Die russische Regierung hat das Einreiseverbot für den ARD-Journalisten Hajo Seppelt zur Fußball-Weltmeisterschaft aufgehoben. Das teilte Außenminister Heiko Maas auf Twitter mit und bestätigte damit einen Bericht des Stern. Der SPD-Politiker nannte es einen "Zwischenerfolg", dass die "russische Seite uns soeben mitgeteilt hat, dass Hajo Seppelt zumindest zur WM einreisen kann".

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes ergänzte, die Angelegenheit noch einmal genau zu überprüfen. "Wir haben uns entschieden, das jetzt nochmal genau zu verifizieren", sagte sie. Es müsse unter anderem geschaut werden, "wie dieses Visum denn dann gestaltet wäre und welche genaue Ausgestaltung die Lösung dieses Vorgangs hat".

Am vergangenen Freitag war bekanntgeworden, dass Seppelt auf einer Liste der in Russland "unerwünschten Personen" steht und deshalb nicht befugt ist, in die Russische Föderation einzureisen. Nähere Angaben zu den Hintergründen machte die Regierung in Moskau dazu nicht. "Wir halten diese Maßnahme der russischen Behörden für falsch", hatte die Bundesregierung durch ihren Sprecher Steffen Seibert kritisiert. "Wir sind der Überzeugung, es stünde Russland als Gastgeber schlecht an, wenn es so offensichtlich die Presse- und Meinungsfreiheit vor den Augen der Welt beschnitte."

Staatsdoping in Russland aufgedeckt

Der 55-Jährige ist für seine Arbeit mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden. Mit seinen Dokumentationen hatte er maßgeblich zur Aufdeckung des staatlichen Dopingssystems in Russland beigetragen. Zuletzt sorgte er vor den Olympischen Winterspielen in Südkorea im Februar mit Beiträgen über die Manipulationsmöglichkeiten an Dopingprobenbehältern für Aufsehen.

Seppelt wurde vielfach ausgezeichnet. 2016 etwa erhielt er den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis, dessen Jury ihm bescheinigte, "Licht ins Dunkel mächtiger internationaler Dopingnetzwerke" zu bringen und "heftigen Widerstand von internationalen Sportorganisationen, Funktionären und Verkäufern glitzernder Großereignisse" zu provozieren. Für seine Sendungen Geheimsache Doping. Im Schattenreich der Leichtathletik und Wie Russland seine Sieger macht (beide ARD) bekam er den Deutschen Fernsehpreis (Kategorie Sportsendung). 

Sollte der Journalist tatsächlich nach Russland einreisen, will ihn die dortige Justiz vernehmen. Dies kündigte das Staatliche Ermittlungskomitee in Moskau an. "Sollte Seppelt jetzt das Gebiet der Russischen Föderation betreten, wird das Staatliche Ermittlungskomitee erneut Mittel ergreifen, um ihn zu befragen", sagte Sprecherin Swetlana Petrenko der Agentur Interfax zufolge. Hintergrund sind demnach die Ermittlungen gegen den früheren Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, Grigori Rodschenkow, der einst in der New York Times über die Praktiken im russischen Sport berichtet hatte und auch Seppelt als wichtiger Zeuge diente.