Real Madrid muss sich überraschend einen neuen Trainer suchen: Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz sagte Zinédine Zidane: "Ich habe beschlossen, in der kommenden Saison nicht mehr bei Real Madrid weiterzumachen". Weiter sagte der Franzose: "Ich liebe diesen Verein", dennoch sei es an der Zeit für ihn, sein Engagement in Madrid zu beenden. Das Team brauche eine Veränderung, um weiter gewinnen zu können, sagte Zidane. "Es braucht eine neue Sprache, eine andere Methodik."

Weiter sagte Zidane, der Abschied sei vielleicht nicht für immer. Er werde dem Verein immer nahestehen. Doch jetzt, nach fast drei Jahren in Madrid, sei es die richtige Entscheidung. In der kommenden Saison werde er keinen anderen Verein trainieren, sagte der Franzose. "Ich sehe mich nicht nach einem anderen Team um."

Zidane sagte: "Es gab tolle Momente und wir haben mit einem großen Moment aufgehört – mit dem Gewinn der Champions League. Aber es gab auch schwierige Momente während der Saison." Mit Madrid musste er sich in der spanischen Liga klar Meister FC Barcelona geschlagen geben, Real wurde in der abgelaufenen Saison in La Liga nur Dritter. Bei einem der Gründe für seinen Rücktritt sagte er deutlich: "Ich habe nicht klar gesehen, dass wir weiter gewinnen werden." Mit seinen Spielern hat Zidane noch nicht persönlich gesprochen, "aber sie kennen die Entscheidung". Er werde auf jeden Fall schnell das Gespräch mit Kapitän Sergio Ramos suchen.

Real-Präsident Florentino Pérez sagte, er bedauere den Schritt Zidanes. Er hätte sich gewünscht, den Franzosen in Madrid zu halten. "Doch jene, die Zizou kennen, wissen, dass wir seine Entscheidung nicht ändern können." Zidane hatte in Madrid noch einen Vertrag bis 2020.

Der 45-jährige Franzose begann am 4. Januar 2016 als Trainer in Madrid . Seitdem führte er Real zu mehreren Titeln. Zuletzt gewannen die Spanier am vergangenen Samstag das Champions-League-Finale gegen den FC Liverpool. Es war das dritte Mal in Folge, dass Real diesen Titel holte.

Vor seinem Engagement bei Real betreute Zidane die B-Mannschaft der Madrilenen und lernte als Co-Trainer unter Carlo Ancelotti, ehe er befördert wurde. Als Trainer arbeitete er noch nie bei einem anderen Club. 2017 wurde er Fifa-Trainer des Jahres.

Unter Zidane war Real unberechenbar

In der Vergangenheit war Zidane oftmals vorgeworfen worden, dass er kein taktisches Konzept habe. Doch vielmehr ist es die Flexibilität und der Pragmatismus, den das Spiel unter ihm auszeichnet. Mal Pressing, mal Konterattacken, mal hohes Tempo, mal ruhiges Ballgeschiebe. Die Unberechenbarkeit machte Madrid so gefährlich und brachte unter der Führung von Zidane unter anderem den Gewinn der spanischen Meisterschaft 2017 sowie die Triumphe bei der Club-WM 2016 und 2017.

Als Spieler legte Zidane eine atemberaubende Karriere hin: Aufgewachsen im Arbeiterviertel von Marseille führte er Frankreich zum Welt- und Europameistertitel, wurde Weltfußballer und entwickelte sich im Trikot von Juventus Turin und Real zu einer Marke wie heute Ronaldo oder Lionel Messi. Seine aktive Laufbahn endete 2006. Noch bestens im Gedächtnis ist sein Kopfstoß im WM-Finale gegen Italien. Nach der Aktion gegen Marco Materazzi wurde er in Berlin des Platzes verwiesen, aber trotzdem zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt.