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Kroatien – Argentinien 3:0 (Highlights beim ZDF)

Dann beugten sie sich alle zu ihm herunter, einer nach dem anderen, und drückten und küssten ihn, und man hörte sie noch durch all den Stadionlärm zusammen kieksen vor Freude: Luka Modrić und die anderen zehn tollen Kroaten. 3:0 hatten sie gerade gewonnen. Gegen Argentinien. Was das für ein Sieg war! Und was für ein wunderbares Spiel.  

Man konnte sich als deutscher Zuschauer in den vergangenen Tagen ja leicht anstecken an der Behäbigkeit der deutschen Mannschaft im ersten Spiel. Sodass man die Weltmeisterschaft eher nebenbei und mäkelnd wegguckte, auf dass es bald vorbei sei. Wer immer aber dieses Spiel der Kroaten gegen die Argentinier gesehen hat, muss davon geheilt sein.

Drei, vier Minuten brauchten beide Mannschaften, dann ging es richtig los. Ivan Perišić dribbelte sich so schnell in den Strafraum, wie Julian Draxler gegen Mexiko nie war, und schoss aus spitzem Winkel drauf. Argentiniens Torwart Caballero hielt da noch. Was dann folgte, waren 90 weitere Minuten, die sich auf die knappe Fußballreporterfloskel von der "hohen Intensität" verkürzen ließen. Aber wir haben hier ja zum Glück mehr Platz.

Jedes Duell krachte

Man sah das beispielsweise an den Sprints. Es gab in diesem Spiel nämlich fast nur Sprints, zumindest bei den Kroaten. Bis in die Schlussphase raste Mittelstürmer Mario Mandžukić jedes einzelne Mal auf die armen argentinischen Innenverteidiger zu, wenn die doch nur mal in Ruhe den Ball nach vorne tragen wollten. Im zentralen Mittelfeld gewann Ivan Rakitić die meisten Zweikämpfe aller Spieler.

Überhaupt, die Zweikämpfe: Nie wich jemand aus. Fast jede Begegnung war ein Duell, das einen Sieger und einen Verlierer hervorbrachte. Oder ein Foul. Man muss das ja nicht teutonisch zum Kampfeswillen verklären oder die Härte gar als "Zeichen", das "gesetzt" werden muss, esoterisch beraunen. Aber man kann sich doch darüber freuen, dass da ein Spiel und die Spieler sich offenbar unbedingt und rückhaltlos ernst nehmen. Das sah ja in vielen der ersten WM-Spiele ganz anders aus.

Dass die Argentinier auch mitspielten, machte alles zumindest in der ersten Halbzeit nur noch besser. Die mussten ja auch unbedingt wollen, wegen ihres 1:1 im ersten Spiel gegen Island. Und so wogte das Spiel eine Zeit lang hin und her, mal mit dramatischen Strafraumszenen, mal mit ebenso dramatischen Duellen im Mittelfeld.

Dass Argentinien erst nicht mehr mithalten konnte und später ganz einbrach, lag dann sicher nicht nur an einem schwachen Messi. Aber ein guter Messi wäre schon nötig gewesen.

Wer wollte, konnte die Zeichen schon früh deuten: Auf dem Mannschaftsfoto stand der Star merkwürdig verdreht am Rand, mit missmutigem Blick, als betrachte er sein Team eher, als dass er ein Teil davon wäre. Während der Aufstellung zur Hymne massierte er sich merkwürdig die Stirn. Hatte Messi etwa Migräne? Er wird ja nun in drei Tagen auch schon 31. Oder aber er wusste schon da, dass die Kroaten alle Wege zu ihm über die nächsten 90 Minuten perfekt zustellen würden.