Sobald Politiker auf Fußballer treffen, wird es gefährlich. Manchmal für den Politiker, manchmal für die Fußballer. Erst vor ein paar Tagen amüsierte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, weil er sich bei einem Empfang des FC Bayern ein geschenktes Trikot versehentlich falsch herum überzog. Mit der Nummer nach vorne, die Brustnummer war erfunden. Das schaffte sonst nur der Klassennerd, der bei Sporthemden auch fragte, wo er nun den Kopf durchstecken muss.

Nun sind Mesut Özil und İlkay Gündoğan dran. Sie haben sich dabei ablichten lassen, wie sie dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan ein Trikot überreichen. Gündoğan hatte sogar "Für meinen Präsidenten" mit Filzstift draufgeschrieben. Und nun ist die Aufregung groß.

Die Aktion der beiden deutschen Nationalspieler war nicht klug. Nicht nur, weil nun in Zeiten von Bäckerschlangen-Debatten wieder die AfD-Fankurve hervorkommt, die gerne mal gegen die multikulturelle Nationalmannschaft schießt. Die dabei allerdings verkennt, dass die Elf ein authentischeres und bei Weitem erfolgreicheres Abbild des Landes ist, als es die AfD-Fraktion im Bundestag je sein wird. Die nicht sehen will, dass Fußball integriert, ja, dass er sogar manchen Fremdenfeind ins Zweifeln bringen könnte, wenn er sich diese Torvorlage von Mesut Özil in Zeitlupe anschaut. Ganz abgesehen von dem Fakt, dass die Elf ohne die Spieler mit Migrationshintergrund nur halb so guten Fußball spielen würde.

Kein gewöhnlicher Staatspräsident

Die Fotos waren aber vor allem deshalb dumm, weil Erdoğan eben kein gewöhnlicher Staatspräsident auf Wahlkampftour ist. Erdoğan ist ein Autokrat, er baut einen autoritären Staat auf, er wirft Journalisten ins Gefängnis. Kaum vorstellbar, dass ein deutscher Nationalspieler davon noch nichts gehört hat. Was nur bedeuten kann, dass es ihnen egal ist oder sie Erdoğan sogar okay finden.

Ersteres würde bei Fußballern nicht überraschen, wobei man vom Abiturienten Gündoğan, der hier und da durchaus mit Reflexion aufgefallen ist, mehr erwarten würde. Und würden Özil und Gündoğan Erdoğan mögen, wären sie damit unter den in Deutschland lebenden türkischstämmigen Menschen nicht alleine.

Zu der ausgeprägten Erdoğan-Zuneigung hierzulande gibt es viele Theorien (Diskriminierung, Integrationsprobleme, immer noch hohe Identifikation mit dem Heimatland). Darüber darf man gerne streiten, sollte aber immer bedenken, dass Menschen mit Migrationshintergrund Fragen von Heimat und Zugehörigkeit viel ambivalenter beantworten, als es Thomas Müller tun würde. Özil und Gündoğan nun also aus der Nationalelf zu werfen, wie es einige Kommentatoren fordern, nur weil sie mit dem Präsidenten aus dem Land ihrer Väter posierten, wäre dann doch ein wenig übertrieben.

Bald geht es wieder ums Hymnensingen

Der DFB immerhin fand recht schnell ungewöhnlich deutliche Worte. "Der Fußball und der DFB stehen für Werte, die von Herrn Erdoğan nicht hinreichend beachtet werden", twitterte der Präsident Reinhard Grindel. Und weiter: "Deshalb ist es nicht gut, dass sich unsere Nationalspieler für seine Wahlkampfmanöver missbrauchen lassen. Der Integrationsarbeit des #DFB haben unsere beiden Spieler mit dieser Aktion sicher nicht geholfen."

Nun könnte man spitzfindig nachfragen, was das denn noch mal für Werte sind, für die der DFB steht? Die Werte etwa, die er bei der Fußballkooperation mit dem auch nicht gerade demokratischen Musterland China hochhält? Doch im Kern hat der Verband natürlich recht. Wenn es rund um die WM nicht wieder eine höchst überflüssige Patriotismusdiskussion geben soll, die sich um das Nichtmitsingen der deutschen Hymne und andere Banalitäten dreht, sollte sich möglichst kein deutscher Nationalspieler mit seinem Lieblingsdespoten mehr ablichten lassen.