Was soll man vom FC Liverpool halten? Im Hinspiel stürmte er über die Abwehr der Römer. Im Rückspiel hätte er beinahe den 5:2-Vorsprung, der zwischendurch sogar ein 5:0-Vorsprung war, verspielt. Im einen Moment begeistert einen die Rasanz dieser Elf, im nächsten misslingen ihr einfache Dinge.

Der deutsche Fan erinnert sich, es ist der Fußball Jürgen Klopps. Auch seine Dortmunder Mannschaft spielte oft fehlerhaft, konnte aber mit Rabaukenfußball alle überrumpeln. Selbst die Bayern, Klopp war der Letzte, der sie in Deutschland hinter sich ließ, der ein Tief von ihnen ausnutzte. Als die sich davon erholten, hatte der BVB in der Tabelle gegen sie keine Chance mehr, aber immerhin noch in einzelnen Duellen.

Auch diese Fähigkeit, sich in großen Spielen zu steigern und sie eskalieren zu lassen, hat er auf Liverpool übertragen. So fegte er im April den Favoriten Pep Guardiola aus der Champions League, obwohl Liverpool in der Liga mehr als zwanzig Punkte hinter Manchester City liegt. Klopps emotionalem Stil kommt der K.-o.-Modus, bei dem am Ende einer am Boden liegen muss, entgegen. 

Sein Fußball, der in der zweiten Halbzeit fast erschreckende Auftritt in Rom belegt es, wird wohl nie die Präzision anderer Meistertrainer erreichen, weswegen mit Gegentoren immer zu rechnen ist. Wahr ist auch, dass es lange nicht mehr so einfach war, die Champions League zu gewinnen wie in dieser Saison, vielleicht zuletzt 2013. Auch damals erreichte Klopp das Finale. 

Siegt er diesmal, holt er seinen ersten ganz großen Titel. Die Chance ist nicht schlecht, denn die Elf von Real Madrid hat an Kraft verloren. Und in einem Punkt war der unberechenbare Klopp meist berechenbar: Wenn die anderen schwächeln, ist er da.