Hat Ronald eigentlich mitgespielt?

Ja, natürlich, er hat sogar Interviews gegeben. Ronaldo war aber verstimmt. "Es waren schöne Jahre bei Real", sagte er nach dem Abpfiff, als hätte er sein letztes Spiel hinter sich gebracht. Wird er gehen? Oder will er nur mehr geliebt werden? Vielleicht merkte Ronaldo auch bloß, dass ihm, der zum siebten Mal Torschützenkönig der Champions League wurde, im Finale nur eine kleine Nebenrolle geblieben war. Eine Szene muss ihn besonders geschmerzt haben: Bei einem Konter, Real lag in Führung, wurde er von Karim Benzema freigespielt, doch der 33-jährige Ronaldo verlor bei der Ballmitnahme zu viel Zeit und ließ sich am Schuss hindern. Vielleicht hätte es der 32-jährige Ronaldo noch besser gemacht. Von seinen Aussagen waren seine Mitspieler jedenfalls not amused. Sergio Ramos forderte eine Erklärung und maßregelte ihn, wenn auch, soweit man weiß, ohne Körperkontakt. Vielleicht wäre es für Real gar nicht so schlimm, wenn Ronaldo ginge (für eine sicher ganz ordentliche Transfersumme). Sein Vertrag läuft noch drei Jahre, aber die Zeit ist nicht mehr fern, da dürfte der alternde Weltstar zum Problem für Madrid werden. Denn Ronaldo ist keiner für die Ersatzbank.

Vielleicht tat ihm die schönste Szene des Spiels, das 2:1 durch Gareth Bale, am meisten weh. Fallrückzieher sind ohnehin meist ziemlich schwer. Dieser war es besonders, weil Marcelos Flanke scharf und hoch geschlagen war. Hat Bale mit diesem sensationellen Tor Ronaldo, der im Viertelfinale mit der gleichen Technik traf, ausgestochen? Es war Bales Endspiel, er wurde zum Man of the Match gewählt, obwohl er nur eingewechselt worden war. Er schoss auch das 3:1. Ein Torwartfehler, aber der Schuss hatte eine enorme Wucht. Und wie reagierte Bale? Er müsse sich mit seinem Berater absprechen, ob er in Madrid bleibe. Er wolle mehr spielen.

Sie sind halt Diven, diese Fußballer, selbst im Moment des Triumphs.

Wie geht es Loris Karius?

Nicht so. Er konnte nicht schlafen, schrieb er auf Instagram. Außerdem erhielt der Torwart Morddrohungen von Liverpool-Fans. Das ist natürlich traurig, die Polizei ermittelt sogar.

In Deutschland konnte man eine Debatte verfolgen, wie fürsorglich man mit Karius und seinen zwei peinlichen Fehlern umgehen müsse. Manche Leute stießen sich an Oliver Kahn und Lothar Matthäus. Kahn sagte, sowas könne die Karriere zerstören. Matthäus attestierte Karius die schlechteste Torwartleistung der vergangenen zwanzig, dreißig Jahre. Vielleicht nicht gerade die einfühlsamste Art, aber auch nicht ganz falsch. Man durfte längst und darf jetzt erst recht bezweifeln, ob Karius das Zeug hat, bei einem der bedeutendsten Vereine die Nummer 1 zu sein.

Als Gegenreaktion überschütteten manche User Karius mit Em- und Sympathie und holten, wie so oft, die Enke-Keule raus. Man dürfe nicht zu hart mit Karius ins Gericht gehen. Denkt an Robert Enke!, rufen sie selbstgewiss. Aus dessen Fall solle man lernen – ein Standardargument. Ja, was soll man denn eigentlich aus dem Fall Enke lernen? Er war krank, litt an Depressionen, verlor als junger Vater ein Kind. Zudem war Enke selten bösen Schlagzeilen ausgesetzt, war bei Fans und Journalisten recht beliebt, stand selten im Rampenlicht. Louis van Gaal mochte ihn nicht, aber sonst sind keine Probleme mit Trainern bekannt.

Was wollen diejenigen also sagen, die auch in der Community von ZEIT ONLINE immer wieder auf Enke hinweisen? Wo liegen die Parallelen zum aktuellen Fall? Und wer soll eigentlich, wie hier angedeutet wird, an Enkes Tod eine Mitverantwortung tragen?

Gab es einen deutschen Sieger?

Toni Kroos lenkte einmal mehr Reals Spielaufbau. Wenn auch keine Torgefahr durch ihn eingeleitet wurde, zählte er an diesem Tag zu den Besten, als der er zum vierten Mal die Champions League gewann. Vor vier Jahren noch in München, wo manche glaubten, Kroos' damalige Verletzung und die daraus folgende Pause hätten in den wichtigen Wochen den Titelgewinn zumindest nicht erschwert. Es bleibt der größte Fehler der jüngeren Geschichte des FC Bayern, Kroos verkauft zu haben – für nicht einmal 30 Millionen Euro.

Warum immer Spanien?

Zum fünften Mal nacheinander ist eine spanische Mannschaft die beste Europas – und damit praktisch der Welt. Auch die Europa League gewann ein spanischer Club: Atlético. In diesem Wettbewerb wurde die spanische Siegesserie nur durch Manchester United im Vorjahr unterbrochen. Die Sache ist klar: Im Verein erreicht der Fußball naturgemäß die höchste Qualität, nicht in der Nationalmannschaft. Daher ist Spanien die Nummer Eins der Fußballwelt. Nahezu alle Teams der ersten Liga setzen auf technisch starke Spieler und konzeptionell auf Ballbesitz. Spanien ist auch nicht nur Real und Barca: Immer wieder schaffen es andere Vereine, den beiden Konkurrenz zu machen. Real ist in der Liga übrigens nur Dritter. So gut sind die spanischen Teams, dass sogar zwei von ihnen besser sind als die beste Elf der Welt.

Der deutsche Fußball hat keine solch einheitlich ausgeprägte sportliche Identität, vor allem deswegen ist er schwächer. Nicht weil seine Vereine den Europapokal nicht ernst nähmen, wie manche behaupten (vermutlich, weil sie keine bessere Erklärung haben). Wenn Deutsche in etwas gut sind, dann doch im Ernst nehmen.

Dass England mit Liverpool zum ersten Mal seit 2012 wieder im Finale auftauchte, ist kein Zufall. In der Premier League kursiert das meiste Geld. Vermutlich wird es nicht mehr lange dauern, bis wieder ein englisches Team die Champions League gewinnt. Eine Handvoll Kandidaten gibt es ja.

Was machen eigentlich die Beatles?

Was war das Zitat des Wochenendes?

"Möge Allah es richten, Sergio Ramos!"

Die syrische Tageszeitung Al Watan