Wie ging es aus?

DFB-Pokalfinale: FC Bayern – Eintracht Frankfurt 1:3 (0:1)

0:1 Rebić (11. Minute)

1:1 Lewandowski (53.)

1:2 Rebić (82.)

1:3 Gaćinović (90.+6)

Was war das für ein Spiel?

Ein ganz besonderes. Was man vor allem daran erkennen konnte, dass nach dem Spiel die Rodgau Monotones über die Lautsprecher des Olympiastadions schallten. "Erbarme, die Hesse komme", sangen die Spieler der Eintracht vor ihren Fans mit dem Pokal in der Hand, und man konnte kaum sagen, wer mehr staunte. Die Spieler? Die Fans? Der Pokal selbst, in den ein paar Minuten zuvor ganz frisch "Eintracht Frankfurt" eingraviert wurde? Aber es ist so: Die Eintracht gewinnt das DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern. Und da es im deutschen Fußball nicht mehr allzu häufig vorkommt, dass sich nach einem wichtigen Spiel nicht die Bayern freuen, ist es nicht übertrieben zu sagen: Das war eine Sensation.

Wie konnte das passieren?

So wie ein Außenseiter eben gegen große Favoriten gewinnt. Mit viel Einsatz, Geschick und ein wenig Glück. Schon nach zehn Minuten klaute Rebić dem bayerischen Kolumbianer James den Ball, machte sich nach einem zarten Pass von Kevin-Prince Boateng auf den Weg Richtung Tor und traf zum 1:0. Fortan versuchte der FC Bayern viel, vergab aber noch mehr Chancen. Nach dem Ausgleich nach einer knappen Stunde durch Lewandowski dachten alle, nun sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Münchner sich hier den insgesamt 6.589. DFB-Pokaltitel sichern würden.

Dann aber kam Rebić noch einmal, lief Mats Hummels davon und machte das 2:1. Zwei Treffer gegen den FC Bayern, Ante Rebić kann sich schon mal ein Häuschen in München suchen. Der Favorit versuchte noch einmal alles, hatte aber an diesem Tag den Bayerndusel in der Kabine vergessen (zweimal Latte, 22:8 Torschüsse). In der Nachspielzeit stellte Gaćinović mit einem dieser köstlichen Empty-Net-Goals dann auf 3:1. Das Spiel wurde gar nicht mehr angepfiffen.

Was war in der Nachspielzeit los?

Große Aufregung gab es noch einmal in der 94. Minute. Der Schiedsrichter Felix Zwayer schritt zu seinem Bildschirm am Spielfeldrand, Videobeweis! Zuvor hatte Boateng Martínez im Strafraum am Fuß getroffen, Zwayer ließ weiterlaufen. Der Schiedsrichter schaute sich die Szene ein paar Mal an, mit diesem Urteil beim Stand von 2:1 würde er wohl das Spiel entscheiden. Dass die Bayern das Spiel in der Verlängerung noch einmal aus der Hand geben würden, dachte wohl kaum jemand. Doch Zwayer blieb bei seiner Interpretation der Szene. Kein Elfmeter. Zum Entsetzen der Münchner.

War die Entscheidung richtig?

Nun ja, den Tritt gegen Martínez’ Fuß kann man sicher pfeifen. Selbst Frankfurts Trainer Niko Kovač und der Übeltäter Boateng sagten nach dem Spiel, dass es ein Elfmeter war. Allerdings fällt Martínez auch sehr ausdrucksstark. Es war wohl eher ein Elfer als keiner, aber aus Zwayers Sicht war er wohl nicht so klar, dass er seine ursprüngliche Entscheidung hätte zwingend revidieren müssen. Und das kann man durchaus so sehen.

Was war der schönste Satz des Abends?

