Wie ging es aus?

AS Rom – FC Liverpool 4:2

Was ist passiert?

Es fielen wieder und gar nicht überraschend, wenn man Jürgen Klopps Stil kennt, viele Tore. Im Hinspiel waren es sieben, im Rückspiel sechs. Insgesamt endete das Duell 7:6 (in Halbzeiten: 2:0, 3:2, 2:1, 0:3) für den FC Liverpool. Wer den Römern nach der 2:5-Niederlage noch Chancen eingeräumt hatte, durfte sich bestätigt sehen. Gegen die teilweise konfuse Abwehr Liverpools kamen sie immer wieder durch. Tore lagen fast stets in der Luft, die Römer merkten schon Mitte der zweiten Halbzeit, da stand es noch 2:2, dass man gegen Klopps Defensive auch drei in zehn Minuten schießen kann. Aber auch die Defensive der Italiener erwies sich, wie vor einer Woche, dem Tempo der Engländer als nicht gewachsen.

War es spannend?

Nein, 4:2 klingt so, den Römern fehlte bloß ein Tor zur Verlängerung. Und nach dem 4:2 pfiff der Schiri zwar das Spiel noch mal an, doch dann sofort ab. Man hätte gerne noch wenigstens einen Angriff gesehen. Der AS Rom war gerade im Begriff, die Hälfte der Gäste zu belagern. Dort wimmelte es vor Römern. Baba, der numidische Ausguck des Piratenschiffs bei Asterix, der kein R aussprechen kann, hätte gerufen: "Beim Jupite'! 'öme', 'öme', viele, viele 'öme'!"

Wie war das Niveau?

Krass bisweilen. Man muss sich nur mal die Tore vor Augen führen: Vor dem 0:1 passte der belgisch-indonesische Fußballer Radja Nainggolan den Ball Firmino, seinem Gegner, in die Füße. Beim 1:1 kickte Lovren seinem Mitspieler James Milner den Ball an den Schädel, von dort prallte er ins Netz – Eigentor. Das 1:2 legte Edin Džeko seinem Gegenspieler per Kopf auf. Beim 2:2 zielte er dann in die richtige Richtung, allerdings hatte Loris Karius den Ball bloß nach vorne abgewehrt. Nainggolans Fernschuss zum 3:2 wollte Karius erlaufen.

Auch sonst sah man Fehlpässe, bizarre Schussversuche, Tritte in die Luft, Schienbeinpässe, Abseitsorgien. Einen Freistoß jagte Lorenzo Pellegrini, ungelogen, zehn Meter drüber und zwanzig vorbei. Heiter wurde es, wenn sich manche Spieler an Hackentricks und anderen Extravaganzen versuchten.

Das alles erinnerte in manchen Szenen an Crap 90s Football (crap = Mist), einen Twitter-Account, dem Sie unbedingt folgen sollten, weil er sich mit alten Videos, Gifs und Fotos in einer angemessenen Mischung aus Nostalgie und Häme über die Unzulänglichkeiten der Fußballer aus dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts lustig macht. Das Material ist betitelt mit Slogans wie "own goal megamix" und zeigt Männer aus Bournemouth oder Halifax, die offenbar nur ein Gelenk haben.

Das Halbfinale zwischen Bayern und Real hatte, bei allem Spektakel, schon nicht das übliche hohe Niveau, auch da gab es einige Was-macht-denn-der-da-Momente. Das Duell zwischen Rom und Liverpool setzte noch einen drauf, dass man sich fragte: Ist das noch Champions League oder schon Stoke City gegen West Bromwich Albion? Das ist schwer zu erklären, wenn man mal überlegt, welch hohe Qualität viele Viertel- und Halbfinals der letzten Jahre hatten, etwa das zwischen Bayern und Atlético Madrid 2016.

Klopp sagte nach dem Spiel, es sei das schlechteste Spiel Liverpools dieser Champions-League-Saison gewesen. In der zweiten Halbzeit griffen die Reds gar nicht mehr an, von Mo Salah war diesmal wenig zu sehen. Zudem hat Liverpool gegen den Tabellendritten Italiens in zwei Spielen sechs Gegentore gefangen.

Wie war der Schiri?

Rom hätte den Handelfmeter früher bekommen müssen, nicht erst in der 93. Minute. Es gab noch eine Szene, die zu einem Elfer für Rom hätte führen können, doch Džeko wurde fälschlicherweise der Abseitsstellung bezichtigt. Ohnehin machen auch die Schiris zurzeit einige Fehler. Am Vortag hätte Bayern ja wenigstens für das Handspiel Marcelos einen Elfer kriegen können. Schon im Viertelfinale trafen die Schiris ungewöhnlich viele Fehlentscheidungen.

Ist das alles ärgerlich für die Bayern?

Allerdings, und zwar enorm. Sie hinterließen von allen vier Halbfinalisten noch den stärksten Eindruck, auch wenn sie als Einzige kein Spiel gewannen. Gegen Liverpool hätten die Chancen für sie nicht schlecht gestanden. Es hätte ein Wiedersehen mit Klopp gegeben, den sie 2013 in Wembley besiegten, auch für seine damaligen Spieler Hummels und Lewandowski.

Am 26. Mai kommt es in Kiew zum Finale FC Liverpool gegen Real Madrid. Jürgen Klopp trifft auf Zinédine Zidane, da prallen nun wirklich zwei Welten aufeinander. Vor dem Spiel gegen Rom hatten noch viele Liverpool im Endspiel favorisiert. Nach dieser Darbietung muss man sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Alten Herren von Real den Henkelmann am Ende wieder hochhalten, mindestens bei 50/50 liegt.