Dieser Samstag könnte ein ganz besonderer Tag sein. Es ist der letzte Bundesliga-Spieltag, und Fußballfans, die schon ein bisschen länger leben, verbinden damit wunderbare, bisweilen auch schreckliche, in jedem Fall prägnante Erinnerungen. Etwa an den Last-Minute-Sieg der Bayern in Hamburg 2001. Oder den Leverkusener Sturz in Unterhaching im Jahr zuvor. Oder an 1992, als Guido Buchwald in der 86. Minute den VfB Stuttgart von Rang 3 auf 1 köpfte.

Dieser Samstag wird kein besonderer, denn dass am letzten Spieltag geklärt wird, wer Meister wird, gab es in Deutschland zuletzt 2010. Theoretisch zumindest, damals hätte Schalke die Bayern nur noch abfangen können, wenn sie 20 Tore geschossen hätten. Praktisch war es ein Jahr zuvor der Fall, als zum Saisonabschluss noch drei Vereine im Rennen waren. Wolfsburg setzte sich vor Bayern und Stuttgart durch.

Diese Zeiten sind vorbei. Jetzt ist Bayern Meister, zum sechsten Mal in Serie, zum sechsten Mal in Serie mit mindestens zehn Punkten Vorsprung. Die wichtigste Sache im deutschen Fußball wurde auch dieses Jahr nicht mehr im schönen Mai entschieden, sondern Anfang April.

Wer Deutscher Meister wird, fragt man nicht mehr, es geht nur noch um das Wann. Und wenn nicht alles täuscht, wird sich daran auch so schnell nichts ändern. Die Zuschauer stürmen zwar noch immer in die Stadien, doch die Bundesliga verliert seit Jahren an Attraktivität. Kein Zufall, dass das Fußballvolk in dieser Saison mehr über den Videobeweis und die Montagsspiele als über das Spiel selbst diskutierte. Es mag nostalgisch klingen, doch die Bundesliga ist nicht mehr das, was sie mal war.

Die Bayern dominieren den deutschen Fußball seit fast einem halben Jahrhundert, doch noch nie so wie zurzeit. In den Achtziger- und Neunzigerjahren wurden sie "nur" etwa alle zwei Jahre Meister. Da landeten Dortmund, Bremen oder der HSV mal vorne, zwischendurch Stuttgart, Kaiserslautern, später auch Wolfsburg. Zwischen 1991 und 1996 errangen die Bayern sogar nur einen von sechs möglichen Meistertiteln. 1992 wurden sie Zehnter.

Kein zweites Spitzenteam in Sicht

Die aktuellen Zahlen hingegen: 25, 19, 10, 10, 15. Das sind die Punktevorsprünge des FC Bayern bei den Meisterschaften 2013 bis 2017. Im Schnitt also etwa 16. In England verteidigte zuletzt 2009 ein Team seinen Titel (Manchester United). In Spanien durchbrach immerhin Atlético Madrid vor vier Jahren das Duopol von Barca und Real. In Deutschland hat der FC Bayern ein Monopol. 2015 wurde er Meister, obwohl sich mehr als die halbe Mannschaft verletzt hatte.

Die Herrschaft der Bayern hat zwei Gründe. Der erste ist die Konkurrenz, sie schläft oder duckt sich. Ihr mangelt es an sportlichen Ideen, und wenn sie welche hat, sind es keine besonders guten. Zu wenige Führungskräfte mit Mut oder Visionen, zu wenige Trainer mit sowohl Klasse als auch Erfahrung – der deutsche Vereinsfußball steckt im Mittelmaß. Wer es nicht glaubt, schaue Europapokal. Uli Hoeneß und Philipp Lahm sagen es: Die anderen Bundesligisten machen zu viele Fehler. Sie sagten es geradezu sehnsüchtig, weil sie sich wieder einen Gegner wünschen, der sie zu Bestleistungen animiert. Wie Jürgen Klopps Dortmund.

So hat auch in dieser Saison kein Verein angedeutet, dass er sich zur Spitzenkraft entwickeln wird. Leverkusen hat ein paar interessante Fußballer, aber eben auch nur ein paar. Leipzig stößt mit seinem radikalen Pressingstil an Grenzen, Hoffenheim ist zu klein. Schalke verliert erneut einige seiner besten Spieler, etwa Leon Goretzka an die Bayern. Die beste Chance, ein Bayern-Rivale zu werden, hat noch immer Dortmund. Dann müsste aber Hans-Joachim Watzke in seiner Trainerlotterie mal wieder einen Treffer ziehen.