"Alle haben gesagt, dass wir aus dem Stadion geschossen werden. Aber wir haben Herz gezeigt und die Bayern aus dem Stadion geschossen." Gesagt hat ihn Kevin-Prince Boateng, nicht der einzige Prince, der an diesem Tag im Mittelpunkt stand. KPB holte den Pokal nun in seiner Heimatstadt. Da wurde in den Handyläden im (Royal) Wedding sicher die Nacht zum Tag gemacht. Das Schönste an diesem Sieg war, dass man sehen konnte, wie man sich über so einen Titel freuen kann. Die Bayern nehmen ihre Erfolge ja fast nur noch zur Kenntnis. Was kein Vorwurf ist, Gewöhnung ist eben Gewöhnung. Wenn dann aber mal jemand anderes dran ist, geht es rund, inklusive Fans, die nach einem Tor in der Nachspielzeit freudetrunken aufs Spielfeld rennen. Unter Sicherheitsaspekten ein Albtraum, fußballromantisch aber geht es kaum rührender.



Was machte der FC Bayern?

Traurig sein, und auch ein wenig unfair. Nachdem sie sich ihre Silbermedaillen abgeholt hatten, schlichen die Münchner sofort in die Kabine. So was macht man eigentlich nicht. Für gewöhnlich bleibt der Unterlegene noch kurz auf dem Platz und applaudiert dem Sieger bei der Pokalübergabe. Das ist bei jedem Jugendturnier so, das sollte auch nach dem DFB-Pokalfinale so sein. Einzig Manuel Neuer, der während des Spiels erstmals wieder auf der Ersatzbank saß, stand zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Platz und klatschte höflich. Als Jupp Heynckes später auf die Unsportlichkeit angesprochen wurde, sagte er, dass er und sein Team in diesem Moment nicht daran gedacht hatten, und gratulierte nachträglich.

War es wirklich Jupp Heynckes' letztes Spiel?

Am vergangenen Samstag überreichten die Bayernspieler ihrem Trainer eine Collage mit persönlichen Widmungen. Thomas Müller schrieb: "Danke Trainer … wir sehen uns im Oktober!" Eine kleine Anspielung darauf, dass Heynckes im Herbst ja sicher wieder aushelfen muss. Doch so wird es wohl eher nicht kommen. Heynckes will sich fortan nur noch um seine rheinische Finca samt Schäferhund kümmern. Doch sein letztes Spiel hat er sich sicher anders vorgestellt. Am Ende blieb von den erneuten Tripleträumen nur noch ein Simple. Und während die Bayern gegen Real Madrid noch mit erhobenen Köpfen vom Platz gehen konnten, könnte es gut sein, dass diese Finalniederlage doch ein wenig an der Heynckes-Hinterlassenschaft kratzt. Nun, Cando ist es wurscht.

Und Niko Kovač?

Der Bald-Bayerntrainer weinte nach dem Spiel. Er scheint zu ahnen, dass er so eine feurige Truppe samt wahnsinniger Fans so schnell nicht wieder trainieren wird.

Es müsste mehr solcher Spiele geben, oder?

Neben den Bayern- werden auch die Stuttgartfans das verneinen. Ihr VfB nämlich hätte sich bei einer Niederlage der Frankfurter für die Europa League qualifiziert, nun aber ist die Eintracht dabei.


Aber: Ja, mehr von diesen Spielen bitte. Über die 34 Partien einer Saison sind die Bayern zu gut, möglicherweise auf Jahre enteilt. In einem Spiel aber, in einem Finale wie diesem, bei Westwind und dem Mond im Zenit, dann sind auch sie schlagbar, und prompt ist deutscher Fußball wieder unterhaltsam. Das Fußballland braucht mehr Finals!

Und sonst noch?

Man muss ja nicht alles politisieren, aber: Dass mit der Frankfurter Eintracht eine echte Vielnationenmannschaft den DFB-Pokal gewinnt und es die Mannschaft ist, deren Präsident sich als Einziger mit der AfD anlegt, darüber kann man sich in Zeiten, in denen im Bundestag schlimmste Reden gehalten werden, gar nicht genug freuen.