Abgestiegen sind an diesem Samstag mit dem HSV nicht nur Christian Titz an der Seitenlinie und Lewis Holtby und Aaron Hunt im Trikot. Abgestiegen sind auch Markus Gisdol und Bernd Hollerbach, Jens Todt und Heribert Bruchhagen, Peter Knäbel und Dietmar Beiersdorfer, Karl Gernandt, Alexander Otto, Ernst-Otto Rieckhoff oder Carl-Edgar Jarchow.

Sie alle sind längst nicht mehr beim HSV aktiv und dennoch mitverantwortlich dafür, dass der Traditionsverein und ehemalige Europapokalsieger erstmals in die Zweite Liga muss. Das einzige Gründungsmitglied der Bundesliga, das nie abstieg, steigt endlich ab. Verdient ist gar kein Ausdruck.

Der HSV hat den deutschen Fußball in den vergangenen Jahren amüsiert mit Rucksackaffären, misslungenen Sportdirektorencastings, geschwätzigen Aufsichtsräten, Ernst-Happel-Romantik, Europapokalfantastereien und Trainerinflationen. Der HSV steigt ab wegen jahrelanger Führungsschwäche. Über den Fußballverstand der hanseatischen Kaufleute im HSV-Board schmunzelte die Szene, nicht nur über den Klaus-Michael Kühnes. Der Investor lachte sogar über sich selbst.

Man muss sich vor Augen führen, wer da absteigt: Hamburg hat einen enormen Standortvorteil, viele Fans, viel Geld, viel Wasser. Doch statt mit den Bayern zu konkurrieren, taumelte der HSV zuletzt immer wieder an den Abgrund. Um in letzter Minute davonzukommen. 2014 rettete er sich dank zweier Unentschieden gegen die Zweitligatruppe aus Fürth. 2015 half ihm ein glückhafter Freistoß in Karlsruhe in letzter Minute, 2017 ein unverhofftes Tor kurz vor Schluss gegen Wolfsburg.

Warum gerade jetzt?

Stets spielten die Hamburger fast die ganze Saison schlimm und feierten am Ende dennoch. Damit zogen sie sich die Häme und Missgunst der anderen Fans und Vereine zu, die sich nun freuen und allenfalls fragen: Warum erst jetzt?

Angesichts der jüngsten Leistungen des HSV kann man aber kurioserweise auch fragen: Warum gerade jetzt? Die Mannschaft präsentierte sich in den vergangenen Wochen gut wie lange nicht, besiegte Schalke, Freiburg und Wolfsburg. Der HSV war eins der wenigen Teams in der Bundesliga, dessen Idee eine offensive war. "Wir spielen das erste Mal seit vier Jahren Fußball", sagt Lewis Holtby.