Unter den Rennbahnbesuchern sind mehr lächelnde Gesichter zu sehen. Einige junge Familien haben auf dem Rasen vor dem Geläuf ihre Picknickdecken ausgebreitet. Knapp 4.000 Zuschauer sind auf die Rennbahn gekommen. In der Saison 2017 besuchten insgesamt rund 50.000 Menschen die Rennbahn Hoppegarten. Ähnlich wie in München blicken die Verantwortlichen in der Hauptstadt auch in Sachen Wettumsatz positiv in die Zukunft. Allerdings hängt immer noch sehr viel von den privaten Investitionen von Schöningh ab. "Berlin ist ein schönes Beispiel, wo Privatpersonen die Anlage zu ihrem Wohnzimmer gemacht haben. Das ist für den Sport schön, aber das ist keine gesunde Entwicklung", sagt der DVR-Geschäftsführer Vogel.

Zu viel finanzielle Abhängigkeit von Einzelpersonen kann gefährlich sein, das lässt sich in anderen Sportarten gut beobachten. Was der deutsche Galopprennsport braucht, sind langfristige Strategien, um dem negativen Trend entgegenzuwirken. Der Münchner Rennverein und in Teilen auch Berlin zeigen bereits, wie das gehen könnte.

Beide Standorte vermieten ihr riesiges Rennbahngelände für andere Veranstaltungen. Auf der Rennbahn Hoppegarten wurde 2017 erstmals das zweitägige Musikfestival Lollapalooza mit jeweils 85.000 Besuchern ausgetragen. In München galoppieren seit einigen Jahren ebenfalls nicht nur Rennpferde über das Geläuf. Es gibt Firmenveranstaltungen, Musikfestivals und "alles, was irgendwie Spaß machen könnte oder uns Geld bringt", sagt Lappe. Drei bis fünf zusätzliche Großveranstaltungen plant er für 2018 auf dem 96 Hektar großen Gelände, dazu 30 bis 40 kleinere. "Überlebenswichtig" nennt Lappe dieses neue Geschäftsfeld. Ohne die Veranstaltungen könne der Rennsport nicht aufrechterhalten werden.

Hüpfburgen und Ponyreiten

Neben der Finanzspritze freuen sich die Rennvereine auch über den Werbeeffekt. "Die Leute müssen das Areal kennenlernen und diesen Wohlfühlcharakter erleben", erklärt Vogel. "Das ist eine viel bessere Werbung als über ein Plakat oder im Rundfunk." Vor allem junge Leute lassen sich so auf den Galopprennsport aufmerksam machen und auf die Rennbahn locken. Dort wird mit Hüpfburgen, Ponyreiten und weiteren Aktionen der Eventcharakter der Renntage vor allem für Familien gestärkt. In München scheint dieses Konzept aufzugehen.

"Wir haben wieder sehr viel mehr junge Leute auf der Bahn", sagt Lappe. Darin sieht er einen wichtigen Grund für die Aufwärtstendenz in seinen Bilanzbüchern – und eine Chance für die Zukunft des Galopprennsports. "Wir dürfen nicht nur an den schicken Ferrari-Fahrer denken, sondern müssen uns an der breiten Masse orientieren. Dann werden wir weiterwachsen."

"Wir sind weg von dem Wettpublikum, dem Zockermilieu auf der Rennbahn", sagt auch der DRV-Geschäfstführer Vogel. "Es sind Freizeitveranstaltungen für Familien. Eine schöne Entwicklung." Bis zur Bewältigung der Krise ist es allerdings noch ein langer und schwieriger Weg. Medial findet der Galopprennsport wenig bis gar nicht statt. Unter anderem deshalb wurde 2016 die Champions League ins Leben gerufen. Die Rennserie mit dem markanten Namen sollte Interesse wecken.

"Ein Pferd zum Star aufbauen"

Nach zwei Jahren fällt die Bilanz jedoch durchwachsen aus. Der Name ist zwar schön und gut, den Bekanntheitsgrad des Galopprennsports und die mediale Aufmerksamkeit konnte die Rennserie allerdings nur bedingt vergrößern. "Wenn Jupp Heynckes Schnupfen hat, dann ist das drei Seiten in der Süddeutschen Zeitung wert. Wenn wir die Champions League haben, dann sind wir im regionalen Sport nur eine kleine Schlagzeile", bringt Lappe die derzeitige Lage auf den Punkt.

Was also tun? "Man muss es nur ordentlich vermarkten und weiter promoten", sagt Werner Gerhold. Der 59-Jährige ist Teil der Besitzergemeinschaft Stall Mulligan, zu dem auch Iquitos gehört. "Macht doch aus so einem Pferd mal einen richtigen Star", schlägt er vor. "Wir haben super Pferde, aber das wissen nur die Insider."

"Einer unserer Wege muss es sein, ein Pferd zu finden, das wir zum Star aufbauen können", sagt auch Jan Antony Vogel. So eine Heldengeschichte würde sich gut in den Medien verkaufen, ist im Galopprennsport jedoch schwer umzusetzen. Zum einen sind die Pferde nicht jede Woche auf den Rennbahnen der Nation unterwegs und damit nicht so präsent wie die Stars in anderen Sportarten. Außerdem sind die meisten Vollblüter – selbst die Besten – nur wenige Jahre aktiv, bevor sie in die Zucht gehen. Noch bevor sie sich als Stars etablieren können, verschwinden sie von der Bildfläche.

Bei Iquitos ist das ähnlich. Für den fünfjährigen Hengst steht nach der Rennsaison 2018 voraussichtlich der Gang in die Zucht an. Dann kann er es sich auf den Weiden eines Gestüts gemütlich machen, während der Galopprennsport weiter gegen die Krise ankämpft. Manche werden ihn dafür beneiden.