32 Mannschaften treten bei der Fußballweltmeisterschaft an. Für jede hat eine Redakteurin oder ein Autor von ZEIT ONLINE oder DIE ZEIT die Patenschaft übernommen. Unsere WM-Paten begleiten ihr Team durchs Turnier und schreiben persönliche Spielberichte.

Australien – Peru: 0:2

Das Spiel gegen Australien schien vor dem Anpfiff völlig unerheblich für Peru. Die erste WM-Teilnahme seit 1982 war leider schneller beendet als der erste Pisco geleert. Ziemlich blöd ausgeschieden, das muss die enttäuschte Teampatin zugeben, denn in den beiden ersten Spielen der Gruppe C war mehr drin: Gegen die Franzosen hatten die Peruaner mehrere hundertprozentige Chancen, gegen die Dänen auch, doch selbst einen Elfmeter haben die Blanquirrojas versemmelt. Nur Pech? Na ja.

Doch mit dem "unerheblich" ist das so eine Sache. Denn natürlich war das Spiel gegen die Australier una cuestión de honor, eine Frage der Ehre – auch wenn im Andenstaat selbst der Elfmeterversemmler Christian Cueva nicht um Leib und Leben fürchten muss wie unglückliche WM-Fußballer im Nachbarland Kolumbien. Trotzdem war die Erwartungshaltung bei den Fans zwischen Lima und Cusco groß. "Tenemos que ganar", sangen die Anhänger der peruanischen Mannschaft im Stadion zu Sotschi. "Wir müssen gewinnen."

Zumindest sollten die Peruaner nicht mit null Punkten und null Toren nach Hause fahren, gab sich die Teampatin in Berlin bescheiden – und musste nur 17 Minuten und 17 Sekunden warten, um zu jubeln: Yoshimar Yotún mit einem langen Pass auf die linke Seite zu Kapitän Paolo Guerrero, der gefühlvoll an die Strafraumgrenze flankt, wo André Carillo mit rechts aus halbrechter Position volley abzieht und zum 1:0 trifft. Wie schön, wie schön, wie schön!

Guerrero mit links und Krawumm

Und es kam noch schöner: Über links spielte sich Èdison Flores in der 49. Minute per Doppelpass bis zum Strafraumeck. Seinen Schuss konnten die Australier noch abblocken. Nicht aber den folgenden Versuch Guerreros, der den Ball aus der Drehung mit links und Krawumm neben dem rechten Pfosten einhämmerte.

Ausgerechnet Guerrero. Der 34-Jährige, von Trainer Ricardo Gareca zwischenzeitlich aussortiert, dann reaktiviert, hätte fast nicht mit zur WM fahren dürfen, weil er sich eine Dopingsperre eingehandelt hatte. Die Kontrolleure, die doch sonst nix finden, testeten Guerrero positiv auf Benzoylecgonin. Also echt. Ja, diese Substanz ist in Kokain enthalten, aber auch im Kokatee, den Peruanerinnen und Peruaner weltweit fast so gern trinken wie den einzig wahren und echten Pisco.

Und dieser Guerrero hat das 2:0 erzielt. Ist mit 36 Toren jetzt Rekordtorschütze der peruanischen Nationalmannschaft. So ergreifend, wie er hernach das Wappen auf seinem Trikot küsste. So stolz. So glücklich. So gewahr dieses einzigartigen Moments. Mit eisschmelzfähigem Hundeblick. Mit Tränen in den Augen. "Oléééééé", schallte es durch das Stadion. Da heulte auch die Peru-Patin. Vor Freude – und nur ein bisschen bei dem Gedanken, was möglich gewesen wäre, hätte ihr Team in den ersten beiden Spielen ein klitzekleinwenig so effizient gespielt wie gegen die nun ebenfalls ausgeschiedenen Australier.

Adiós, peruanos, hasta la proxíma vez!

Fußball-WM 2018 : Sei Jogi

Sie sind einer der 82 Millionen Bundestrainer? Dann los: Stellen Sie Ihre Startelf auf und sehen Sie die Lieblingsmannschaft der ZEIT-ONLINE-Community. ... Mal wurde bereits abgestimmt.