Einen Monat vor dem ersten Gruppenspiel bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland hat Bundestrainer Joachim Löw seinen vorläufigen Kader für das Turnier bekannt gegeben. Als Überraschung gilt die Nominierung des Freiburger Angreifers Nils Petersen, der bislang noch kein Länderspiel für die A-Auswahl bestritten hat. Der 29-Jährige überzeugte den Bundestrainer aber durch seine 15 Saisontore. Damit sicherte er den Klassenerhalt seines Vereins und wurde zweitbester Torschütze der Bundesliga-Saison.

Letzte Chance: Nachnominierung

Zwei Namen fehlen auf der Liste: die der beiden Stürmer Mario Götze (Borussia Dortmund) und Sandro Wagner (FC Bayern München). Besonders im Fall von Götze ist die Entscheidung brisant. Im WM-Finale 2014 hatte er noch das Siegtor gegen Argentinien geschossen. Für die aktuelle Kaderplanung war seine Leistung aber nicht mehr konstant genug.

Götze wird damit definitiv nicht mit nach Russland reisen – es sei denn, Löw wird zu einer Nachnominierung gezwungen. Laut Reglement der Fifa ist das möglich, wenn sich ein anderer Spieler "ernsthaft verletzt". Der neue Mann muss dann aber bis zu 24 Stunden vor dem Anpfiff des ersten Spiels an den Verband übermittelt sein, im deutschen Fall also bis zum 16. Juni, 17 Uhr (MESZ). Zudem muss das medizinische Komitee der Fifa der Rochade zustimmen; der neue Spieler muss nicht aus dem vorläufigen Kader stammen.

Wie fit ist Neuer wirklich?

Insgesamt nominierte der Bundestrainer 27 Nationalspieler für die finalen Vorbereitungen, darunter auch Manuel Neuer. Der Kapitän und bislang unangefochtene Nationaltorwart hat aufgrund einer Fußverletzung seit neun Monaten kein Spiel mehr bestritten. Seine WM-Tauglichkeit wird er nun im Trainingslager in Südtirol beweisen müssen – im direkten Vergleich zu seinen ebenfalls nominierten Konkurrenten Marc-André ter Stegen (FC Barcelona), Kevin Trapp (Paris Saint-Germain) und Bernd Leno (Bayer 04 Leverkusen).

Letztendlich darf Löw nur drei Keeper mit zum Turnier nehmen. Die endgültige Entscheidung darüber, wer als Nummer eins im Tor stehen soll, vertagt er damit auf den 4. Juni, wenn er der Fifa seine endgültige Auswahl mitteilen muss. Dann reduziert er seinen Kader auf 23 Spieler – und nur noch drei Torwarte.

Titelverteidiger Deutschland startet am 17. Juni im Moskauer Luschniki-Stadion gegen Mexiko in die WM. Weitere Gruppengegner sind Schweden und Südkorea. Davor absolviert die Mannschaft noch Testspiele gegen Österreich in Klagenfurt (2. Juni) und gegen Saudi-Arabien in Leverkusen (8. Juni). Als Turnierquartier wählte die DFB-Spitze ein Hotel in Watutinki südwestlich von Moskau.