Die Nationalspieler İlkay Gündoğan und Mesut Özil lichten sich mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan in London ab und die Gemüter in Deutschland erregen sich. "Wahlkampfhilfe für Erdoğan", "Treffen mit dem Despoten" oder "fördert die Integration nicht", sind noch die gemäßigten Reaktionen aus Politik und Sport. Wer Türkisch spricht, kann auf dem Trikot, das Gündoğan Erdoğan präsentiert, folgenden Text lesen: "Mit Respekt an meinen Präsidenten".

Das ist vielleicht der Grund, warum Cem Özdemir empört feststellt, dass der Name des Präsidenten eines deutschen Nationalspielers Frank-Walter Steinmeier heißt. Gündoğans Satz wirft die Frage auf, was Integration ist. Was meint eigentlich die Mehrheitsgesellschaft, wenn sie von gelungener Integration spricht? Sind Gündoğan und Özil nicht integriert, wenn sie einen "ausländischen" Staatspräsidenten treffen?

Integration lässt sich nach dem bekannten Soziologen Hartmut Esser in vier Teile gliedern und erweist sich als langwieriger und komplexer Prozess:

  • kulturelle Integration (soziale Werte und Sprache)
  • strukturelle Integration (Arbeitsmarktintegration und Bildungsbeteiligung)
  • soziale Integration (soziale Beziehungen)
  • emotionale Integration (Identifikation der Individuen)

Grundlegend für eine erfolgreiche Integration und Berufslaufbahn sind vor allem gute Sprachkompetenzen. Diese sind bei beiden Spielern mehr als ausgeprägt. Erwerbsarbeit ist zweifelsfrei eine der wichtigsten Dimensionen im Leben eines Menschen. Nur über einen Arbeitsplatz kann gewährleistet werden, dass ein Mensch über ökonomisches Kapital verfügt, das den materiellen Ausgangspunkt für Flexibilität und Selbstbestimmtheit darstellt. Ein Arbeitsplatz kann als Grundlage für Einkommen entsprechend auch als notwendigster Aspekt der Sozialintegration verstanden werden. Diesen Aspekt muss man bei den beiden Profis nicht diskutieren.

Die soziale Integration bezeichnet die sozialen Kontakte der Zuwanderer. Hier also im Vordergrund, inwieweit es zu einer sozialen Durchmischung kommt. Dabei interessiert insbesondere, ob Partnerschaften, Eheschließungen, Freundschaften und Netzwerke ausschließlich innerhalb der ethnischen oder religiösen Community oder auch interkulturell und interreligiös geschlossen werden.