen Fall verpassen?

Alle, in denen es um Europa und Champions League einerseits sowie den Klassenerhalt andererseits ging. Die Konferenz überzeugte aber auch in ihrer Gesamtheit, fielen doch satte 36 Tore, also vier im Schnitt. Gar doppelt so viele waren es in Berlin, wo die "Rasenballer" die Europa-League-Quali mit 6:2 klarmachten. Ungleich kärger war erneut der Ergebnisfußball auf Schalke, aber dafür wollte man Domenico Tedesco herzen für den Satz: "Es ist ein schönes Gefühl, diesen Menschen hier ein bisschen was zurückzugeben." So viel Demut und Wahrhaftigkeit schwangen in diesen eigentlich ja längst zur Phrase verkommenen Worten mit. Man war sogar versucht, dem Metzger Clemens Tönnies etwas abzugewinnen, denn der sprach von einem kommenden Angriff auf die Bayern. Unabhängig davon, dass Königsblau nicht in Schlagdistanz zu ihnen ist, sondern mit 21 Punkten Rückstand nur Sieger des Schneckenrennens um die "Preußenmeisterschaft". 

Zeitgleich weinte Julian Nagelsmann und sprach von einem "brutalen Moment" – auch der cleverste Algorithmus hätte daraus wohl geschlossen, dass er zu den Verlierern des Tages gehörte. Au contraire! Im direkten Duell um Rang drei erwies sich die TSG Hoffenheim mal wieder als der bessere BVB. Die Dortmunder brachten nichts zustande außer zweier Slapstick-Aktionen, die prompt bestraft wurden. Eine Genugtuung für Nagelsmann, der im Verlauf der Saison unverhältnismäßig angezählt worden war. Freimütig stand er nun zu seinen Freudentränen. Und mit dem "brutalen Moment" meinte er einen tatsächlich buchstäblich unglaublichen. Der Kraichgauer Kleinstadtverein Hoffenheim spielt in seiner zehnten Erstliga-Saison Champions League! Rang vier für Dortmund fühlt sich weniger an als jener für Michael Dingsbums beim ESC.

In Freiburg spielte Teil drei der Ode an die Freude. Erneut hielten die Breisgauer dort in jeder Hinsicht die Klasse – mit Sponsoren wie Schwarzwaldmilch und ohne ihre stärksten Spieler. Unnachahmlich antizyklisch unemotional sprach Christian Streich: "Mer ham's geschafft, fertig. Hätte mer's net geschafft, hätte mer am Donnerstag gegen Kiel gekickt."

Welches Spiel konnten Sie mit gutem Gewissen verpassen?

Bremen gegen Mainz. Schon schön, dass die Teams der netten Trainerdebütanten drinbleiben, aber ihr Duell interessierte keinen einzigen Unbeteiligten. 

Wer stand im Blickpunkt?

Stefan Kießling, der ab jetzt in der Bundesliga so häufig spielen wird wie seit 2010 für Jogi Löw. Nach 444 Pflichtspielen mit 162 Toren für Bayer Leverkusen beendet der schlaksige Normalo seine Karriere. "Ich bin überglücklich über das, was die Fans heute auf die Beine gestellt haben", brachte er nach dem Spiel gerade noch hervor. Ein einmaliger Abschied blieb Kießling dennoch versagt: In Minute 83 war er drauf und dran, mit seiner ersten Ballberührung einen Elfer zu versenken, der das 4:0 bedeutet und eventuell das 5:0 nach sich gezogen hätte, das wiederum gereicht hätte, um Dortmund zu kassieren. Aber wäre, wäre, Iranatomabkommen: Der Videoschiedsrichter kassierte den Foulelfmeter-Pfiff und Leverkusen sodann zwei späte Gegentore. "Das Märchen hätte man einfach mal zulassen müssen", sagte Trainer Heiko Herrlich, nur halb im Scherz, und recht hatte er. Obwohl der Elfer keiner war. Bleibt zu sagen: "Kieß", du Prachtkerl, genieß das Leben danach! Wir trösten uns mit Jungs wie Josip Brekalo, der Wirbelwind war Wolfsburgs Bester und an allen vier Toren gegen Köln beteiligt. Furchtlos und kreativ wie der Skateboardgott Tony Hawk – aber mit zarten 19 mehr als 30 Jahre jünger.